Wie eine Menstruations-Schokolade finanziert wurde
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Kater Monty und Frauenmond-Schoggi – inzwischen gibt es beide nicht mehr. (Bild: Funders/Collage sib)

Das sind die kuriosesten Crowdfunding-Ideen Wie eine Menstruations-Schokolade finanziert wurde

4 min Lesezeit 11.08.2018, 05:11 Uhr

Crowdfunding-Plattformen werden immer beliebter, wenn es darum geht, Projekte oder Herzenswünsche zu realisieren. Doch immer wieder fallen auch Ideen durch ihre Absurdität auf. Wir haben bei den Zentralschweizer Plattformen die krudesten Projekte zusammengetragen – und diese haben es in sich.

Der Crowdfunding-Boom in der Schweiz hält unvermindert an (zentralplus berichtete). Jedoch werden nicht immer gleich seriöse Projektideen an die Plattformen herangetragen. Auch die Zentralschweizer Plattformen ereilen oft genug wenig ausgereifte Vorschläge.

Während einige Ideen wenig durchdacht daherkommen und ein ausgefeilter Businessplan fehlt, sind andere kurioser Natur und sorgen für ein Schmunzeln. Was jedoch nicht zwingend heisst, dass sie nicht erfolgreich sind. Wie das Best-of der skurrilsten Projektideen, die an die Zentralschweizer Crowdfunding-Plattformen herangetragen worden sind, zeigt.

Die Menstruations-Schokolade

«Funders», die Crowdfunding-Plattform der Luzerner Kantonalbank, hat vergleichsweise niedrige Kriterien, damit es ein Projekt auf die Plattform schafft. Einzig die Nutzungsbedingungen müssen erfüllt sein. Es darf sich beispielsweise nicht um eine politische Kampagne handeln, und der Initiator muss volljährig sein. Zudem muss die Idee einen Projekt-Charakter besitzen.

Einer, der sich die niedrige Schwelle zunutze gemacht hat, ist Marc Widmer. Er war jahrelang Chef-Patissier in zahlreichen Fünf-Sterne-Häusern in der Schweiz, unter anderem im Luzerner Palace. Er hatte die Idee, eine Schokolade für Frauen zu entwickeln.

Das Projekt-Video zur Frauenmond-Schoggi:

Mit Schweizer Bergkräutern versehen und von einer Physiotherapeutin sowie einer Parfumeurin zusammengestellt, sollte die Schokolade «Frauenmond» bei Menstruationsbeschwerden helfen. Die Projektschwelle von 7500 Franken wurde tatsächlich ganz knapp erreicht.

Die «Schokolade für die Frau» warf hohe Wellen. Selbst in der «Cosmopolitan» wurde darüber berichtet. «Doch irgendwann stand das Lebensmittelinspektorat in der Tür», erzählt Daniel Lütolf, Geschäftsführer bei Funders. Noch heute bekäme er regelmässig Anfragen aus Südkorea, wo es die Schokolade zu kaufen gäbe.

Die Katzen-Statue

Süss wird es auch bei der nächsten Idee: Monty war die bekannteste Katze Zürichs. Als der rot-weisse Kater von einem Auto überfahren wurde und das Zeitliche segnete, dachte sich Besitzer Serge Wood, es müsse an die 12-jährige Katze mit eigener Facebook-Seite erinnert werden, und wandte sich an Funders.

Kater Monty wacht nun mit stoischer Ruhe an den Unteren Zäunen in Zürich.

Kater Monty wacht nun mit stoischer Ruhe an den Unteren Zäunen in Zürich.

(Bild: Funders)

Er wollte zum Gedenken Montys ein Denkmal in Form einer Katzenstatue aus Bronze und dazu eine kleine Gedenktafel errichten lassen. Diese sollte im «Monty-Park» an den Unteren Zäunen in Zürich stehen. Die erhofften 4500 Franken für die Errichtung der Statue wurden erreicht – mit 4’815 Franken sogar übertroffen. Und so lebt der Kater in bronzener Form weiter.

