Wie viel Blech erträgt Luzern?
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Mit ihrer Initiative verlangen die Juso, dass der Carparkplatz beim Inseliquai aufgehoben wird. (Bild: azi)

Initiative für carfreies Inseliquai Wie viel Blech erträgt Luzern?

4 min Lesezeit 05.06.2015, 10:00 Uhr

Keine Cars mehr, dafür mehr Grünfläche − was würde das für Luzern bedeuten? Die Meinungen dazu gehen auseinander. Klar ist: Es würde die Stadt, den Tourismus und die Realisierung der Salle Modulable vor Probleme stellen.

Die Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» ist zustande gekommen (zentral+ berichtete). Mit der Initiative verlangen die Juso, dass der Carparkplatz beim Inseliquai aufgehoben wird − zugunsten einer Erweiterung der dort bestehenden Grünfläche. 

«Eine Aufwertung des Inseli wird von vielen unterstützt», sagt Niklaus Rigert, Präsident der Juso Stadt Luzern. Zudem seien die Reisecars in breiten Kreisen der Stadtbevölkerung äusserst unbeliebt. «Dies aus verschiedenen Gründen», meint Rigert. «Sie sind laut und dreckig, verstopfen die Strassen und gefährden andere Verkehrsteilnehmer.» Insofern ist er überzeugt, dass dieses Anliegen bei der mit grösster Wahrscheinlichkeit kommenden Volksabstimmung gute Chancen haben wird.

«Es wäre wohl weniger der Tourismus als vielmehr die Stadt Luzern, die bei einer Annahme ein Problem hätte.»
Roland Koch, Verkehrsexperte beim Tiefbauamt Stadt Luzern 

Doch was würde ein Ja zur Aufhebung des Carparkplatzes am Inseli für Luzern und den Tourismus bedeuten? «Es wäre wohl weniger der Tourismus als vielmehr die Stadt Luzern, die dann ein Problem hätte», ist Roland Koch, Verkehrsexperte beim Tiefbauamt der Stadt Luzern, überzeugt. «Die Stadt Luzern lebt vom Tourismus und wenn sie dies weiter tun will, dann muss sie für die Touristinnen und Touristen auch gewisse Infrastrukturen zur Verfügung stellen.»

Privilegierte Situation

Dazu würden unter anderem auch zentrale Carparkplätze gehören, so Koch weiter. Das Problem: Diese sind bereits heute am Limit. Der Standort am Inseli ist mit seinen total 26 Carparkplätzen und 6 Caranhalteplätzen immer stark ausgelastet − genau wie jene am Löwen- und am Schwanenplatz (zentral+ berichtete). 

«Cars können an den zentralsten und schönsten Orten parkieren. Das ist weder nötig noch gerechtfertigt.»
Niklaus Rigert, Präsident Juso Stadt Luzern

Die Stadt Luzern wäre im Falle einer Annahme der Initiative also gezwungen, bestehende Standorte zu erweitern und alternative Carparkplätze anzubieten – was zumindest kurzfristig ein schwieriges Unterfangen wäre. Seitens der Initianten ist man überzeugt, dass ein Carparkplatz auf der Allmend respektive dem Mattenhof eine gute und leicht realisierbare Idee wäre. «Von dort aus könnten Reisende sehr leicht mit der Zentralbahn direkt an den Hauptbahnhof fahren», so Nik Rigert.

Das Argument der Gegner, dass dieser Standort zu wenig zentral sei, lässt Rigert nicht gelten. «Die Situation, wie sie sich momentan darstellt, ist schlicht ein gewaltiger Luxus.» In keiner anderen Stadt hätten die Cars eine derart privilegierte Situation wie in Luzern: «Sie können an den zentralsten und schönsten Orten parkieren. Das ist weder nötig noch gerechtfertigt», so der Juso-Präsident weiter.

Wie viel Tourismus erträgt Luzern?

Jährlich besuchen über 6,5 Millionen Touristen Luzern. Verglichen mit den 80’000 Einwohnern der Stadt ist das eine bemerkenswerte Anzahl. «Der Ansturm ist in den letzten Jahren förmlich explodiert», sagt Rigert. Für ihn sei die eigentliche Frage daher, wie viel Tourismus die Stadt Luzern überhaupt aushalten kann. «Luzern Tourismus fördert mit seinen Kampagnen hauptsächlich den Massentourismus aus China und Indien − und dies ausschliesslich zugunsten der Uhrenindustrie.»

«Von diesen enormen Einnahmen profitiert die Luzerner Bevölkerung aufgrund von tiefen Unternehmenssteuern insgesamt sehr wenig», meint Rigert weiter. «Wir plädieren daher für eine Umstellung auf sanfteren Tourismus und massiv weniger Carverkehr in der Stadt.»

Grünfläche statt Salle Modulable

Doch eine Annahme der Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» hätte nicht nur Auswirkungen auf den Verkehr. Auch käme das Inseli damit nicht mehr als möglicher Standort für die Salle Modulable infrage. Dies ist ganz im Sinne der Juso, die sich bereits zuvor gegen diesen geäussert haben. «Zunächst soll die Grünfläche am See erhalten und ausgeweitet werden», erklärt Rigert.

«Es ist fragwürdig, ob das High-Class-Kulturangebot direkt neben dem alternativen Angebot existieren kann.»
Niklaus Rigert, Präsident Juso Stadt Luzern

Des Weiteren sei unklar, ob die lockere, ungezwungene Atmosphäre, die im Moment auf dem Inseli herrsche, nicht durch die Salle Modulable beeinträchtigt werde: «Es ist fragwürdig, ob das High-Class-Kulturangebot direkt neben dem alternativen Angebot von Volière und Buvette existieren kann, ohne dass eine Verdrängung stattfindet.»  

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