Wieder sind zwei Jugendliche aus Luzern am Drogenkonsum gestorben
  • Gesellschaft
Die beiden Jugendlichen sind gestorben, weil der Mischkonsum verschiedener Substanzen eine tödliche Wirkung hatte. (Bild: Symbolbild Adobe Stock)

Gutachten bringt traurige Gewissheit Wieder sind zwei Jugendliche aus Luzern am Drogenkonsum gestorben

4 min Lesezeit 10 Kommentare 05.08.2020, 05:00 Uhr

Was vor ein paar Wochen ein schlimmer Verdacht war, hat sich nun bestätigt: In Luzern sind im Frühling zwei junge Menschen gestorben, weil sie Drogen und Medikamente genommen haben. Der gefährliche Mischkonsum hatte 2018 schon zwei anderen Jugendlichen das Leben gekostet.

Man kann sich kaum vorstellen, welches Leid diese Todesfälle über die Familien der Jugendlichen gebracht haben. An einem Frühlingsabend dieses Jahres legte sich ein 20-jähriger Luzerner zu Hause ins Bett – und stand nicht wieder auf.

Er starb, weil er unterschiedliche Substanzen eingenommen hatte, die in ihrer Kombination eine tödliche Wirkung entfalteten. Nur vier Tage später endete das Leben einer 18-jährigen Frau auf die gleiche Weise, wie toxikologische Gutachten jetzt zeigen.

Dies bestätigt die Staatsanwaltschaft Luzern auf Anfrage von zentralplus. Sie hat die Ermittlungen in den beiden Fällen deshalb eingestellt – eine Dritteinwirkung ist ausgeschlossen.

Die beiden Todesfälle reihen sich in eine Folge erschreckender Meldungen, die darauf hindeuten, dass sich in Luzern unter dem Radar der Behörden eine neue Drogenszene entwickelt.

Bereits vier Todesfälle

Im Juni machte die «NZZ» publik, dass bereits 2018 zwei Jugendliche an einem tödlichen Drogencocktail gestorben waren. Ein 18-Jähriger wurde von seiner Mutter tot aufgefunden, als sie ihn zum Abendessen holen wollte. Der zweite Luzerner starb im Dezember 2018 in Zürich am Mischkonsum, wie Recherchen von zentralplus ergaben.

«Wir haben in Luzern definitiv ein Problem.»

Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft

Damit sind in Luzern nun bereits vier Todesfälle im Zusammenhang mit Mischkonsum zu beklagen. Und es dürfte noch eine Vielzahl weiterer Jugendlicher geben, die mit Drogencocktails ihr Leben aufs Spiel setzen.

Im September 2019 hatte die Luzerner Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass man einen Drogenring entdeckt habe, dem rund 50 Personen angehörten.

Es handelte sich um Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren, Lehrlinge, Gymnasiasten, Hochschüler, die im Internet Drogen bestellt, sie im grösseren Stil konsumiert und weiterverkauft hatten (zentralplus berichtete).

Konsequenzen sind den Jugendlichen nicht bewusst

Die aktuellen Todesfälle haben mit diesem Drogenring nichts zu tun, wie Abklärungen der Staatsanwaltschaft ergaben. Das deutet darauf hin, dass Problem mit den Verhaftungen vom letzten September längst nicht gelöst ist. Vielmehr dürfte sich in Luzern eine entsprechende Szene entwickelt haben.

«Wir haben in Luzern definitiv ein Problem», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. «Die Jugendlichen sind sich nicht bewusst, was sie ihrem Körper mit dem Drogenkonsum zumuten – und sie machen sich auch keine Vorstellung davon, was ein entsprechender Strafregister-Eintrag für ihre berufliche Zukunft bedeuten könnte», meint Kopp.

«Den Konsumenten merkt man kaum etwas an – deshalb bleiben sie unter dem Radar.»

Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft

Manche Jugendliche hätten im Laufe der letztjährigen Ermittlungen angegeben, sie hätten einen «Kick» gesucht. Wochenende um Wochenende schmiessen sich die Cliquen Drogen rein. Teilweise mieteten sie dafür eigens Hotelzimmer an (zentralplus berichtete).

Andere sagten gemäss Kopp aus, dass sie die Drogen gebraucht hätten, um wach zu bleiben und die Schule zu überstehen. Das Erschreckende: Weder die Eltern noch die Lehrer hatten vom Drogenmissbrauch etwas mitbekommen.

