Wieso die Wirtschaft (noch) nicht angebissen hat
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Die geplanten Neubauten auf dem Rösslimatt-Areal hinter dem Luzerner Bahnhof. (Visualisierung: Architron/SBB)

Luzern: Bildung statt Büros auf dem Rösslimatt-Areal Wieso die Wirtschaft (noch) nicht angebissen hat

5 min Lesezeit 06.01.2020, 18:12 Uhr

Trotz der kantonalen Tiefsteuerpolitik bezieht die Hochschule und nicht eine grosse Firma eines der zentralsten Areale in der Stadt Luzern. Das hat seine Gründe, sagen die Verantwortlichen – und sind optimistisch, dass dank dem Hauptmieter auf dem Rösslimatt-Areal eine positive Dynamik entstehen wird.

Welche Firma würde es sein, die nun endlich, nach langer Suche, ins SBB-Bürogebäude hinter dem Luzerner Bahnhof zieht? Das Geheimnis lüfteten die Verantwortlichen diesen Montag – mit einer Überraschung: Es ist kein Unternehmen, sondern die Hochschule Luzern (zentralplus berichtete).

Das erstaunt zum einen, weil es dem Kanton Luzern mit seiner Tiefsteuerpolitik doch ein Leichtes sein sollte, eine geeignete Firma für diesen zentralen Standort zu finden. Zum anderen betonten die Behörden in der Vergangenheit stets, zusammenhängende Büroflächen seien in Luzern äusserst gefragt.

Wieso also will sich kein Unternehmen an diesem zentralen Standort niederlassen?

Fünf Jahre Wartezeit sind zu lang

Dafür gibt es laut den Verantwortlichen mehrere Gründe. «Solche Areal-Entwicklungen sind aufwendig und brauchen Zeit», sagte Susanne Zenker, Leiterin Development bei der SBB. 2013 starteten die Planungen der SBB für das Areal, erst fünf Jahre später wurde der Gestaltungsplan rechtskräftig. Bis das Gebäude bezugsbereit ist, dauert es zudem weitere fünf Jahre. «Solange es keine rechtliche Sicherheit gibt, sagen viele Firmen nicht zu. Und fünf Jahre im Voraus einen Mieter zu finden, ist schwierig», sagt Armin Vonwil von SBB Immobilien.

Man sei mit mehreren Interessenten im Gespräch gewesen. Am Ende kam die Hochschule zum Zug, obwohl eine Firma aus finanziellen Gründen für die Eigentümerin SBB lukrativer gewesen wäre. Susanne Zenker bestätigte am Montag, dass sie der Hochschule im Mietpreis entgegengekommen sei. Auch weil sie – anders als manche Firmen – praktisch keine Parkplätze benötige, wie Rektor Markus Hodel anfügte.

«Häufig wissen gerade grosse Unternehmen heute noch nicht, wie viel Platz sie in fünf Jahren benötigen.» 

Andreas Zettel, Wirtschaftsförderung Luzern

«Die meisten Unternehmen wollen einen neuen Standort in der Regel innert maximal 12–18 Monaten beziehen», sagt auch Andreas Zettel von der Wirtschaftsförderung Luzern. Der lange Zeithorizont für die Realisierung sei beim Projekt Rösslimatt eine der grossen Herausforderungen gewesen. «Häufig wissen gerade grosse Unternehmen heute noch nicht, wie viel Platz sie in fünf Jahren benötigen.» 

Gepaart mit den benötigten Vorvermietungsständen sei dies für die Vermarktung des Projekts Rösslimatt einschränkend gewesen. Denn die SBB als Investorin wollte den Baustart erst in Angriff nehmen, wenn mindestens die Hälfte der Fläche vermietet ist.

Unattraktiv? Im Gegenteil!

Die Hochschule Luzern hingegen hat laut Andreas Zettel einen anderen Planungshorizont als eine Firma. Als schlechtes Signal für den Wirtschaftsstandort Luzern will er den neuen Rösslimatt-Hauptmieter keineswegs interpretieren. «Wir erhalten damit eine Art City Campus, der sehr zentral liegt und gut sichtbar ist, was auch für die Stadt Luzern als Wirtschaftsstandort förderlich ist», so der Leiter Unternehmensentwicklung. «Das direkte Umfeld von Hochschulen ist anziehend für Firmen und entsprechend gesucht.»

«Wir setzen nicht auf Bildung statt Unternehmen, sondern machen durch den Umzug der Hochschule gerade Raum frei für die Wirtschaft.» 

Marcel Schwerzmann, Regierungsrat

Ähnlich äussert sich auch der Luzerner Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos), der als «Vater der Tiefsteuerstrategie» gilt und seit Mitte 2019 als Bildungsdirektor amtet. «Wir setzen nicht auf Bildung statt Unternehmen, sondern machen durch den Umzug der Hochschule gerade Raum frei für die Wirtschaft.» 

Alleine die Departemente Soziale Arbeit und Wirtschaft verteilen sich heute auf sieben Standorte. Durch den Umzug der Musik-Studierenden an den Südpol werden bereits zuvor etliche Räume im Zentrum frei. Später folgen jene der Pädagogischen Hochschule, die auf den Campus Horw zügeln wird. Von aktuell über 20 Standorten konzentriert die Hochschule Luzern ihre Tätigkeit dereinst auf noch sieben.

«Für die Stadt Luzern bringt das grosse Chancen», sagt Andreas Zettel. «Viele heutige Standorte der Hochschule kommen in etwa fünf Jahren auf den Markt – und sind attraktiv für Firmen, die Arbeitsplätze und Wertschöpfung bringen.» 

Grosse Büroflächen sind gefragt

Der Entscheid für die Hochschule ist seiner Meinung nach keinesfalls ein Indiz dafür, dass grosse Büroflächen nicht gefragt seien. «Im Gegenteil: Wir haben nach wie vor eine angespannte Situation auf dem innerstädtischen Büromarkt, insbesondere bei grösseren zusammenhängenden Flächen», so Zettel. Er ist deshalb überzeugt, dass der Markt in den nächsten Jahren gerade auch dank des Umzugs der HSLU eine positive Dynamik erleben wird.

«Grosse zusammenhängende Flächen im Zentrum Luzern sind ein Bedürfnis.»

Susanne Zenker, SBB

Auch auf dem Rösslimatt-Areal entstehen weitere Flächen für Firmen zur Miete. Zum einen rund 4’000 Quadratmeter im Gebäude, das die HSLU bezieht. Zum anderen plant die SBB entlang der Bürgenstrasse zwei weitere Neubauten mit Büroräumen. Susanne Zenker von der SBB ist nach wie vor überzeugt: «Grosse zusammenhängende Flächen im Zentrum Luzern sind ein Bedürfnis.»

Auch Andreas Zettel ist optimistisch, dass die Nachfrage seitens Wirtschaft vorhanden ist. «Die Hochschule ist ein erster Meilenstein mit einem grossen Mehrwert für das neue Quartier. Jetzt können weitere folgen.»

Auf dem Baufeld A entsteht der Neubau für die Hochschule Luzern. Auf den Feldern B und C sind weitere Bürogebäude geplant, während D-F in erster Linie für Wohnungen vorgesehen sind. (Grafik: zvg)

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