Wie eine Papeterie und der Skatershop die Wiedereröffnung erleben
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Andrin Jost im neuen Shop-in-Shop von Doodah. (Bild: uus)

Augenschein im Zuger Metalli Wie eine Papeterie und der Skatershop die Wiedereröffnung erleben

4 min Lesezeit 13.05.2020, 12:30 Uhr

Es sind vor allem Stammkunden, die in den ersten Tagen gleich in die Läden gehen. Mit dem Start in die Zeit nach dem Lockdown sind viele Shopbetreiber zufrieden. Und manche haben die Zwangspause genutzt, um ihre Kunden nun mit einem neuen Angebot zu überraschen.

Die Shoppingmeilen sind wieder geöffnet. Im Metalli beim Bahnhof Zug finden sich über 50 Geschäfte, von denen die meisten am Montag wieder unter Auflagen öffnen durften. Neben dem Grossverteiler Migros, Ketten wie Zara, der Confiserie Bachmannn oder Edel-Schokoladenfabrikant Läderach gibt es auch ein paar kleinere Läden. Einer davon ist die Papeterie Papnova.

Das Papierfachgeschäft im Zuger Metalli hat seine Waren in den letzten Wochen nur online anbieten können. Den Shop im Netz gab es schon vor Corona. «Damals kannten ihn aber noch nicht viele», sagt Willi Huwiler, dem das Geschäft gehört.

Auch wenn das Online-Geschäft etwas angezogen habe, schätzen offensichtlich viele den persönlichen Kontakt im Ladengeschäft: Eine ältere Dame sucht Karten aus. Eine andere lässt sich beraten, welches Papier sie für ihr Projekt braucht. An einem eigens dafür eingerichteten Helping Point gibt es auch Platz für ein Beratungsgespräch mit genügend Distanz. Die Filiale in der Zuger Metalli, das «Bijou», wie es Huwiler liebevoll nennt, ist halt immer noch das Herzstück.

Willi Huwiler, Inhaber der Papeterie Papnova in der Zuger Metalli, wäscht sich die Hände.

In den Laden dürfen maximal sieben Kunden rein und fünf Angestellte dürfen gleichzeitig arbeiten. Das Betreuungsverhältnis ist also gut. Mit dem Entfernen von Dekotischen wurde zusätzlicher Platz geschaffen, um den geforderten Abstand zu ermöglichen. Das Schutzmaterial habe man einfach besorgen können, so Huwiler. Weil es von den selben Lieferanten angeboten wird, bei denen man man sonst auch bestellt.

Die Verkäuferinnen tragen weder Schutzmasken noch Handschuhe. Eine Plexiglasscheibe wurde vor der Verkaufstheke installiert, Markierungen am Boden zeigen die vorgesehenen Laufwege an, nachdem man sich beim Eintritt am Desinfektionsmittel bedient hat.

«Ich glaube, die Menschen haben etwas mehr Geduld»

«Die Mitarbeiter haben sich auf die Wiedereröffnung gefreut», ist sich Huwiler sicher. Während sie in den vergangenen Wochen auf Kurzarbeit gestellt waren, hat der Chef ihnen den vollen Lohn weiterbezahlt.

Die Stimmung an diesem Morgen im Geschäft ist angenehm, der Umgang ist freundlich. «Ich glaube, die Menschen haben etwas mehr Geduld als zuvor», sagt Huwiler und schmunzelt. Die ersten beiden Tage seien besser gelaufen als angenommen. Sein Wunsch ist nun, dass die Menschen die lokalen Geschäfte auch in der kommenden Zeit verstärkt besuchen und ein Teil des Umsatzverlustes wieder eingespielt wird.

Die Zeit genutzt, um das Angebot auszubauen

Wir wechseln vom Papier zu den Skateboardern. Im Doodah an der Metallistrasse dürften laut Vorschriften 35 Personen inklusive Mitarbeiter rein. Am frühen Morgen sind aber noch keine Kunden da, die sich in den frisch herausgeputzten Laden drängen. Skater und Freunde der entsprechenden Mode schlafen gerne etwas länger – oder sind gerade in der Schule.

Dafür huscht Mitinhaber Andy Meienberg vorbei. Er und sein Team haben die Zeit genutzt, um einen Shop-in-Shop zu eröffnen – eine Armada von Wakeboards steht neu zur Auswahl.

«Vor allem die Stammkunden sind gekommen, auch, um ein bisschen zu plaudern.»

Andrin Jost, Verkäufer

Das Material stammt aus Meyenbergs zweiten Unternehmen. Als «wakeandy» setzt der frühere Profi neben Skaten und Snowboarden auch auf den Wassersport. Damit ist eine Hoffnung verbunden: «Wakesurfen und Wakeboarden wird diesen Sommer sicher viel gefragter sein. Gerade weil die Menschen vermehrt in der Schweiz Urlaub machen werden», sagt Meyenberg im Vorbeigehen und begleitet zwei Vertreter aus dem Laden hinaus.

Hoffen auf das Sommergeschäft

Auch im Doodah ist der Online-Shop in den letzten Wochen ordentlich gelaufen. Einzelne Mitarbeiter konnten für das Verpacken und Verschicken der Waren eingesetzt werden. Kompensiert hat das die Ausfälle nicht. Meyenberg hofft nun, «dass sich die Umsätze rasch wieder stabilisieren werden».

Darüber würde sich auch Verkäufer Andrin Jost freuen, der die Wakeboards und wie bisher Skateboards und die dazu passende Mode verkaufen wird. Er ist froh, wieder direkten Kundenkontakt zu haben. «Es war schon am ersten Tag so, dass am Morgen nicht viel los war. Am Abend lief es dann aber besser als erwartet. Vor allem die Stammkunden sind gekommen, auch, um ein bisschen zu plaudern.»

Mit einem Kaffeebecher bewaffnet geht es wieder zurück zum Bahnhof. Der Betrieb im Metalli hat kurz vor dem Mittag etwas zugenommen. Vereinzelt sitzen Leute in kleinen Gruppen in den Cafés, andere holen sich ihr Mittagessen am Take-away. Einige Läden bleiben noch auffällig leer, bei anderen bilden sich kleine Schlangen.

Der Augenschein zeigt, dass es auch nach Corona das Bedürfnis gibt, Waren in einem echten Geschäft auszuwählen und in Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Von Seiten der Kunden, aber auch des Verkaufspersonals. Es ist nicht so, dass die Menschen in Massen wieder in die Läden stürmen. Das Wochenende wird zeigen, wie viel Geduld wir uns antrainiert haben, wenn es am einen oder anderen Ort trotzdem zu einer etwas längeren Schlange kommen wird.

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