Wie eine einzige Szene die Zuger Niederlage vorweg nimmt
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Das ging in die Hosen, weil der EVZ von allem Anfang an nicht parat war: Die Enttäuschung darüber ist im Gesicht von Zug-Stürmer Grégory Hofmann abzulesen. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Erste Playoff-Niederlage auf eigenem Eis Wie eine einzige Szene die Zuger Niederlage vorweg nimmt

3 min Lesezeit 1 Kommentar 29.04.2021, 22:05 Uhr

Der EV Zug hat den ersten von drei Matchpucks um den Final-Einzug vergeben und gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers eine 1:2-Niederlage einstecken müssen. Weil die Zuger von allem Anfang an mental nicht bereit waren, haben sie dem Aussenseiter neues Leben eingehaucht. Die Halbfinalserie steht nur noch 2:1 für den Ligadominator.

Es war die eine Szene gleich zu Beginn, die viel aussagte über die mental ungenügende Verfassung der Zuger an diesem Abend. Nach wenigen Sekunden liess sich Rapperswils Verteidiger Dominik Egli als hinterster Mann die Scheibe abluchsen. Die Zuger Nick Shore und EVZ-Topskorer Lino Martschini zogen alleine aufs gegnerische Tor.

Nach einem Doppelpass machte sich Shore an den Abschluss und setzte den Puck deutlich neben das Tor. Das muss einem auch erst mal gelingen. «Ich habe einfach die falsche Entscheidung getroffen», ordnete der US-Stürmer seine erstklassige Torchance später lapidar ein.

Vor allem aber verursachte die nonchalante Art und Weise, wie die Zuger diese erstklassige Chance liegen liessen, beim Chronisten ein ungutes Gefühl: Ist der Ligadominator im Kopf wirklich bereit, die Halbfinalserie mit dem dritten Sieg in Folge auf der kürzest möglichen Distanz zu beenden?

EVZ fehlt die letzte Konsequenz

Der erste zweifelhafte Eindruck sollte sich im weiteren Spielverlauf bestätigen. Den Zugern fehlte die letzte Entschlossenheit. Im Vorwärts- als auch im Rückwärtsgang.

Der unbewacht aufgerückte Daniel Vukovic liess sich in der zehnten Minute nicht zweimal bitten, als er von hinter dem Zuger Tor angespielt wurde. Der Verteidiger brachte die Rapperswiler 1:0 in Front.

Auch beim zweiten Gegentreffer in der letzten Minute vor Ablauf des Startdrittels fehlte es dem Gastgeber an der letzten Konsequenz: Nando Eggenberger versteckte einen Querpass Marco Lehmanns im Netz der Zuger. «Wir haben billige Tore einstecken müssen», kritsierte EVZ-Trainer Dan Tangnes hinterher.

Wäre der EVZ zu 100 Prozent parat gewesen, hätte er die beiden Situationen vor dem eigenen Tor nicht zugelassen. Wenigstens lag er aber zur ersten Pause nur mit einer Länge im Rückstand – und das war einem Genieblitz von Regisseur Jan Kovar geschuldet. Herrlich, wie er von hinter dem Tor für seinen kongenialen Sturmpartner Grégory Hofmann zum zwischenzeitlichen 1:1 in der 14. Minute aufgelegt hatte.

Nyffeler warm geschossen

In der Folge war der EVZ bemüht, eine Schippe draufzulegen. Die Torschuss-Statistik von 18:6 belegte die Dominanz und Spielkontrolle der Zuger im Mitteldrittel, nachdem diese zuvor noch auf 8:4 für den Aussenseiter lautete.

Doch Zählbares wollte für die Zuger nicht mehr herausschauen. Einmal ging etwas beim Timing schief, ein ander Mal bei der Präzision, als Martschini den Puck aus spitzem Wickel am leeren Tor vorbei schob (27.). Und wenn die Chance kam, bedeutete Rapperswils Goalie Melvin Nyffeler jeweils Endstation.

Er machte die Chancen von Tobias Geisser, Yannick-Lennart Albrecht und Jan Kovar zunichte. Und er liess auch die Abschlüsse von Nick Shore und Grégory Hofmann im ersten Überzahlspiel der Zuger abblitzen. Zur zweiten Drittelspause liess sich definitiv festhalten: Melvin Nyffeler war warm geschossen.

Alte Sport-Weisheit bewahrheitet sich

Einmal mehr kam eine uralte Sport-Weisheit zum Zuge: Es ist ungemein schwierig, im Zuge eines Wettkampfes den Schalter umzulegen, wenn die Einstellung zu Beginn nicht hundertprozentig gestimmt hat.

Bei den Unpässlichkeiten im Zuger Spiel konnten eigentlich nur gegnerische Disziplinlosigkeiten oder eine geniale Einzelaktion Steigbügelhalter für eine Rückkehr ins Spiel sein. Doch in den beiden Überzahlsituationen im letzten Drittel gelang es den Zugern nicht, nur schon eine echte Torchance zum Ausgleich herauszuspielen. «Das Powerplay liess uns an diesem Abend im Stich», sagte Tangnes.

Und das Drehbuch des dritten Halbfinalspiels sah auch keinen weiteren erfolgreichen Geniestreich eines Zugers mehr vor. Das hätten die Rapperswiler für ihre beherzte und aufsässige Spielweise wohl auch nicht verdient. Sie holten alles aus ihren Möglichkeiten heraus und das Break zurück. Vor allem aber schöpften sie neue Hoffnung auf gutes Gelingen.

Dass der EV Zug den ersten von drei Matchpucks vergab, war schon aus der allerersten Szene abzulesen.

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1 Kommentare
  1. Sadevz, 29.04.2021, 22:59 Uhr

    Zug kommt zu wenig in den Slot. Die letzt Konsequenz fehlt in den Abschlüssen und Zweikämpfen. Keine Härte. ABDELKADER defensiv eine Katastrophe, steht beim 2 Gegentreffer nur herum, bringt null Härte ins Spiel. Kann der überhaupt Hockey spielen, der Pass auf Martschini war ziemlich schlecht, Pässe annehemn kann er au ned. Sehr unkonzentrierter Auftritt. Schien mir fast so als ob sich Zug schont. Ziemlich Launischer Auftritt heute. Liegts am Trainer? Für Zug reicht es nicht zum Titel, das ist nach diesem Auftritt klar. Servette spielt ähnlich wie Rappi einfach eine Klasse besser. Aber vermutlich verlieren sie schon den Halbfinal.

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