Wieso die Elektrooffensive bei den Bussen stockt
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Die E-Busse kurven durch Zug. (Bild: zvg)

Busfahren in Zug soll klimaneutral werden Wieso die Elektrooffensive bei den Bussen stockt

5 min Lesezeit 1 Kommentar 27.01.2020, 14:00 Uhr

CVP und GLP fordern eine aktivere Rolle der Zuger Regierung im Hinblick auf eine Elektroflotte im Zuger Busnetz. Denn noch immer werden Dieselbusse angeschafft, obwohl der ÖV klimaneutral werden muss. Die Gründe für den zögerlichen Elektroausbau.

Die Zuger Grünliberalen machen Druck für mehr Elektrobusse: In einem Postulat fordern sie, dass die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) auf Elektro- statt Dieselbusse setzen. Hintergrund ist der geplante Kauf von 30 neuen Dieselfahrzeugen (zentralplus berichtete).

Diese würden rund 15 Jahre im Einsatz sein und während dieser Zeit umweltfreundliche Modelle mit Elektro- oder Wasserstoffantreib verhindern, klagt die GLP und ist überzeugt: «Es zeichnet sich ab, dass Elektrobusse in naher Zukunft auch ökonomisch die bessere Variante darstellen.» Als Hauptaktionär der ZVB sei deshalb auch der Kanton Zug gefordert.

Zum Vergleich: Basel-Stadt will seinen öffentlichen Verkehr bis 2027 komplett mit erneuerbaren Energien betreiben, und auch in Schaffhausen hat sich das Stimmvolk für eine Umstellung auf Batteriebusse ausgesprochen.

Die Schweiz muss bis 2050 emissionsneutral unterwegs sein und auch die ZVB haben als Fernziel einen CO2-neutralen Linienbusbetrieb bis 2035 festgesetzt. Wie verträgt sich das mit der Anschaffung von neuen Dieselbussen?

Verschiedene Technologien parallel

Die Zuger Regierung stützt den Entscheid der ZVB zugunsten der «verlässlichen Technologien der Hybrid- und Dieselantriebe». Sogenannte Rahmenbeschaffungen alle vier Jahre gemeinsam mit anderen Busunternehmungen ermöglichen lukrative Angebote. Die rollende Beschaffung von Bussen habe den Vorteil, dass die ZVB besser auf neue Technologien reagieren können.

Was zudem gegen ein überhastetes Umstellen auf Elektrobusse spricht: Die ZVB seien auf einsatzfähige Fahrzeuge mit hoher Verfügbarkeit angewiesen, weil diese teils während 20 Stunden nahtlos im Einsatz seien.

«Da die Nachfrage nach Elektrobussen derzeit erheblich höher ist als das Angebot, sind die Lieferfristen entsprechend lang.»

Zuger Regierung

Elektrobusse seien heute teurer in der Beschaffung und die Reichweite der Fahrzeuge sei noch nicht ausreichend, um sämtliche Dieselfahrzeuge mit Berg- und Talstrecken zu ersetzen.

Mit dem «bedachten Vorgehen» halten sich die ZVB alle Türen offen und können auf den jeweiligen Stand des Fortschritts reagieren. Damit ist Zug nicht alleine, auch andere Städte setzen parallel auf verschiedene Technologien, etwa die Stadt Zürich.

Elektro-Gelenkbus auf der Probefahrt zwischen Luzern und Ennethorw.

Teurer und kleinere Reichweite

Auch bei der Verfügbarkeit hinken die Batteriebusse (noch) hinter der Dieselkonkurrenz her: «Da die Nachfrage nach Elektrobussen derzeit erheblich höher ist als das Angebot, sind die Lieferfristen entsprechend lang», weiss die Zuger Regierung.

Der Markt sei zwar «im Fluss», stellt auch die Zuger Regierung fest. Die Entwicklung von E-Bussen und -Lastwagen zieht an, aber die Modelle seien erst in einzelnen Segmenten erhältlich. «Verbindliche Aussagen über Leistungs- und Einsatzfähigkeit dieser Fahrzeuge und deren Langzeiterfahrung geben die Hersteller nur beschränkt ab.»

Bei den ZVB fehlen auch noch die nötige Technik, Logistik und die betrieblichen Abläufe für einen flächendeckenden Elektrobetrieb – die Umstellung benötigt mehr Zeit.

