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Wie man aus 1000 Arbeitsplätzen 3000 macht
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Gewissenhaft überprüft ein Mitarbeiter von V-Zug sein Werk in der Fertigung. (Bild: mam )

Zuger Unternehmen will durch Fremdfirmen wachsen Wie man aus 1000 Arbeitsplätzen 3000 macht

4 min Lesezeit 16.05.2017, 11:16 Uhr

Der Haushaltsgerätehersteller V-Zug plant in Zugs Norden ein Industrieprojekt von monumentalen Ausmassen. Dabei hat er sich selber Ziele gesetzt, bei denen einem die Spucke wegbleibt. Eine Menge innovativer Fremdfirmen sollen dabei helfen.

V-Zug baut Geräte für Küche und Waschraum. Das Unternehmen verkauft sie vor allem in der Schweiz – einem Markt, der nur sehr langsam wächst, im vergangenen Jahr sogar als rückläufig beschrieben wurde. Seit Jahrzehnten versucht V-Zug auch im Ausland Fuss zu fassen. Aber lange war dies mehr Wunschdenken als ein funktionierender Plan.

Vieles läuft automatisiert: Gerätemontage bei V-Zug

Vieles läuft automatisiert: Gerätemontage bei V-Zug

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(Bild: mam)

Nun hat V-Zug auf seinem weitläufigen Areal im Norden der Stadt Zug einen Entwicklungsplan in Gang gesetzt, der es in sich hat. 990’000 Kubikmeter Gebäude sollen während der nächsten 25 Jahre auf 83’000 Quadratmetern entstehen, ein Drittel davon ist für die Industrie reserviert und der Logistik und Fertigung vorbehalten. Der entsprechende Bebauungsplan wurde von der Zuger Stadtregierung genehmigt und soll nach den Sommerferien im Stadtparlament beraten werden (zentralplus berichtete).

Vier Gebäude (obere Reihe) bleiben auf dem V-Zug-Areal bestehen, der ganze Rest soll neu bebaut werden.

Vier Gebäude (obere Reihe) bleiben auf dem V-Zug-Areal bestehen, der ganze Rest soll neu bebaut werden.

(Bild: mam)

V-Zug zieht in den nächsten Jahren in neue Hallen

Der erste und schon ziemlich konkrete Schritt ist der Rückzug des Industrieunternehmens auf den nördlichen Teil des Areals. Statt in niedrigen Werkhallen aus der guten alten Zeit soll künftig in High-Tech-Gebäuden produziert werden, die in die Höhe wachsen. Ein modernes Hochregallager wurde bereits vor einigen Jahren gebaut, ein neues Produktionsgebäude an der Nordostecke wird derzeit fertiggestellt. Ein weiterer zentraler Baukomplex soll von 2019 bis 2022 errichtet werden.

Die neuen Fabrikgebäude sollen ökologisch sein. Als Vorbild dient das Hochregallager, das klimaneutral funktioniert, sprich: für das gleich viel Energie vor Ort erzeugt wie verbraucht wird.

Nun ist die Fertigung bei V-Zug durchaus aufwendig: Gewaltige Pressen stanzen Gerätehüllen aus Stahlblechen, Emaillieröfen funktionieren nur bei hohen Temperaturen. Sie fressen eine Menge Energie und produzieren viel Abwärme.

Unterirdischer Zugersee speichert Energie

Helfen soll der unterirdische See, der in etwa 170 Metern Tiefe unter dem einst sumpfigen Gelände im Untergrund liegt. Sein Wasser ist 18 Grad warm und dieses Energiereservoir möchte V-Zug anzapfen. Per Wärmetauscher soll im Winter geheizt und im Sommer gekühlt werden.

In der nachhaltigen Fabrikationsumgebung will V-Zug den Geräteausstoss verdoppeln. Statt 280’000 Geräte jährlich sollen über 500’000 das Werk verlassen. Statt jeden Tag 20 Tonnen Stahlblech, werden dereinst 40 Tonnen Stahlblech verarbeitet. Dies soll den Fortbestand der über 1’000 Arbeitsstellen auf dem V-Zug-Areal sichern.

Durchbruch im Exportgeschäft

Da der Schweizer Markt gesättigt ist, geht diese Strategie nur auf, wenn man V-Zug-Geräte im Ausland verkaufen kann – etwas, was jahrelang nicht funktioniert hat. «Wir haben einiges verändert», sagt Dirk Hoffmann, CEO von V-Zug. Nicht bei der Produktion, sondern bei Betrieb und Marketing, fügt er an. Statt über Vertriebsfirmen das ganze Sortiment anzubieten, verkauft V-Zug nun ausgewählte Geräte direkt an Bauträger, installiert sie gleich selbst und macht auch den Service dafür. Dies habe dazu geführt, dass man etwa in China das Geschäft habe vervielfältigen können, sagt Hoffmann. Binnen kurzer Zeit ist der Exportanteil von zwei auf zehn Prozent der Geräteverkäufe gestiegen.

«V-Zug-Geräte sind im Ausland ein absolutes Luxusprodukt.»

Dirk Hoffmann, CEO V-Zug

Diese Expansion soll so weitergehen. «Wir müssen uns einfach bewusst sein, dass V-Zug-Geräte im Ausland ein absolutes Luxusprodukt sind», sagt Hoffmann. Die Geräte made in Zug sind zwar gut und innovativ, aber vergleichsweise teuer.

Ein Ökosystem aus Technikfirmen

Die Innovationskraft soll auch der Entwicklungsplan fürs V-Zug-Areal sichern helfen. Denn V-Zug möchte in einem Technologiecluster vor allem Firmen ansiedeln, die einander ergänzen und befruchten. Die eigenen Kompetenzfelder Gebäude-, Küchen-, Nahrungsmitteltechnik, Reinigungs- und Medizintechnik, sowie Techniken zur Kohlendioxidreduktion will man mit Stadtentwicklung, Technologieplanung, Cleantech, schneller Musterbau, Simulationstechnik und Sensorik ergänzen. Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind, sollen zusätzlich aufs neu gestaltete V-Zug-Areal ziehen.

Dirk Hoffmann, CEO der V-Zug AG.

Dirk Hoffmann, CEO der V-Zug AG.

(Bild: mam)

«Wenn V-Zug in Zukunft weiter in Zug produzieren will, so geht es nicht primär um eine möglichst dichte Überbauung des Areals», sagt Hoffmann. Wohnungen und Büros zu schaffen, stehe nicht im Vordergrund. «Sondern was wir unbedingt brauchen, ist ein Ökosystem.» Damit meint Hoffmann eine Umgebung von innovativen Unternehmen auf engem Raum.

Geht V-Zugs Plan mit dem Technologiecluster auf, so werden statt den heutigen 1000 künftig 3000 Leute auf dem V-Zug-Areal arbeiten – und zum Teil auch dort oder in der Nähe wohnen.

V-Zug-Chef Drik Hoffmann vor dem Eingang zum Fabrikgelände. In einigen Jahren stehen hier vollkommen andere Gebäude.

V-Zug-Chef Drik Hoffmann vor dem Eingang zum Fabrikgelände. In einigen Jahren stehen hier vollkommen andere Gebäude.

(Bild: mam)

 

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