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Wie happig der Schulbesuch für Zuger Eltern ins Geld geht
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In Luzern wird es auch zukünftig Schulreisen geben. (Bild: flickr.com)

Kosten für Drucker und Ausflüge werden überwälzt Wie happig der Schulbesuch für Zuger Eltern ins Geld geht

5 min Lesezeit 30.06.2018, 05:55 Uhr

Der obligatorische Schulbesuch muss unentgeltlich sein, urteilte das Bundesgericht Anfang Jahr. Jetzt zeigt sich: Wer im Kanton Zug das Untergymnasium besucht, muss viele private Mehrkosten übernehmen. Das kostet locker tausend Franken – was durchaus legal ist, wie die Zuger Regierung versichert.

Es kommt häppchenweise einiges zusammen für Eltern, deren Kinder die 3. Klasse der Kantonsschule Zug besuchen: 50 Franken können sie Exkursionen kosten, bis zu 60 Franken die Schulreise. 60 Franken extra die Studienwoche und den Computer müssen sie in Zukunft wohl auch von daheim mitnehmen, so wie die Kantonsschule Menzingen dies bereits praktiziert.

Im Folgejahr kommt’s dann noch dicker: Dann fallen nochmal 400 Franken für Lehrmittel an, und die Tinte für die Drucker mag der Kanton Zug auch nicht gratis zur Verfügung stellen – das kostet die Eltern der Kantischüler in Zug nochmal 60 Franken, in Menzingen gar 80 Franken extra.

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20 Franken pro Tag für Verpflegung

Wie kann es sein, dass in der 3. Klasse – also im 9. und obligatorischen Schuljahr – bereits so viele Mehrkosten für die Eltern anfallen? Wo doch das Bundesgericht entschieden hat, dass der obligatorische Schulbesuch unentgeltlich zu sein hat und den Eltern nur der Betrag in Rechnung gestellt werden darf, den sie durch die Abwesenheit des Sprösslings zu Hause für die Verpflegung einsparen – also 10 bis 16 Franken pro Tag?

Natürlich wird dieser Betrag im teuren Kanton Zug grosszügig aufgerundet – zu Verpflegungskosten von 20 Franken (zentralplus berichtete). Was aber die 60 Franken für Schulreisen und die 50 Franken für Exkursionen nicht erklärt. Oder die bis zu 300 Franken, welche die Kanti Menzingen in der 1. und 2. Klasse den Eltern für eine Klassenwoche in Rechnung stellt.

Melonenschnitze zur Erfrischung sind nicht teuer. Bei Schulreisen werden jedoch täglich bis zu 20 Franken pro Schüler an Verpflegungskosten veranschlagt.

Melonenschnitze zur Erfrischung sind nicht teuer. Bei Schulreisen werden jedoch täglich bis zu 20 Franken pro Schüler an Verpflegungskosten veranschlagt.

(Bild: flickr.com)

Die Sek muss reichen

Nun: Schulreisen sind nicht obligatorisch. Wenn die Eltern ihren Kindern eine Teilnahme verweigern, muss sie die Schule alternativ beschäftigen. Dies erklärt die Zuger Regierung nun zu einer Interpellation der Alternativen Fraktion im Kantonsrat. Und was das Untergymnasium betreffe, so gehöre dies gar nicht zum Schulobligatorium, selbst wenn die Kantischüler in Zug oder Menzingen das obligatorische 7., 8., oder 9. Schuljahr besuchen.

Die Zuger Regierung stützt sich dabei auf einen Leitentscheid des Bundesgerichts (133 I 156), wonach sich das Schulobligatorium auf die Volksschule beschränkt und der unentgeltliche Schulunterricht nur an einer Sekundarschule angeboten werden müsse. Es sei zumutbar, das 7., 8. und 9. Schuljahr an der Sek zu verbringen und dann zur Erlangung der Matura an ein Gymnasium zu wechseln. 

Fünf Gemeinden bezahlen Schüler-Compis

Die Regierung geht auch auf die Kosten der Computerbeschaffung in gemeindlichen Schulen des Kantons Zug ein. Denn die Schulen im Kanton rüsten im laufenden Jahr auf, um den Anforderungen des Lehrplans 21 in Sachen Informatik gerecht zu werden.

Deshalb haben sich zusätzlich zu den Alternativen auch die CVP-Kantonsrätinnen Laura Dittli aus Oberägeri und Anna Bieri aus Hünenberg nach der Überwälzung der Kosten erkundigt. Grundsätzlich leitet sich die Idee vom Grundsatz ab, dass die Anschaffung des persönlichen Schul- und Gebrauchsmaterials Sache der Erziehungsberechtigten ist.

