Wie tanze ich «Schweine im Weltall»?
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14 Senioren und sieben Schüler führen im Südpol eine gemeinsam entwickelte Tanzperformance auf. (Bild: Ingo Hoehn)

Tanzperformance mal anders Wie tanze ich «Schweine im Weltall»?

3 min Lesezeit 16.05.2015, 10:08 Uhr

Nicole Seiler ist von lauter Laien umgeben und sie bringt sie zum Tanzen. Die professionelle Choreografin entwickelt mit Kindern und Senioren eine Tanzperformance im Südpol. Die Produktion ist jedoch auch für sie selbst eine ziemliche Herausforderung.

Im Musik- und Kulturzentrum Südpol wird fleissig für die Tanzperformance von diesem Wochenende geprobt. Der erste Durchlauf findet statt, etwas Aufregung schwingt mit. Denn die Tänzerinnen und Tänzer, die auf der leeren Bühne stehen, sind allesamt Laien. Laien zwischen elf und 75 Jahren. Sieben Kinder und 14 Senioren sind am Tanzvermittlungsprojekt beteiligt, welches vom Luzerner Theater gemeinsam mit der Pro Senectute und dem Südpol ins Leben gerufen wurde.

Ein erstes Mal für die Choreografin

Die Schweizer Choreografin Nicole Seiler arbeitet bereits seit Stunden mit den Tänzern an der Choreografie. Eine kurze Pause tut der Konzentration gut.

«Es ist sehr anstrengend, ich muss extrem viel geben», sagt Seiler und ergänzt: «Aber es kommt auch so viel zurück.» Normalerweise arbeitet die Choreografin nur mit professionellen Tänzern. «Diese Produktion ist auch für mich ein erstes Mal». Ein grosser Unterschied bei der Probearbeit sei die Geschwindigkeit, so Seiler. «Es dauert so natürlich länger, eine Choreografie zu entwickeln als mit Profi-Tänzern.»

Die Performance, die sie mit der zusammengewürfelten Truppe entwickelt, ist angelehnt an Seilers frühere Produktion «Playback». Deshalb auch der Titel «Playback revisited». Es geht um den spielerischen Umgang mit Bild und Ton, mit dem geschriebenen Wort und der getanzten Bewegung. An die Wand projizierte Liedtitel werden ergänzt durch Mimik, Bewegung, Tanz und Musikeinspielern.

Konzentration gefragt

Nicole Seiler

Seiler studierte Tanz und Theater in Verscio an der Dimitrischule, in Brügge und in Lausanne. Seit 1994 wirkte sie international an zahlreichen Projekten und Choreografien mit - auch als Schauspielerin.

2002 gründet Nicole Seiler dann ihre eigene Kompanie. In ihrem künstlerischen Schaffen verbindet sie Tanz und Video zu multimedialen Tanzproduktionen, Videotanz und choreografischen Installationen. Seit 2004 geht sie mit ihrer Kompanie international auf Tournee und konnte ihre Produktionen bereits in über zwanzig Ländern zeigen.

Im aktuellen Tanzvermittlungsprojekt im Südpol arbeitet sie nach dem Konzept ihres 2010 entwickelten Stücks «Playback».

Viel wird dem Zuschauer und seiner Imagination überlassen. Die Produktion lebt von der Interpretation der Tänzer und dem Publikum, dem Witz und den ganz eigenen Arten in der Bewegung der verschiedenen Körpern auf der Bühne.

Auch für die Tänzerinnen und Tänzer ist die Probearbeit eine Herausforderung. Die Schülerin Beatrice Micu betont: «Immer mit Konzertration bei der Sache zu sein, das war das Schwierigste.» Etwas, das man bei der Probearbeit schnell bemerkt. Bei den jungen Teilnehmern scheint das ruhige Stehen während der Proben die grösste Herausforderung zu sein. Bei den Älteren hingegen ist die komplexe Abfolge der Bewegungen und Choreo-Teile ein Thema.

Alle Teilnehmer wurden schon durch vorausgehende Kurse auf die Performance vorbereitet. Tänzerinnen und Tänzer des Luzerner Theaters hatten in Schulklassen in Emmenbrücke, Rain und Adligenswil Tanzworkshops geleitet. Die Senioren hatten ebenfalls bereits durch einen Kurs mit der Tanzleiterin des Luzerner Theaters, Kathleen McNurney, Vorbereitungen erhalten.

Kreative Mitarbeit gefordert

«Das Wichtigste bei dieser Performance ist der Prozess», sagt die Choreografin. Der Austausch mit und zwischen den Teilnehmern und auch die Erfahrungen, die sie dabei machen, darauf liege hier der Fokus. Das sehen auch die Teilnehmer so. Die Seniorin Ursula Kurmann sagt: «Das Spannendste war die Arbeit mit Nicole. Mit ihr zu Arbeiten und die Entstehung der Performance mitzuerleben und sie mitzugestalten, macht grosse Freude.»

«Der Grossteil des Stückes wurde von den Kindern und Senioren entwickelt.»
Nicole Seiler, Choreografin

Auch die 12-jährige Jana Wolf geniesst den Entstehungs-Prozess: «Die ersten beiden Tage waren am Spannendsten. Wir konnten gemeinsam Ideen entwickeln und im Teamwork arbeiten.»

Die kreative Mitarbeit sei sehr wichtig, so Seiler: «Der Grossteil des Stückes wurde von den Kindern und Senioren entwickelt. Ungefähr drei Viertel sind schlussendlich in ihren Köpfen entstanden. Ein Viertel kommt von mir.»

 

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