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Wie Rohner junior an die Erfolge seines Vaters anknüpfen will
  • Sport
Avanciert Timo Rohner dereinst wie Vater Marcel zu einem Aushängeschild für den Schweizer Bobsport? (Bild: sib)

Zuger Bobtalent: In fünf Jahren soll WM-Titel her Wie Rohner junior an die Erfolge seines Vaters anknüpfen will

6 min Lesezeit 02.01.2019, 11:30 Uhr

Jahrelang prägte der Baarer Marcel Rohner den Schweizer Bobsport, war Gesamtweltcupsieger und holte Silber an Olympia. Nun bereitet er als Coach seinen Sohn Timo darauf vor, irgendwann an seine Erfolge anzuknüpfen. Der 21-jährige Filius muss für seinen Traum im Eiskanal so einige Opfer bringen.

Mit festem Händedruck begrüsst uns Marcel Rohner in seinem kleinen Reich im Haus der Homöopathie in Zug. Ein Reich, bestehend aus Büro und kleinem Fitnessraum. «Hier läuft meine Welt zusammen», sagt er.

Marcel Rohner war von 1989 bis 2001 Bobprofi. Der gebürtige Baarer wurde zweimal Vizeweltmeister, gewann zweimal den Gesamtweltcup und als Krönung an den Olympischen Spielen 1998 in Nagano die Silbermedaille. Heute ist der Tausendsassa an vielen Fronten aktiv. Bereits 1999 gründete er die Bob Events GmbH.

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Ein Rohner im Eiskanal

Der Plan war, nach dem Rücktritt den Bobsport den Leuten näherzubringen. «Dies betrifft vor allem Januar und Februar, wenn in St. Moritz auf der Bobbahn viel läuft», erzählt der 54-Jährige. Alleine vom Eventbereich könnte Rohner nicht leben. Daneben coacht er Athleten, organisiert Trainingslager oder saniert und handelt mit Schlitten. Ausserdem ist er als Personal Trainer tätig.

«Timo muss lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und auf andere Personen zu hören.»

Marcel Rohner, ehemaliger Bobprofi

Von seinen Erfolgen als Aktiver zeugen Bilder und Pokale aus Zeiten, als nicht nur Marcel Rohner glanzvolle Zeiten erlebte, sondern der Schweizer Bobsport insgesamt glorreiche Tage genoss. Heute sind Schweizer Erfolge im Eiskanal rar gesät. WM-Medaillen oder Weltcupsiege wie durch den Luzerner Hinterländer Rico Peter sind Mangelware geworden. Einer, der dies in den nächsten Jahren zu ändern versucht, ist Timo Rohner.

An Ehrgeiz mangelt es nicht

Rohner? Ja, richtig gelesen. Der jüngere Sohn von Marcel Rohner schickt sich an, in die grossen Fussstapfen seines Vaters zu treten. Der 21-jährige Bobpilot hat auf der Website seines Teams, der «Rohner Bulls», sogar einen Fünfjahresplan mit Zwischenzielen erstellt. Der ehrgeizige Fahrplan: 2022 an den Olympischen Winterspielen in Peking will er in die Top 5. 2024 soll schliesslich der WM-Titel eingefahren werden.

Timo Rohner gibt zu: «Natürlich kann man im Profisport nichts genau durchplanen. Aber man muss sich Ziele setzen, sonst kommt man nicht weiter. Man sollte zudem aufzeigen können, dass man es wirklich ernst meint. Ansonsten findet man keine Sponsoren.»

Fokus auf den Sport

Dass es der Zuger ernst meint, daran gibt es wohl keine Zweifel. Es werden keine Mühen gescheut, um die gesteckten Ziele eines Tages erreichen zu können. Seit er im Sommer die Lehre zum Zimmermann abgeschlossen hat, konzentriert er sich voll auf den Sport.

Marcel Rohner ist überzeugt, dass es Sohn Timo weit bringen kann.

Marcel Rohner ist überzeugt, dass es Sohn Timo weit bringen kann.

(Bild: sib)

«Anders würde es gar nicht gehen, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können», erklärt Papa Marcel. «Wenn man sich den Tag durch im Job abrackern muss, ist man abends für das Training bereits komplett ausgelaugt.» Für den Winter funktioniert das Modell mit Bobfahren als Vollzeitjob. Doch den Sommer hindurch wird Timo arbeiten müssen. Wo, ist noch unklar.

Das Wetter macht einen Strich durch die Rechnung

Vorerst gilt der Fokus sowieso der aktuellen Saison. Der Start ist geglückt. Im Europacup im deutschen Altenberg holten die «Rohner Bulls» einen vierten Platz. Mit einem achten Platz in Königsee hat der leidenschaftliche Bayern-München-Fan bereits die Kriterien erfüllt, um nächste Saison fix im Kader zu sein.