Politikerin ist alarmiert

«Es handelt sich um eine Szene, die nicht offen in Erscheinung tritt. Den Konsumenten merkt man kaum etwas an – deshalb bleiben sie unter dem Radar», meint Kopp. Er hofft, dass die Sensibilisierungskampagne der Luzerner Polizei an den Schulen bald Wirkung zeigen wird.

Seit der Drogenring entdeckt wurde, gehen Polizisten aktiv in die Klassenzimmer, um die Schülerinnen über Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch aufzuklären (zentralplus berichtete).

«Wir haben das Problem auf dem Radar, aber noch fehlen uns verlässliche Daten.»

Infodrog-Leiterin Franziska Eckmann

Die Meldung über die ersten Todesfälle hat zudem die Luzerner Politik auf den Plan gerufen. Die grüne Kantonsrätin Rahel Estermann hat dazu eine Anfrage an die Regierung eingereicht. Darin will sie wissen, ob in den letzten Monaten eine Zunahme des Drogenkonsums festgestellt wurde – und ob der Kanton eine breite Informationskampagne in Betracht zieht.

Nächsten Monat kommt das Drug-Checking

Die Entwicklungen in der Drogenszene beobachtet unter anderem die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht (Infodrog). Doch auch diese hat bislang keine Zahlen dazu, wie sich die Situation in Luzern in den letzten Monaten entwickelt hat.

«Diese Konsumenten sind noch in der Schule, sie fallen nicht auf in der Öffentlichkeit. Wir haben das Problem auf dem Radar, aber noch fehlen uns verlässliche Daten», so Infodrog-Leiterin Franziska Eckmann.

Liefern könnte diese dereinst unter anderem das Drug-Checking, das die Luzerner Gassenarbeit im September eröffnen möchte (zentralplus berichtete). Konsumenten sollen dort den Stoff testen lassen können – damit sie wenigstens wissen, was sie zu sich nehmen.

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10 Kommentare
  1. Snickas, 06.08.2020, 15:32 Uhr

    Ich finde diese Berichterstattung grausig. Drogen werden hier einfach mal verallgemeinert und verteufelt, wahrscheinlich mal wieder von Leuten, welche noch nie im Leben Drogen genommen und somit keine Ahnung von der Materie haben. Es spielt durchaus eine Rolle ob man sich ein paar Filze oder einen Joint gönnt oder Medikamente welche bei Überdosis zu Atemlähmungen führen. Und nur dass das einmal gesagt ist: Es sterben viel mehr Leute am Alkohol (welcher legal ist notabene) als an illegalen Drogen. Aber für die Medien sind solche sehr seltenen Unglücke natürlich ein gefundenes Fressen.

    1. Redaktion Lena Berger, 07.08.2020, 12:15 Uhr

      In der verlinkten Berichterstattung ist detailliert aufgeführt, um welche Substanzen es sich handelt – zudem habe ich es aufgrund des Kommentars von Ludwig ja bereits ergänzt. Beim Tod von inzwischen vier jungen Menschen von einem „gefundenen Fressen für die Medien“ zu sprechen, finde ich geschmacklos. Es handelt sich um seltene Unglücke, das stimmt. Aber sie kommen nicht einfach aus dem Nichts, da sind sich Fachstellen und Polizei einig. Was den Alkohol angeht, so ist es zweifellos richtig, dass dieser gefährlich ist – gerade in Kombination mit atemlähmenden Medikamenten. Sollen wir deswegen jedes Mal, wenn illegale Drogen thematisiert werden, darauf hinweisen, dass auch Alkohol gefährlich ist? Das wäre kaum sinnvoll. Für mich klingt das eher nach Whataboutism.

