Wieso die Luzerner Guuggenmusigen und Behörden zuwarten können
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Dass es diese Bilder 2021 nicht geben wird, ist wohl jedem klar. Doch gibt es Alternativen zur gewohnten Fasnacht? (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Noch kein Entscheid zur Fasnacht 2021 Wieso die Luzerner Guuggenmusigen und Behörden zuwarten können

4 min Lesezeit 4 Kommentare 17.09.2020, 20:00 Uhr

Die Vereinigten Guuggenmusigen haben noch nicht entschieden, ob sie im kommenden Jahr in irgendeiner Form Fasnacht machen, oder ob sie es definitiv bleiben lassen. Wieso dieses Vorgehen durchaus angezeigt ist.

Die Lozärner Fasnacht 2021 ist tot. Es lebe die Lozärner Fasnacht 2021! So lässt sich die aktuelle Situation rund um die «rüüdigen Tage» des kommenden Jahres in etwa zusammenfassen. Während das Luzerner Fasnachtskomitee (LFK) seine grossen Anlässe wie die Umzüge oder den Fasnachtsmärt unter der Egg aus nachvollziehbaren Gründen abgesagt hat, wollen andere Organisationen wie die Vereinigten Guuggenmusigen noch keine Pflöcke einschlagen und lassen sich alle in Zeiten einer Pandemie möglichen Optionen offen. «Das Monstercorso können wir auch am Nachmittag des Güdisdienstag noch absagen», fasste Präsident Robert Marty die Stimmung gegenüber zentralplus zusammen.

Nun ist die Frage durchaus berechtigt, ob in der nach wie vor sehr angespannten pandemiologischen Lage klare Ansagen, sprich ein offizieller Verzicht auf sämtliche fasnächtliche Aktivitäten, nicht endlich angezeigt wären. Nicht unbedingt. Und das hat insbesondere mit der von Marty angesprochenen Flexibilität zu tun.

Absage kann auch sehr spontan erfolgen

Der Bundesrat hat beschlossen, Anlässe mit mehr als 1’000 Personen ab Oktober wieder zuzulassen. Wieso also nicht ein oder zwei Guuggen-Konzerte auf den grossen Plätzen in der Altstadt anpeilen? Wieso sollen für fasnächtliche Anlässe nicht die gleichen Regeln gelten wie für andere Events?

Sollten diese oder ähnliche Aktionen aus pandemiologischen Überlegungen letztlich nicht möglich sein, wird der offizielle Verzicht vonseiten der Guuggenmusigen, Aktivitäten für und in der Öffentlichkeit durchzuführen, unmittelbar und ohne Nebengeräusche vonstattengehen. Denn dass sie Verantwortung für ihre Mitmenschen auch während der turbulenten fünften Jahreszeit leben und wahrnehmen, beweisen die Vollblutfasnächtlerinnen Jahr für Jahr.

Kein Risiko wie bei anderen Veranstaltern

Da die Fasnachtsorganisationen keine kommerziellen Veranstalter sind, tragen sie keinerlei finanzielle Risiken, wenn sie sich mit ihrem Entscheid noch etwas Zeit lassen. Und für Guuggen-Konzerte müssen auch keine Strassen gesperrt werden, wie das für die Umzüge nötig ist.

Was bedeutet das also? Nichts weiter, als dass der Entscheid, die Fasnacht 2021 definitiv und komplett ausfallen zu lassen, statt im Spätsommer möglicherweise erst im Januar gefällt würde. Und wer bereits heute definitive Pläne für den Februar schmieden muss, zum Beispiel weil er Ferien buchen und trotz der Pandemie und gegenteiligen Empfehlungen seitens der Behörden ins Ausland fliegen will, wäre halt einfach nicht dabei, sollte die spezielle und möglicherweise einzigartige Fasnacht in der Leuchtenstadt über die Bühne gehen.

Sind kontrollierbare Events möglich?

Hinzu kommt, dass man aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen mit der Pandemie wohl davon ausgehen darf – vielleicht sogar muss – dass sich viele Menschen die Fasnacht irgendwie holen werden. Der Verzicht auf das Feiern in den Clubs war, sogar während des vergangenen Traumsommers, in unserer Gesellschaft leider nicht durchzusetzen – trotz der allgemeinen Solidaritätsbekundungen zu Beginn der Pandemie. Kontrollierte Events an der frischen Luft könnten gegenüber Veranstaltungen in nicht geschlossenen, schlecht durchlüfteten Räumen folglich sogar einen Vorteil haben. Mit Betonung auf «könnten»!

