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Wie Thomas Aeschi plötzlich die Argumente der Gegenseite übernimmt
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Zu Gast bei Michael Elsener: Thomas Aeschi (SVP, links) und Balthasar Glättli (Grüne). (Bild: lha )

Bei Michael Elsener tauschte er Seite mit Glättli Wie Thomas Aeschi plötzlich die Argumente der Gegenseite übernimmt

4 Min 22.10.2018, 16:00 Uhr

Im Casinotheater Winterthur hat der Zuger Comedian Michael Elsener mit Thomas Aeschi (SVP) und Balthasar Glättli (Grüne) zwei politische Schwergewichte für einen Rollentausch eingeladen. Ein genauso verwirrendes wie lustiges Experiment zwischen den politischen Polen.

Casinotheater Winterthur: Bühnenlicht an, Sound ab, Auftritt Michael Elsener. Die erste Ausgabe des neuen Formats «Michi talkt» werde denkbar einfach, meint er: «Zwei Gäste, ein Michi.» Und diese drei, die «talken» dann miteinander.

Ein Konzept, so einfach, ein Fünfjähriger könnte es mit Wachsmalstiften aufmalen. Zu einfach sollte es jedoch nicht werden für die beiden Gäste. Im Laufe der Show sollten der Zuger SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi und der Grüne Balthasar Glättli, ebenfalls Fraktionspräsident seiner Partei, noch ziemlich gefordert werden.

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Glättli, der Nerd

Seine Gäste könnten nicht weiter voneinander entfernt sein, erzählt Michael Elsener. «Es wird ein Abend zwischen den Polen», meint er. Wenn man sich ihre Positionen anschaue, fände man da beinahe keine Gemeinsamkeiten.

«Die wollen einfach die Menschenrechte abschaffen.»

Thomas Aeschi, SVP-Fraktionspräsident

Nun sitzen sie aber nebeneinander und plaudern ganz entspannt über dies und das. Kein Spiessrutenlauf mit Stolperfallen und spitzen Witzen. Ein sitzender Sonntagsspaziergang in entspannter Atmosphäre. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Glättli und Aeschi gut auch über sich selber lachen können. Aeschi erzählt, wie ihm spätabends eine Eringer Kuh aufgeschwatzt wurde. Glättli gibt zum Besten, wie er früher als Kind einen Computer selber zusammenbastelte und diese Nerd-Ader bis heute nicht abgelegt habe.

Aeschi und die Gesetze

Dazwischen wird immer wieder gespielt. Das erste Spiel: Gesetzeraten. Michael Elsener hat sich seltsame Gesetze zusammengesucht und dabei auch ein bisschen die Fantasie spielen lassen. Und nun fragt er Thomas Aeschi: Gibt es diese Gesetze wirklich, oder sind die frei erfunden? Sind beispielsweise Weinbergschnecken tatsächlich geschützt im Kanton Zug?

Michael Elsener nahm seine Gäste in die verbale Mangel.

Michael Elsener nahm seine Gäste in die verbale Mangel.

(Bild: lha)

Aeschi schüttelt zögernd den Kopf. Aber doch, Weinbergschnecken sind tatsächlich seit 1977 geschützt. Und dürfen in Appenzell Ausserrhoden Hunde wirklich nur so stark stinken, dass sich die Nachbarn nicht belästigt fühlen? Das kann wohl wirklich nicht sein, meint Aeschi – aber auch das gibt es.

Souverän wie Christoph Blocher

Dann kommt der eigentliche Höhepunkt des Abends. Glättli und Aeschi sollen miteinander über die harten politischen Themen reden. Aber nicht in gewohnter Position. Sondern mit vertauschten Rollen. Dazu stehen die drei um einen Stehtisch im Vordergrund der Bühne. Das erste Thema: die Selbstbestimmungsinitiative. Michael Elsener dreht sich zu Glättli und fragt, wie er denn dazu stehe. So weit, so normal. Und dann macht Glättli den Mund auf und spricht sich souverän wie Christoph Blocher persönlich dafür aus, dass Landesrecht doch bitte unbedingt über diesem Völkerrecht stehen soll.

«Es kommt vor, dass man einmal die Gegenseite einnimmt.»

Balthasar Glättli, Fraktionspräsident Grüne Partei der Schweiz

Aeschi lässt das natürlich nicht auf sich sitzen und hält nun als Neo-Grüner wacker dagegen: «Die wollen einfach die Menschenrechte abschaffen. Seien Sie doch ehrlich; dann machen Sie eine Kündigungsinitiative, dann können wir die Menschenrechte kündigen.» Die Argumente sitzen tadellos, auf beiden Seiten, fast schon erschreckend routiniert nehmen die beiden Politiker die Gegenseite ein.

Kein Neuland für die beiden

Für Balthasar Glättli sei diese Situation nicht ganz ungewohnt gewesen. «Wir laden gerne Gäste ein und mögen es, mit denen auch zu diskutieren. Da kommt es schon vor, dass man einmal die Gegenseite einnimmt.» Aeschi ist ein vielgesehener Gast bei Michael Elseners Politformaten und besitzt deshalb eine gewisse Routine. «Ich mache mir manchmal Sorgen, es sei nicht lustig. Aber dafür ist ja zum Glück Michael zuständig und nicht ich», erzählt er. «Man muss einfach bereit sein, dass über einen gelacht wird», bestätigt Glättli.

 
 
 
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Zu Gast bei „Michi talkt“ mit Balthasar Glättli. Spannendes Comedy-Konzept mit Rollentausch! #michitalkt #svp

Ein Beitrag geteilt von Thomas Aeschi (@thomasaeschi) amOkt 21, 2018 um 1:46 PDT

Und wer hat nun die Debatte gewonnen? Oder genauer gefragt, gewinnt man die Diskussion mit den richtigen Positionen, oder doch eher mit geschickter Rhetorik? Aeschi überlegt kurz und findet, dass «die Rhetorik schon extrem wichtig ist. Aber wenn jemand gute Argumente hat, dann zählt das natürlich auch viel.».

Für Michael Elsener sei an diesem Format immer schön zu merken, dass Politiker tatsächlich jeden Satz neu denken. Dadurch, dass die Sätze aus dem falschen Mund kommen, gäbe es eine Art doppelten Boden. «Dadurch werden die Positionen und Argumente von den Leuten anders wahrgenommen und das hilft, die Gegenseite zu verstehen.»

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