E-Busse kommen ins Parlament

Auch die CVP-Fraktion fordert mit einem Vorstoss, dass die ZVB eine Pionierrolle im Schweizer ÖV einnimmt – und eine stärkere Unterstützung des Kantons: Der Regierungsrat solle das Gesetz über den öffentlichen Verkehr so ändern, «dass die zusätzlich anfallenden Betriebs- und Investitionskosten eines CO2 neutralen Busbetriebes (…) der nächsten 20 Jahre von der öffentlichen Hand zu tragen sind.»

Auch der Kostendeckungsgrad des ÖV von 40 Prozent durch Billetteinnahmen sei zu diskutieren. Damit will die CVP verhindern, dass die Fahrpreise infolge der CO2-Neutralität und der entstehenden Mehrkosten erhöht werden müssen. «Die Pionierrolle des Kantons Zug soll nach Ansicht der CVP-Fraktion nicht an der Frage des Fahrpreises oder des Deckungsgrades scheitern».

Was die finanziellen Mittel für die weitere Umsetzung eines CO2-freien ÖV betrifft, äussert sich Zuger Regierung nur vage und will «unterstützend im Sinn des Energieleitbilds auf die ZVB einwirken».

E-Bus-Ausschreibung startet 2020

Die ZVB fördern die Elektromobilität schon heute und ist «schweizweit vorne mit dabei», ist die Zuger Regierung überzeugt und verweist auf diverse Massnahmen und Tests zur Förderung von Elektrobussen. Als Schweizer Premiere haben die ZVB im November 2019 einen Elektrobus angeschafft, der seither im Einsatz ist (zentralplus berichtete).

In der langfristigen Strategie des ÖV-Unternehmens haben Dieselantriebe nichts mehr zu suchen. Die Einführung erfolge schrittweise und nach «finanziellen und technischen Möglichkeiten».

Auch Luzern sattelt auf Elektro-Busse um

Auch in Luzern schreitet die Elektrifizierung des Busbetriebs voran, nicht nur weil die Stadt im Gegensatz zu Zug ein Trolleybusnetz betreibt. Bis 2040 sollen Dieselbusse von den Strassen verschwinden und durch solche mit Batterieantrieb ersetzt werden. Die ersten fünf Linien sind nun als Pilotprojekte bekannt (zentralplus berichtete): Die Linie 10 der VBL, die Linien 60 und 64 der Rottal Auto AG, die Postauto-Linie 70 und 89. Doch wieso erst ab Ende 2021? Die Umstellung braucht Zeit, nicht zuletzt, weil zuerst noch zehn geeignete Fahrzeuge gekauft werden müssen. «Elektrobusse sind auf dem Markt begehrt», sagte VVL-Geschäftsführer Pascal Süess am kantonalen Mobilitätskongress vom Mittwoch.

Im Jahr 2021 wird die erste Buslinie vollständig auf Elektrobetrieb umgestellt. Mit anderen Busunternehmen gleisen die ZVB eine Ausschreibung für Batteriebusse auf, die noch Anfang 2020 starten und aufzeigen soll, wie sich die Preise von Elektrobussen seit 2018 entwickelt haben.

Die grosse Welle von Elektrobussen steht wohl erst noch bevor: In den nächsten Jahren sei ein Technologieschub in der Batterietechnik zu erwarten, so dass Elektrobusse ihre Nachteile in Sachen Reichweite gegenüber Dieselmodellen wettmachen können, prophezeit die Zuger Regierung.

Von der Politik brauche es jetzt ein «klares politisches Bekenntnis zugunsten der Elektromobilität mit gleichzeitiger Bewilligung der dafür notwendigen finanziellen Mitteln», so die Regierung mit Blick auf die Parlamentsdebatte. Der Zuger Kantonsrat wird am 30. Januar über Elektrobusse debattieren.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 28.01.2020, 13:25 Uhr

    Horizonterweiterung tut gut: Warum nicht auch Busse mit Wasserstoffantrieb in Erwägung ziehen? Andere Städte und Regionen sind da offenbar schon weiter als die Bitcoin-City Zug: https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/test-im-linienbetrieb-wasserstoff-busse-gegen-fahrverbote-15984445.html

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Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.