Wie in Luzerns ÖV mit Maskenverweigerern umgegangen wird
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Für die meisten selbstverständlich: Im ÖV trägt man Maske. (Bild: Adobe Stock)

Coronaverordnung in Zug und Bus Wie in Luzerns ÖV mit Maskenverweigerern umgegangen wird

3 min Lesezeit 11 Kommentare 16.04.2021, 05:20 Uhr

Im ÖV muss man zwei Dinge dabei haben: ein gültiges Billett und eine Maske. Wer ohne einsteigt, riskiert für beides eine Busse. Das Billett kontrolliert selbstredend der Kontrolleur. Wer die Maskenpflicht durchsetzt, ist hingegen weniger klar.

Kritiker, Skeptiker, Verweigerer: Ein kleines Rechteck aus drei Lagen Vliesstoff und zwei Gummibändchen bewegt sie alle – die meisten von uns bewegen sich schlicht mit ihr. Über den Mund-Nasen-Schutz – oder einfach «die Maske» – und ihr Platz in unserer Gesellschaft, werden in den nächsten Jahren wohl noch einige Doktorarbeiten geschrieben werden. Im Hier und Jetzt gilt es aber praktischere Fragen zu klären.

Zum Beispiel die Frage danach, was passiert, wenn Uneinigkeiten über Sinn und Zweck der Maske in handfeste Auseinandersetzungen münden. Unlängst kursierte via «20 Minuten» das Video einer solchen Handgreiflichkeit. Das bringt eine Frage aufs Tapet, die seit Beginn der Pandemie immer wieder auftaucht: Wie gehen ÖV-Betriebe mit Passagieren um, die sich trotz Maskenpflicht im ÖV weigern, Mund und Nase mit einer solchen zu drapieren?

VBL kann lediglich darum bitten, den Bus zu verlassen

Wer in Luzern mit dem ÖV unterwegs ist, kennt die Durchsagen auf die Maskenpflicht mittlerweile wohl bereits auswendig. Und auch die entsprechenden Weisungen auf den Screens in den Bussen dürften sich in den vergangenen Monaten tief in die Retina gebrannt haben.

«Unser Fahrpersonal ist nicht die Polizei.»

Sämi Deubelbeiss, Pressesprecher VBL

Wie aber geht man mit jemandem um, der im Bus keine Maske trägt? «Falls unsere Kundenberater bei einer Billettkontrolle auf jemanden stossen, verweisen diese auf die geltende Maskenpflicht. Sofern kein ärztliches Attest vorliegt, können die Kontrolleure den Passagier bitten, den Bus zu verlassen», erklärt VBL-Pressesprecher Sämi Deubelbeiss. Klar ist aber, dass die VBL-Mitarbeiter die Person nicht physisch aus dem Bus entfernen würden. Nicht die Kontrolleure und schon gar nicht die Chauffeure. «Unser Fahrpersonal ist nicht die Polizei. Es hat die Aufgabe, die Kundinnen und Kunden sicher von A nach B zu transportieren und nicht die Maskentragepflicht der Fahrgäste zu kontrollieren.»

Polizei: «Nicht Zuständig»

Das stimmt natürlich. Bei der Luzerner Polizei hält man aber fest, dass die Kontrolle der Maskenpflicht im ÖV nicht in der Zuständigkeit der Polizei liegt. «Die Polizei geht nicht aktiv für Kontrollen in die Busse. Hier bleibt gemäss den geltenden Verordnungen der Betreiber in der Pflicht», erklärt Urs Wigger, Mediensprecher der Polizei. Nicht zu verwechseln ist die Aufgabe der Polizei mit jener der Transportpolizei, welche in den SBB-Zügen Kontrollen durchführen kann. Die Transportpolizei ist nämlich eine Abteilung der SBB. In den S-Bahnen gibt es jedoch kaum solche Kontrollen (zentralplus berichtete).

«Falls es zu groben Verstössen in Bussen kommt, wird die Polizei zur Hilfe gerufen.»

Sämi Deubelbeiss, Mediensprecher VBL

Bleibt also immer noch die Frage, wie mit Maskenverweigerern im Luzerner ÖV umgegangen wird und wer genau dies denn nun tut. Letztlich sind es beide erwähnten Parteien: «Falls es zu groben Verstössen in Bussen kommt, wird die Polizei zur Hilfe gerufen», erklärt Deubelbeiss den Ablauf. «Dies war bereits vor der Coronapandemie der übliche Vorgang, zum Beispiel bei einer Schlägerei.» Chauffeure können jederzeit mittels Knopfdruck bei der VBL-Leitstelle polizeiliche Unterstützung anfordern.

Bisher eine Ausnahmeerscheinung

Auch wenn die Maskengegner durchaus verstehen, wie man sich medial in Szene setzt, blieben Verstösse im Luzerner ÖV bisher Ausnahmeerscheinungen. «Aufgrund eines groben Verstosses gegen die Maskenpflicht musste die Polizei seit dem vergangenen Juli jedoch noch nie aufgeboten werden», sagt Deubelbeiss. Hier wirke schon seit Beginn der Maskenpflicht auch der soziale Druck durch andere Fahrgäste. «Nach wie vor haltet sich die allergrösste Mehrheit der Fahrgäste an die Maskenpflicht im ÖV.»