Das Gipfelkreuz

Nicht bronzen, sondern hölzern soll es beim nächsten Crowdfunding-Projekt werden. Patricia Waser ist eine Beckenrieder Maturandin des Kollegiums St. Fidelis in Stans. Für ihre Maturaarbeit hat sie sich etwas nicht Alltägliches einfallen lassen. Sie möchte auf dem Schwalmis (2246 Meter über Meer) ein Gipfelkreuz inklusive Gipfelbuch aufstellen. Sie habe schon mehrfach gehört, wie schade es sei, dass auf dem Berg an der Kantonsgrenze zwischen Nidwalden und Uri kein Kreuz stehe.

Sie begründet ihren Wunsch nach einem Gipfelkreuz mit ihrer Liebe zu Heimat und Bergen sowie ihren Hobbys Wandern, Klettern, Biken und Skifahren. Bei all diesen Tätigkeiten sei sie schon «mit Gipfelkreuzen in Berührung gekommen, und diese bedeuten mir sehr viel». Das hölzerne Kreuz soll 2,50 Meter gross werden.

Das Projekt-Video von Patricia Waser:

Um dieses Ziel realisieren zu können, hat Waser die Fundingschwelle bei 1500 Franken angesetzt. Das Fundingziel liegt bei 3000 Franken – unter anderem, um das Baugesuch finanzieren zu können. Dies sollte jedoch kein Problem darstellen. Denn: Obwohl die Aktion noch bis am 15. August läuft, kamen bereits 6950 Franken zusammen. Das Kreuz könnte im Spätherbst dieses Jahres realisiert werden.

Die Schönheitsoperationen

Bei der Hünenberger Plattform «Cashare» werden laut CEO Michael Borter 80 bis 90 Prozent aller Anträge abgelehnt. Unter den sonderbarsten Anfragen seien auch schon zwei Schönheits-Operationen gewesen, wie Borter berichtet.

«Einmal ging es um eine Brustvergrösserung», sagt er. Auch dieses Projekt war erfolgreich. Borter erklärt: «Wir prüfen die Projekt-Initianten auf ihre Fähigkeit, den Kredit zurückzuzahlen. Den moralischen Standpunkt bewerten die Investoren.» Cashare schaue jedoch, dass es sich nicht um illegale Projekte handle.

Bei der zweiten Schönheits-Operation handelte es sich um eine Hautstraffung über 7200 Franken, nachdem die betroffene Person nach einer Operation infolge Übergewichts 40 Kilogramm abgenommen hat. Dabei gingen nicht weniger als 572 Gebote von Investoren ein. Das Darlehen wurde mittlerweile bereits komplett und püntklich zurückbezahlt.

Der «falsche» Schuldenberater

Roger Bossard, Gründer der Zuger Crowdfunding-Plattform «Crowd4Cash», erinnert sich an einen Fall, bei dem einem Mann die Folgen seiner Scheidung zum Verhängnis wurden. «Der Betroffene hat sich durch die Scheidung verschuldet. Er wandte sich an einen Schuldenberater, der jedoch fast ausschliesslich in die eigene Tasche gewirtschaftet hat.» Die Zahlen bestätigen das: In über zwei Jahren verringerten sich die Schulden der betroffenen Personen von 50’000 Franken trotz Zahlungen von über 23’000 Franken gerade mal um knapp 8000 Franken.

«Bei uns hätte er dies in etwa acht Monaten geschafft und hätte nach zwei Jahren fast die Hälfte zurückbezahlt», so Bossard. Doch der Mann wandte sich zuerst an eine klassische Kreditbank mit fast zehn Prozent Zinsen. Unter diesen Bedingungen musste er zwar hohe Raten zahlen, kam bezüglich Amortisationen jedoch kaum vom Fleck.

So landete er am Ende doch noch bei Crowd4Cash mit einem deutlich tieferen Zinssatz. Dank der Umschuldung auf der Crowdfunding-Plattform kann er die Langzeit-Schulden aus der Scheidung schlussendlich effektiv tilgen.

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