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Wie Luzerner Stadtangestellte auf Airbnb Kurtaxensünder suchen
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Wer in der Stadt Luzern privat Zimmer vermietet über Online-Plattformen, muss Kurtaxen bezahlen. (Bild: zvg / Airbnb)

Aufwendige Recherchen, kleiner Ertrag Wie Luzerner Stadtangestellte auf Airbnb Kurtaxensünder suchen

3 min Lesezeit 20.10.2017, 16:00 Uhr

Immer mehr Luzerner bieten ihre Betten für Touristen über Online-Plattformen an. Im Gegensatz zur professionellen Hotellerie vergessen diese dabei, für ihre Gäste die Kurtaxen zu bezahlen. Deshalb nimmt die Stadt Luzern dafür aufwendige Recherchen in Kauf. Ertragreich ist das Durchforsten von Airbnb und Co. für das Steueramt aber nicht.

Airbnb erobert die Schweiz und damit auch den touristischen Hotspot Luzern. Das ist auch für den Fiskus von Interesse, denn die Kommunen haben Anrecht auf eine Beherberungspauschale pro Übernachtung. Im Kanton Zug zieht die Online-Übernachtungsplattform Airbnb seit Juli die Kurtaxen automatisch bei den Gästen ein (zentralplus berichtete). Im Gegensatz zum Kanton Luzern: Dort sind die Gemeinden weiterhin selbst verantwortlich für das Einziehen der Kurtaxe.

Um sicherzustellen, dass private Gastgeber über Airbnb und Co. die Beherberungsabgabe für ihre Gäste an das Steueramt bezahlen, werden seit 2015 aufwendige und systematische Recherchen getätigt in der Stadt Luzern: «Drei Mitarbeiterinnen unseres Kundendienstes durchforsten regelmässig Plattformen nach neuen Gastgebern», bestätigt David Schär, Leiter Steueramt.

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13’000 Franken an Abgaben

«Wir gleichen die bestehenden Gastgeberlisten mit den neuen Einträgen ab», sagt Schär. Werden neue Angebote gefunden, erhalten die Anbieter eine entsprechende Rechnung. Neben Airbnb werden auch die Plattformen Wimdu und Housetrip von den Verwaltungsmitarbeiterinnen überprüft.

Wie viel ihrer Arbeitszeit die städtischen Kundendienstmitarbeiterinnen dabei aufwenden, erfasst die Stadtverwaltung nicht exakt. «Es handelt sich sicher nicht um eine Vollstelle.» Im vergangenen Jahr zählte das Steueramt 80 Gastgeber, die ihre Unterkünfte in Luzern ausschliesslich oder vorwiegend über Online-Plattformen anboten. Sie bezahlen insgesamt 13’000 Franken an Abgaben bei 5’500 Logiernächten. 2015 waren es noch 3’200 Logiernächte und 8’000 Franken an Einnahmen. Seit dem Frühling beträgt die Kurtaxe 2.80 Franken pro Gast und Nacht.

«Ertrag nicht im Fokus»

Im Verhältnis zu dem insgesamt 3 Millionen Franken Kurtaxen, die jährlich in der Stadt Luzern eingenommen werden, sind die 13’000 Franken aus dem Online-Geschäft von nichtprofessionellen Anbietern ein Klacks. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist dabei kaum optimal: «Ob das rechnerisch aufgeht, lasse ich einmal offen», sagt Steueramtsleiter Schär. Über den Daumen gerechnet: Bei einem Lohn von 4’500 Franken inklusive 13. Monatslohn und einem Aufwand von insgesamt 30 Stellenprozenten würden die Recherchearbeiten die Stadt rund 16’000 Franken kosten.

Die Ertragsüberlegung stehe jedoch nicht im Fokus: «Es ist unsere Aufgabe, die gesetzlich vorgeschriebene Erhebung der Kurtaxe durchzusetzen.» Das sei auch eine Sache der Fairness gegenüber der klassischen Hotellerie. Im Frühling habe man ausserdem in einer Kommunikationskampagne die Bevölkerung über die Kurtaxenpflicht orientiert. Schär sagt, die Sensibilisierung habe dadurch zugenommen in der Stadt.

Ausserdem werden neu erfasste private Anbieter von Zimmern ausfindig gemacht und zur Überprüfung der Steuererrechnung vermerkt. «Einnahmen aus einem Übernachtungsangebot unterliegen bei natürlichen Personen den Einkommenssteuern.» Doch wie hoch ist eigentlich die Dunkelziffer an Stadtluzernern, die Übernachtungsangebote über Online-Plattformen nicht deklarieren? «Dank den intensiven Recherchen sind wir zuversichtlich, dass wir gute Abdeckung haben. Die Dunkelziffer genau zu festzustellen, ist schwierig.»

Kanton verhandelt mit Airbnb

Gewisssheit gibt es laut Schär nur, wenn wie im Kanton Zug Airbnb selbst die Taxen erheben würde. «Dann können wir unsere Liste mit derjenigen von Airbnb abgleichen.» Dies würde den Erhebungsaufwand stark mindern, schreibt der Luzerner Stadtrat in einer Antwort auf einen GLP-Vorstoss, die am Freitag publiziert wurde. Denn damit würde die aufwendige Eigenrecherche entfallen.

Seit August 2017 finden unter Federführung der kantonalen Behörden Abklärungen und Gespräche für eine Vereinbarung mit Airbnb statt. Die Stadt begrüsst das Vorgehen, wie sie schreibt.

Eine der Herausforderungen besteht laut Samuel Graf, Fachleiter Wirtschafts- und Regionalentwicklung bei der Dienststelle Raum und Wirtschaft, darin, dass nach Tourismus-Gesetz die Gemeinden für die Einnahmen der Beherbergungsabgaben zuständig sind. «Wir befinden uns derzeit in Abklärungen mit Airbnb, um Lösungen für eine zweckmässige Umsetzung zu prüfen», so Graf. Dies geschieht in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Stadt Luzern, Luzern Tourismus und dem Kanton Luzern.

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