«Ich glaube, jeder, der einmal in einem Bob durch den Eiskanal gejagt ist, versteht es.»

Timo Rohner, Bobfahrer

Nächster Halt wäre eigentlich die Schweizermeisterschaft in St. Moritz gewesen. Doch aufgrund des Wetters musste sie von Ende Dezember in den Februar und März verschoben werden. «Deswegen geht es für uns erst in der zweiten Januarwoche im Europacup in Innsbruck weiter», sagt Timo. Davor wäre geplant, in St. Moritz zu trainieren. Doch die weltweit einzig verbliebene Naturbobeisbahn hat bei aller Romantik eben ihre Tücken. Spielt das Wetter nicht mit, bleibt es still am «Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina».

Das «Öfeli» in der Garage

Eine «Trainingsbasis» zu beziehen, ist in diesem Sport nicht ohne. Neben dem Bob – ein Zweier wiegt knapp 200 Kilogramm – kommen noch Kufen, Werkzeugkiste, Schleifpapier, Bock und eine Blache für den Bob dazu. «Das ist das Minimum, was man an die Bahn mitnehmen muss», erklärt Timo. Der Rest bleibe in der Garage, die man eigens für das Training einrichtet. «Ausgestattet mit ‹Öfeli› und zwei Tischen für das Material und zum Schleifen», wie Marcel Rohner hinzufügt.

Klappen die Trainingstage in St. Moritz, wird auch der Vater dabei sein. Doch bei allen Rennen seines Filius kann er nicht mit von der Partie sein. «Timo muss auch lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und auf andere Personen zu hören», erläutert er. Zudem argumentiert er, dass es sich nicht gut machen würde, wenn er als ehemaliger Verbandsmitarbeiter ständig dreinreden würde.

Die Buben an der Bobbahn

Als Timo und sein Bruder Lukas (24) noch Dreikäsehochs waren, nahm Marcel die beiden bereits mit an die Bobbahn. Während Lukas heutzutage ab und zu als Bremser in Aktion tritt, wenn der Vater spasseshalber wieder einmal selbst den Eiskanal hinunterdonnert, hat es Timo sofort gepackt.

Die «Rohner Bulls» um Pilot Timo Rohner in Aktion.

Die «Rohner Bulls» um Pilot Timo Rohner in Aktion.

(Bild: Rohner Bulls)

«Ich wollte immer fahren, doch durfte nicht», erinnert sich der 21-Jährige. Denn die Bobbahn in St. Moritz ist für Zweier- und Viererbobs erst ab 18. Heute ist es zumindest erlaubt, mit 15 Jahren im Monobob (Einsitzer) übers Eis hinunterzusausen.

Als Timo mit 15 Jahren endlich ran durfte, war endgültig klar: Er will Bobfahrer werden. «Es ist schwierig, dieses Gefühl zu beschreiben. Aber ich glaube, jeder, der einmal in einem Bob durch den Eiskanal gejagt ist, versteht es. Es ist die Faszination, dort mit 140 km/h hinunterzufahren.»

Der neue Schlitten

Heute ist also der eigene Vater der Trainer. Wie ist das eigentlich? «Es klingt schlimmer, als es ist», antwortet Timo mit einem schelmischen Grinsen. «Wir wohnen nicht zusammen. Das heisst, wir sind nach dem Training nicht auch noch zu Hause zusammen.» Während Timo vor einem Jahr von Zug nach Baar gezogen ist, wohnt Marcel in Hagendorn.

Marcel Rohner auf dem Weg zu Olympia-Silber:

Der Papa ist überzeugt, dass Timo das Potenzial hat, um es schon bald in den Weltcup zu schaffen. Theoretisch hätten sie bereits einen Antrag stellen können. Doch der Fokus liegt (noch) auf dem Europacup und der Junioren-WM im Januar. Die beiden Rohners sind sich einig, wo Timo noch am meisten Luft nach oben hat: bei der Athletik, bestehend aus den drei Hauptelementen Kraft, Sprint und Sprung.

Seit diesem Winter sind die «Rohner Bulls» mit einem neuen Schlitten unterwegs. Es handelt sich um einen Prototypen, der eigentlich für die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver gebaut wurde. Entsprechend hat er schon bald zehn Lenzen auf dem Buckel. Trotzdem sagt Timo: «Es war ein guter Entscheid, den Schlitten zu kaufen.» Für einen neuen Schlitten, der aus einer der Topschmieden stammt, zahlt man übrigens zwischen 50’000 und 90’000 Euro.

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