Wie eine Reinigungsfachfrau zu Zeiten von Corona in Zug die Demokratie sichert
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Anna Maria Flori ist seit vergangenem August in der Zuger Politik hautnah dabei. (Bild: cbu)

Unsichtbar aber notwendig Wie eine Reinigungsfachfrau zu Zeiten von Corona in Zug die Demokratie sichert

3 min Lesezeit 05.02.2021, 05:00 Uhr

Die Zugerin Anna Maria Flori ist in der Politik im Kanton Zug an vorderster Front dabei und steht regelmässig an den Rednerpulten – mit Desinfektionsmittel und Putzlappen. zentralplus erzählt sie, wie sie die Sitzungen als Reinigungsfachfrau erlebt und warum der Job fit hält.

Wir schreiben viel über Politik. Und damit unweigerlich über Politiker. Auch über Sitzungen in Ratssälen wird eifrig getippt – vor allem in Zeiten von Corona, wo schnell neue Lösungen und Massnahmen beschlossen werden müssen. Aber es gibt auch Personen, die hinter dem Rednerpult der Politikerinnen stehen, über die kaum jemand schreibt. Anna Maria Flori ist eine von ihnen.

Mit einem Desinfektionsspray und Reinigungstüchern ausgestattet, sorgt sie bei Sitzungen im Zuger Kantonsrat dafür, dass die Rednerpulte und Mikrofone coronakonform desinfiziert und für die nächste Rednerin bereitgemacht werden. Ihre Arbeit erfolgt wortlos und beiläufig – und trotzdem ist sie gerade in Zeiten von Corona absolut relevant. Denn die gepflegte, wenn auch mitunter intensiv und wenig zimperlich geführte Auseinandersetzung ist einer der Grundpfeiler der freiheitlichen Demokratie.

Treue Seele seit 15 Jahren

«Es ist manchmal stressig», sagt Flori lächelnd. In einem Sitzungszimmer der Zuger Steuerbehörde erzählt sie – getrennt durch eine Plexiglasscheibe – wie es zu ihren Einsätzen auf den Brettern der Politik gekommen ist.

Die gebürtige Schweizerin mit italienischem Pass hat bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Kalabrien, Italien gelebt. Dann ist sie zurück in ihre Heimat gekommen und hat eine Lehre als Coiffeuse absolviert. Heute ist sie Mutter von zwei Kindern und wohnt mit ihrer Familie in Baar.

Beim Kanton Zug reinigt sie nun seit 15 Jahren. Roger Gwerder, ihr direkter Vorgesetzter und Teamleiter des Hausdienstes der Baudirektion, findet nur lobende Worte. «Sie ist sehr zuverlässig, pflichtbewusst und beherrscht die Sprache.»

Unvermutet langer Einsatz

Und genau diese Kriterien waren für Gwerder ausschlaggebend, als er im August 2020 von der Staatskanzlei angefragt wurde, ob er eine Reinigungskraft für die Sitzungen im Kantonsrat stellen kann. Damals ging man gemäss Gwerder noch davon aus, dass es sich um drei oder vier Einsätze handelt – bis die Corona-Krise vorbei sei. «Heute sitzen wir hier und das Thema ist noch nicht vom Tisch», sagt er. Und wie Flori ergänzt, läuft das Reinigungsmandat noch bis Juli.

«Ich bleibe so lange, wie ich kann.»

Anna Maria Flori, Reinigungsfachfrau

Seit August sitzt Flori einmal pro Monat an den Sitzungen im Zuger Kantonsrat und huscht nach jedem Referat nach vorne zu den Rednerpulten. Es ist ein ständiges Auf und Ab – buchstäblich. «Aufstehen, reinigen und desinfizieren, hinsetzen», beschreibt Flori ihre Einsätze mit einem Lächeln. Und da die Sitzungen meist von 8 bis 17 Uhr gehen, kann das im Verlauf des Tages ganz schön in die Beine gehen. Besonders seit im Kantonsrat statt eins nun zwei Rednerpulte stehen.

Kein Wechsel in die Politik geplant

Persönlich interessiert sich Flori zwar für Politik – aber nicht im Übermass. Darum sind die Sitzungen für sie manchmal ein zweischneidiges Schwert. Bestimmte Themen seien spannend und interessant und andere, gibt sie ehrlich zu, «sind sehr langweilig».

Obwohl Flori nebst ihren anderen Aufgaben mehr Zeit an politischen Diskursen verbringt als mancher Politiker selbst, kommt für sie ein Einstieg in diese Welt nicht in Frage. Sie ist glücklich, wo sie ist, und sagt: «Ich bleibe so lange, wie ich kann.» Und wenn man Gwerders Zufriedenheit mit seiner langjährigen Mitarbeiterin glauben kann, dürften das noch weitere Jahre sein.

Anna Maria Flori (ganz hinten sitzend) wartet auf ihren nächsten Einsatz. (Bild: jal)

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