Szenen wie in Zürich können nie ganz ausgeschlossen werden. Wenn die Situation aber eskaliert, stehen ÖV-Betreiber und Polizei letztlich beide in der Pflicht, die übrigen Passagiere zu schützen.

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11 Kommentare
  1. Karl-Heinz Rubin, 17.04.2021, 02:10 Uhr

    Es ist unglaublich…
    Was für Kommentare und mit welchen Argumenten hier diskutiert wird.
    Stammtischpolitik…
    Pure Überheblichkeit…
    Egoismus…
    Hoffe doch das gewisse nicht in wichtigen Positionen ihre Argumente einbringen.
    Dies wäre wirklich der Niedergang der Menschheit..

  2. Samuel Kneubühler, 16.04.2021, 09:51 Uhr

    Ich verstehe einfach nicht, weshalb die VBL mit ihren Kontrolleur*innen keine Stichproben bezüglich Maskenpflicht macht, so wie sie es mit den Billetkontrollen auch tut. Es sind immer in etwa die selben Verweigerer*innen (mehr Männer als Frauen).

    1. Roli Greter, 16.04.2021, 10:44 Uhr

      Weil dafür die rechtliche Grundlage fehlt. Ihr Hauswart kontrolliert auch nicht ob Sie zuhause die Personenzahlbeschränkung einhalten.

    2. John, 16.04.2021, 12:29 Uhr

      @Kneubühler: Gestern beim Spaziergang hier im Dorf: 10 Frauen zu 4 Männer. So ist das Verhältnis überall, wo ich reinsehe. Soviel zu Vorurteilen… Warum erwähnen Coronagläubige immer wieder, dass es mehr Männer sind, die sich gegen den Unsinn wehren, obwohl das definitiv falsch ist? Zum Thema: Ich verstehe nicht, was Sie das angeht, was die VBL kontrolliert. Ich habe zum Beispiel Mühe mit Leuten, die sich ungesund ernähren. Soll ich jetzt verlangen, dass die VBL die Menupläne der Passagiere kontrolliert und von Übergewichtigen einen Aufpreis verlangt?

    3. Samuel Kneubühler, 16.04.2021, 12:41 Uhr

      @John
      Weil die oberste Schweizer Regierungsgewalt eine neue Regelun geschaffen hat, die genau Kontrollen vorsieht!
      Aus pädagogischer Sicht macht es keinen Sinn, Sanktionen anzukündigen und sie dann nicht umzusetzen.

    4. Roli Greter, 16.04.2021, 13:09 Uhr

      Aus pädagogischer Sicht macht es auch keinen Sinn übergewichtig und damit Teil der Risikogruppe zu sein. Es geht schlicht um Gerichtbarkeit.

  3. Besorgerter Bürger, 16.04.2021, 08:40 Uhr

    Von all den Menschen, die wegen besonderen Gründen (insbesondere medizinischen) keine Masken tragen können, wird kein Wort verloren. Weder der Bundesrat, noch die ÖV-Betriebe weisen darauf hin, dass es Personengruppen gibt, die keine Maske tragen können und nehmen m.E. wissentlich in Kauf, dass von anderen Passagieren sozialer Druck, Denunziantentum, verbale & physische Gewalt angewendet wird.
    Die Schweiz war immmer bekannt für den Schutz von Minoritäten. Dies hat wesentlich zum Zusammenhalt unserer Nation beigetragen. Ich war immer stolz darauf; mit Betonung auf war. Jetzt bin ich es nicht mehr

  4. Rudolf 1, 16.04.2021, 07:06 Uhr

    «Hier wirke schon seit Beginn der Maskenpflicht auch der soziale Druck durch andere Fahrgäste.» – Von sozialem Druck kann keine Rede sein. Wenn jemand von einem Maskenverweigerer unflätig beschimpft wird, kümmert das die Passagiere nicht.

    1. Baldo, 16.04.2021, 11:11 Uhr

      Es hat die Aufgabe, die Kundinnen und Kunden sicher von A nach B zu transportieren und nicht die Maskentragepflicht der Fahrgäste zu kontrollieren.»
      Billerkontrolle, hätten nach der Aussage, auch keine Rechtfertigung.Habe schon viel in den VBL Bussen erlebt und eins kann ich sagen, erwarte von den Chauffeure keine Hilfe.
      Ich benutze sie, wenn s nicht anders geht.

    2. John, 16.04.2021, 12:32 Uhr

      Unflätigkeiten kümmern generell niemanden. Auch wenn Maskenbefreite unflätig beschimpft werden, schaut kaum jemand vom Smartphone auf. 😃

  5. Roli Greter, 16.04.2021, 06:52 Uhr

    Ich danke dem freundlichen Fahrdienstpersonal für Ihren unkomplizierten Umgang und der vernünftigen Handhabung. Bleibt gesund, in Kopf und Herz.

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