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Wie sich Baar eine umstrittene 1.-August-Rednerin angelte
  • Wirtschaft
Der Glencore-Sitz im zugerischen Baar. (Bild: who )

Glencore-Personalleiterin spricht an Bundesfeier Wie sich Baar eine umstrittene 1.-August-Rednerin angelte

2 min Lesezeit 03.07.2018, 19:18 Uhr

Am 1. August kehrt in Baar Dörflichkeit ein. Gefeiert wird mit Ländler-Duo und Älplermagronen. Und mit einer Rednerin, die nicht unumstritten sein dürfte. Kommuniziert wird dies ausgerechnet am Tag, an dem die US-Justiz gegen ihren Arbeitgeber vorgeht.

Am 1. August wird gefeiert. Auch in Baar. Wie jedes Jahr veranstaltet die Gemeinde eine Feier für die Bevölkerung. Es gibt Währschaftes, Älplermagronen, Apfelmus und Grilladen. Die Feldmusik Allenwinden spielt die Landeshymne, ein Schwyzerörgeli-Duo sorgt für Stimmung und der lokale Unihockeyverein führt die Beiz.

Einen Kontrast zu so viel Volkstümlichkeit bildet die offizielle Rednerin des diesjährigen Anlasses. Die Ansprache zum Bundesfeiertag hält Gerda Schwindt, Personalleiterin der Firma Glencore. Und damit ein Aushängeschild eines weltweit nicht unumstrittenen Konzernes (zentralplus berichtete). Kommuniziert wird dies ausgerechnet am selben Tag, an dem bekannt wurde, dass die US-Justiz den Rohstoffkonzern vorlädt (zentralplus berichtete). Und an dem Tag, an dem der Aktienkurs des Unternehmens nach dieser Botschaft um mehr als 10 Prozent tauchte.

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Person steht im Zentrum, nicht die Glencore

Der Baarer Gemeindepräsident Andreas Hotz erklärt: «Wir haben Frau Schwindt engagiert, weil sie eine spannende Persönlichkeit ist. Es geht bei dieser Rede nicht um die Glencore.» Vielmehr habe man die Personalleiterin des Konzerns ausgewählt, weil sie sich starkmache für die Lehrlingsausbildung. «Uns war es dieses Jahr zudem sehr wichtig, dass wir im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen eine neutrale Person für diese Rede gewinnen können», sagt Hotz weiter.

«Wie gesagt, es geht hier nicht um die Glencore.»

Andreas Hotz, Baarer Gemeindepräsident

Tatsächlich bescheren Firmen wie die Glencore den Einwohnern Baars äusserst tiefe Steuern und viele spannende Arbeitsplätze. Das Unternehmen wird im 24’000-Seelen-Dorf aber auch kritisch wahrgenommen. Dies nicht nur wegen der Schlagzeilen. Sondern auch, weil grosse internationale Konzerne in Zug mitverantwortlich sind, dass die Wohnungsmieten stark steigen.

Eine Frau zu finden, ist nicht einfach

Der Gemeindepräsident verweist auf eine andere Seite: «Glencore unterstützt sehr viele regionale Anlässe, etwa die Tour de Suisse in den letzten Jahren oder aber das kommende Schwingfest.»

Und er führt aus: «Wie gesagt, es geht hier nicht um die Glencore. Es geht uns um das Engagement, welches Schwindt mitbringt. Und auch ein wenig um Gender. Es ist nicht einfach, eine Frau zu finden, die vor mehreren Hundert Leuten redet.» Dass die Rednerin ausser ihrem Arbeitsort wenig mit Baar am Hut haben dürfte, stört Hotz nicht. «Es gibt viele kleine Dörfer, die sogar einen Bundesrat für ihre 1.-August-Reden engagieren. Und die haben ja meist auch keinen Bezug zu diesen Orten», sagt Hotz.

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