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Wie Steinhausen zur Schweizer Bierhauptstadt wird
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Einer der vier Towers im wildromantischen Steinhauser Industriegebiet. (Bild: zentralplus / Bildmontage)

Grösste Brau-Gruppe kauft vom Kanton Zug aus ein Wie Steinhausen zur Schweizer Bierhauptstadt wird

3 min Lesezeit 23.06.2017, 16:27 Uhr

Dem milden Steuerklima sei Dank wird der Kanton Zug zur Bierinsel der Glückseligen: Der Brauereikonzern AB InBev hat das Topmanagement des weltweiten Einkaufs ins Steinhauser Industriegebiet verlegt. Zu den 70 gut dotierten Arbeitsplätzen könnten noch mehr hinzukommen.

Nein, in Steinhausen wird kein Bier gebraut. Nein, AB Inbev besitzt auch keine Brauerei in der Schweiz. Trotzdem macht der Konzern Steinhausen gleichsam zu Bierhauptstadt der Schweiz. Denn bei AB Inbev handelt es sich um die weltweit grösste Brauereigruppe. Ihr gehören Marken wie Budweiser, Corona, Stella Artois, Beck’s, Leffe, Löwenbräu und Dutzende mehr. Die brauchen eine Menge Gerste, Hopfen, Hefe, Flaschen und Dosen.

In den vier Türmen zu Hause

Der Weltmarktführer ist ein Produkt verschiedener Fusionen und Übernahmen. AB steht für die amerikanische Anheuser-Busch, InBev für die brasilianische Interbrew. Kürzlich hatte man die weltweite Nummer zwei, die britisch-südafrikanische SABMiller gekauft und war so zu einem Firmenvehikel im Kanton Zug gekommen, denn SABMiller hatte seine Einkaufsgesellschaft in Steinhausen – in Form einer mit 30 Millionen Franken Kapital ausgestatteten GmbH in den 4 Towers gleich neben der Autobahn.

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Hier soll nun auch der globale Einkauf von AB Inbev angesiedelt werden, wie die «Handelszeitung» am Freitag mit Bezug auf einen Insider meldete. Tatsächlich ist ein grosser Teil des Topmanagements bereits vom laufenden Quartal vom Kanton Zug aus tätig. Konzernsprecher Peter Dercon spricht von 70 Stellen, welche das Procurement in Zug derzeit umfasse. Man erledige den Einkauf der benötigten Rohwaren aber auch an weiteren Standorten  – in New York und im belgischen Leuven (der Heimat von Stella Artois), wo das operative Hauptquartier des Konzerns liegt. 

Wer denkt bei diesen vier Türmen auch an riesige Biertanks?

Wer denkt bei diesen vier Türmen auch an riesige Biertanks?

(Bild: mam)

 

Ende Sommer kommen die Zügelwagen

Gesamthaft sind laut Decron «deutlich über 700 Personen» für den Einkauf von AB InBew tätig. Wo man genau den Einkauf ansiedeln wolle, werde derzeit mit Blick auf das «internationale Geschäftsumfeld» untersucht. Klar ist jedoch gemäss Decron, die «Absicht, ein einziges globales Einkaufsbüro zu haben.»

«Unsere Absicht war und ist es, ein einziges Global Procurement Office zu haben.»

Paul Decron, Bierkonzern AB InBrev

Da das Top-Management schon mal im Kanton Zug ist, liegt nahe, dass auch weitere Arbeitsstellen hier angesiedelt werden. Die «Handelszeitung» berichtet von einer Verlagerungswelle Ende Sommer, auch wenn über die weitere Vorgehensweise erst im späteren Jahresverlauf entschieden werde.

Die Rede ist hier notabene vom globalen Einkauf. Die Rohwarenbeschaffung der einzelnen Brauereien geschehe weiter von deren Standort aus, verlautet aus der AB InBev-Zentrale in Leuven. Daran werde sich gemäss Decron nichts ändern.

Synergien oder Steuervorteile?

Als Grund für die Verlagerung sind verschiedene Erklärungen im Umlauf. Konzernsprecher Dacron meint, eine Konzentration auf ein einziges Einkaufsbüro würde eine optimale Zusammenarbeit garantieren und sei kommerziell sinnvoll. Aber vielleicht ist es vorab die vorteilhafte Steuersituation, in die AB Inbev sich mit ihrer Tochterfirma manövriert, welche Steinhausen als Firmensitz attraktiv macht.

In Belgien hatte eine spezielle Steuerregelung dem Konzern erlaubt, die Gewinnsteuern massiv zu drücken – bis die EU-Kommission diese Praxis vergangenes Jahr stoppte.

Übrigens ist Steinhausen noch Sitz weiterer wichtiger Bierfirmen – ebenfalls ein Erbe der aufgekauften Braugruppe SABMiller. Um die Übernahme möglich zu machen, mussten die beiden Jumbo-Konzerne verschiedene Brauereien abstossen. In Europa verkaufte AB Inbev die früheren SABMiller-Marken Grolsch, Pilsner Urquell oder Peroni an den japanischen Konzern Asahi. Der unterhält nun drei Firmen im Kanton Zug, unter anderem sein Europa-Hauptquartier. Wenn sich die Biermanager besuchen wollen, können sie den Wagen stehen lassen – der Fussmarsch von einem Büro zum andern dauert weniger als fünf Minuten.

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