Inwiefern man bei Fasnachtsanlässen aber tatsächlich von «kontrolliert» sprechen kann, muss natürlich ohne Scheuklappen und ohne Angst vor dem Ergebnis diskutiert werden. Am Ende des Tages wird zusammen mit den Behörden entschieden werden müssen, ob man das Risiko eingehen und Veranstaltungen in abgespeckter Version abhalten, Fasnacht machen und die Verantwortung dafür tragen möchte.

DIE Lozärner Fasnacht gibt es nicht

Letztlich steht die Frage im Raum, was die Definition von «Lozärner Fasnacht» ist und ob dieser Begriff nicht flexibel angewandt werden kann. Wer will schon von sich behaupten, die eindeutige und undiskutable Auslegung des Begriffs zu kennen? Denn das Wort «Spontanität» wird gerade in der aktuellen Debatte gerne bemüht, wenn es um die Fasnacht in der Stadt Luzern geht. Und vielleicht wird die Fasnacht 2021 ja genau deshalb zum unvergesslichen Erlebnis, weil sie einmalig sein könnte.

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4 Kommentare
  1. Marc Unternährer, 18.09.2020, 09:12 Uhr

    Was ist Fasnacht ohne Chaos? Genau das geht aber nicht.

    Der Autor kennt offenbar die Auflagen nicht, unter denen grosse Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen. Wie soll Contact Tracing, Aufteilen in Sektoren, Zugangskontrollen durchgeführt werden in der Altstadt? Schon nur: Wer entscheidet, welche 1000 Leute an die Fasnacht dürfen? Ausserdem haben Fasnächtler*innen eine monatelange Vorbereitungsphase, wenn dann ein paar Tage vorher alles abgesagt wird, ist die Frustration noch grösser.

    Dieser Artikel ist uninformiert und strotzt vor Denkfehlern.

    1. Redaktion Claudio Birnstiel, 18.09.2020, 10:36 Uhr

      Vielen Dank für Ihren Beitrag. Meinen Kommentar habe ich als jahrelanger aktiver Fasnächtler verfasst, der sich momentan persönlich genau mit der Frage bezüglich der «monatelangen Vorbereitungsphase» auseinandersetzt und auslotet, was am Schluss davon übrig bleiben wird. Ich bin überzeugt, dass die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler sehr genau wissen, was die momentane Situation bedeutet und es steht ihnen frei, sich in die Vorbereitung zu stürzen oder bereits jetzt darauf zu verzichten. Dies im Hinterkopf werden sie meiner Ansicht nach mit dem möglichen Frust klar kommen, sollten sie sich für die erste Option entscheiden. Hinzu kommt, dass diverse Musigen trotz Corona derzeit versucht sind, das Vereinsleben irgendwie aufrecht zu erhalten. Das damit verbundene gemeinsame Proben über den Winter (falls dies aus medizinischen Überlegungen möglich ist) könnte folglich mit einem oder zwei Auftritten im Februar (in welchem Rahmen auch immer) abgeschlossen werden – oder halt nicht.

      Ausserdem handelt es sich beim Punkt mit den Plätzen in der Altstadt um ein Gedankenspiel. Natürlich könnte man die Guuggenmusigen auch vor dem KKL oder auf der Allmend auftreten lassen, sofern das für sie infrage käme. Sollten sich die Fasnächtler und die Behörden nicht finden oder zum Schluss kommen, dass die Durchführung kleinerer Fasnachtsevents, welcher Art auch immer, aus epidemiologischer Sicht nicht zu verantworten ist oder eine Fasnacht unter den gegebenen Umständen absolut keinen Sinn ergibt, wird es letztlich heissen: Die Fasnacht 2021 ist komplett abgesagt! Es geht im Kommentar also lediglich um die Frage, ob diese Worte bereits im Spätsommer fallen müssen, oder ob es auch zu Beginn des nächsten Jahres noch reicht und man dadurch die Zeit hat, kreative Lösungen zu diskutieren.

  2. marisa, 18.09.2020, 06:59 Uhr

    Ist unverauntwortlich sollte sicher keine tagwache geben und kein mostercorso sonst müssen alle wieder darunter leiden und ferien gibts dann auch wieder nicht. man kann wirklich der gesundheit wegen mal verzichten

  3. Billa, 17.09.2020, 21:09 Uhr

    Das ganze wirft die Frage auf ob man Ferien nehmen soll wenn man nur 4 Wochen hat?

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