    2. Snickas, 07.08.2020, 14:35 Uhr

      Was ich mit meiner „geschmacklosen Aussage“ und meinem „Whataboutism“, wie sie meine Argumentation kritisieren, sagen wollte ist, dass ich die Gewichtung der Berichterstattung für ungerechtfertigt halte. Sie suggeriert den Lesern, dass wir ein wachsendes Drogenproblem haben, was schlichtweg falsch ist. Ich verstehe auch nicht, was sie damit sagen wollen „…kommen nicht einfach aus dem Nichts…“ als würde hinter jedem Drogenkonsum ein Missstand stecken. Wie bereits im Artikel erwähnt wurde, merkt man de Betroffenen meist nichts an. Das liegt daran dass geschätzt 9 von 10 Drogenkonsumenten ein stabiles soziales Umfeld und eine Anstellung haben. Drogen sind ein Zeitvertreib zum Spass wie wenn Sie in den Europapark gehen würden und nicht grundsätzlich ein Mittel um Existenzen zu zerstören. Ich bin froh wenn nun endlich Daten erhoben werden, sie werden aufzeigen wie gering eigentlich das Schädigungspotential bestimmter Drogen ist.

  2. Ulrich, 06.08.2020, 12:25 Uhr

    Diese Wohlstandsverwahrlosten Kinder wachsen ohne Grenzen und Regeln auf. Die Kinder am besten einfach in ein Internat im Ausland schicken, da kommen sie nicht auf solche Gedanken.

    1. OMG, 06.08.2020, 15:01 Uhr

      Das klingt sehr vernünftig. Genau so sollte man diese Probleme handhaben. Sind Sie Pädagoge oder ist das einfach Ihr ganz spezielles Talent?

  3. Luzerner, 05.08.2020, 14:18 Uhr

    Ech möcht gern Ufkläre dases garned so underem Radar ablauft oder versteckt wird, ech selber befinde mich au im Alter vo de erwähnte im Bricht. De witz isch ech han zwar nonie öppis probiert aber hät d’möglichtkeit scho ab 12i gha vo liechte bis zu herte droge. Könne durchgehend d’lüt vo Konsumente zu Verteiler und mer weiss scho lang wer was Konsumiert, das jetz offiziell so ahnigslos toh wird findi scho fast lächerlich…. Das ech selber 0 konsumiert han grenzt scho schier anes wonder i minere Generation ond hanget eifach nor met mine öberzügige zemme. Mer söt evt. mal ufe Grond goh wieso das so breit Konsumiert wird.. (fehlendi Freizit ahgebot Rüüm för die Alterskategorie zom sech chönne Uslebe/tobe in verbindig mit vell stress und Pflichte wo au selte sinnvolli Understützig vorhande isch)

    LG usem Volk 😉

    1. Redaktion Lena Berger, 05.08.2020, 16:05 Uhr

      Vielen Dank für deinen Kommentar und den spannenden Einblick. Ich finde es interessant, dass der Umgang untereinander so offen ist. Jeder weiss, wer was konsumiert – aber Eltern, Lehrer, Polizistinnen und Sozialarbeiter scheinen davon kaum etwas mitzubekommen. Spannend auch, was aus deiner Sicht die Probleme verursacht: fehlender Freiraum und hoher Leistungsdruck. Ich würde gern ein paar Ideen sammeln, wie man das verbessern könnte. Wenn du Lust hast, mir noch etwas mehr zu erzählen, kannst du dich gern direkt per Mail an mich wenden ([email protected]).

    2. Billie Holiday, 06.08.2020, 00:28 Uhr

      Vielleicht gewinnt man etwas an Sinnhaftigkeit, wenn man in der Schule soweit aufpasst, dass man in der Lage ist, sich auf Schriftdeutsch auszudrücken. Das ermöglicht im Weiteren auch durchaus sinnvolle Freizeitgestaltung. Ach so, nein, das ist ja mit „Stress“ verbunden, der einen dann davon abhält, die Freiräume zu nutzen, die im übrigen heutzutage bis zum Abwinken angeboten werden. Gar keine Umstände, keine Gesellschaft, keine „Sozialarbeiter“ sind schuld, wenn alles reingepfiffen wird, dessen man habhaft werden kann. Jede ist ihres eigenen Glückes Schmied.

  4. ludwig, 05.08.2020, 10:58 Uhr

    Was den für Drogen? Es gibt mittlerweile so viele verschiedenen, dass man hier differenzieren sollte. Wir sprechen von Benzodiazepinen und Codein, nicht wahr?

    1. Redaktion Lena Berger, 05.08.2020, 11:49 Uhr

      Diesbezüglich gibt es unterschiedliche Angaben. Offenbar geht das Repetoire von Kokain, Amphetamin, Marihuana und psychoaktiven Pilzen bis zu verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Morphin, Valium, Codein, Rivotril und Dormicum.

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