Dieser Idee folgen im Kanton Zug gut die Hälfte der Gemeinden, die andere Hälfte hingegen übernimmt die Beschaffung von Computern für die Schüler der Sekundarstufe auf eigene Kosten. Während die Compis in fünf Gemeinden also für Schüler und Eltern gratis sind, verlangen andere Gebühren.

Eltern müssen Vollkaskoversicherung abschliessen

In zwei Gemeinden müssen Eltern für die Benutzung bezahlen. In einer Gemeinde fallen 80 Franken pro Jahr an, damit so solidarisch die Reparaturkosten gedeckt werden. In der anderen Gemeinde müssen die Eltern von Schülern für 100 Franken eine Vollkaskoversicherung abschliessen und 100 Franken Kaution hinterlegen.

Drei andere Gemeinden haben sich eine Kostenbeteiligung durch die Eltern vorbehalten, aber noch nicht entschieden, wie diese genau aussehen soll. Und in einer Gemeinde werden die Compis durch Kommune und Eltern gemeinsam beschafft. Die Eltern bezahlen über drei Jahre hinweg total 250 Franken – dafür gehört der Compi anschliessend ihnen respektive ihrem Kind.

Kantonsschulen haben Fonds für arme Eltern

Doch was geschieht, wenn die Eltern die Extraausgaben nicht bezahlen können, wollten Bieri und Dittli von der Zuger Regierung wissen. An den kantonalen Gymnasien, wo sich der Kanton bei der Finanzierung von Reisen und anderem aus Spargründen zurückhält, gibt es eine Stipendienstiftung. Schliesslich kommen auf die Eltern der Kantischüler im Verlauf der Gymnasialzeit noch weitere Kosten hinzu als für Compi, Lehrmittel, Druckerschwärze und Exkursionen.

In der 4. Klasse verreisen sie Schüler zu einer auswärtigen Arbeitswoche (kostet die Eltern bis zu 600 Franken) und zu einem Sprachaufenthalt (kostet bis zu 660 Franken). In der 6. Klasse gibt es eine Studienreise innerhalb Europas, was nochmals bis zu 660 Franken kostet.

In Menzingen beschränkt man sich auf eine Maturareise ins Ausland. Dort gibt es auch keine Stiftung, sondern nur einen Fonds, den bedürftige Eltern angraben können.

Gemeinden äufnen Extragelder zum Helfen

Auch Eltern von Primar- und Sekundarschülern können im ganzen Kanton auf Hilfen zurückgreifen, beteuert die Zuger Regierung. Sieben Gemeinden greifen auf Exkursions-, Lager- oder Projektkredite, Schulreisefonds oder dafür vorgesehene Finanzmittel zurück. In vier anderen Gemeinden müssen knapp kalkulierende Eltern den Gang aufs Sozialamt antreten, aber nicht um Sozialhilfe zu beantragen. Die Sozialabteilungen verfügten über Extragelder, die sie in solchen Fällen verteilen könnten, so die Zuger Regierung.

Zurück auf Platz eins: Anna Bieri vertraut darauf, dass der Regierungsrat keine reichen Ausländer bevorzugt.

CVP-Kantonsrätin Anna Bieri: Wollte zusammen mit ihrer Parteikollegin Laura Dittli wissen, was der Kanton Zug für Eltern tut, die sich die Mehrkosten für die Schule nicht leisten können.

(Bild: zvg)

Leute, denen das Einkommen nicht reicht, müssen sowieso aufs Sozialamt. Sie erhalten die meisten der Extrakosten während der obligatorischen Schulzeit vergütet. Zum Beispiel die Teilnahme der Kinder an einem Klassenlager oder den Musikschulunterricht. Bei Lagern ausserhalb der Schulzeit oder dem Bedarf nach Nachhilfe sind die Gemeinden frei, zu entscheiden, wie sie wollen.

Viele Alleinerziehende kommen nicht ohne Sozialhilfe aus

Die Wahrscheinlichkeit, auf Sozialhilfe angewiesen zu sein, ist bei Alleinerziehenden bemerkenswert hoch. 13,7 Prozent der alleinstehenden Eltern im Kanton Zug kommen ohne gemeindlichen Zustupf nicht durch den Alltag. Leben die Eltern aber in einer funktionierenden Partnerschaft, dann reicht das Geld statistisch gesehen fast immer. Nur 1,2 Prozent der verheirateten Paare mit Kindern im Kanton Zug müssen Hilfe durchs Sozialamt in Anspruch nehmen.

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