Wie ein Zuger sein eSports-Turnier mit Bildung verbindet
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Ins Militär oder nicht ins Militär? Das ist bei Thomas Walker nach der Matura die Frage. (Bild: sib)

Thomas Walker lockt Smash-Gamer aus ganz Europa an Wie ein Zuger sein eSports-Turnier mit Bildung verbindet

5 min Lesezeit 1 Kommentar 19.10.2018, 10:11 Uhr

Thomas Walker (18) ist passionierter Zocker. Der Zuger treibt nun seine Leidenschaft einen Schritt weiter und veranstaltet in der Industrie 45 ein eSports-Turnier. Dieses wird sogleich Teil seiner Maturaarbeit.

Wenn es um die virtuelle Welt geht, ist eSports seit einigen Jahren eines der Schlagworte. Zahlreiche Schweizer Fussballclubs haben inzwischen ihr eigenes Konsolen-Team gegründet. Doch eSports lässt sich nicht auf ein Spielegenre begrenzen. Vielmehr geht es generell um das wettbewerbsmässige Spielen von Computer- oder Videogames.

Neben den grossen Spielen wie «League of Legends» oder «Dota», die auch in der Schweiz eine grosse Community begeistern, gibt es auch Games, wo die Spielergemeinschaft hierzulande recht überschaubar ist. Dazu gehört «Super Smash Bros.», gespielt auf der Nintendo Wii U.

Turnier bildet das Produkt

Dieses klassische Hau-drauf-Spiel wird am kommenden Wochenende in der Industrie 45 in Zug zahlreich und äusserst intensiv gespielt werden. Grund: Der Zuger Thomas Walker organisiert dort ein Smash-Turnier.

«Es ist ein Vertrauensbeweis an mich, dass sie von so weit her kommen, ohne mich zu kennen.»

Thomas Walker, Veranstalter eSports-Turnier

Walker ist nicht zufällig der Veranstalter. Der 18-Jährige verbindet das Turnier mit seiner Maturaarbeit, die er zum Thema Event-Organisation schreibt. Das Turnier bildet dabei das Produkt. Nach dem Turnier folgt dann eine Analyse, wie es gelaufen ist, was gepasst hat und wo Verbesserungspotenzial besteht.

Ganz grün ist Walker nicht mehr

Relaxt sitzt Walker da, als wir ihn im Game-Place in Luzern treffen. Kein Wunder, ist er doch gerade von der Maturareise in Split nach Hause gekommen. Die Kanti in Zug beginnt erst nächste Woche wieder.

Genauso entspannt blickt er auch auf das Turnier. «Wir haben bereits fast alles vorbereitet. Es ist bloss noch offen, wer von den Spielern alles eine Konsole mitnimmt.» Diese Ruhe mag auch daher rühren, dass er nicht komplett grün hinter den Ohren ist.

«Ich habe bereits einmal ein kleines Turnier in der I45 veranstaltet», erzählt er. Entsprechend schnell war auch die Location für dieses Mal gefunden. Doch ist der Rahmen nun ungleich grösser.

Auch die Lehrer sind interessiert

Rund 75 passionierte Smash-Spieler reisen an. Dazu erwartet Walker 20 bis 40 Besucher – darunter auch Lehrer von ihm. Die Schweizer Spieler kennt er alle persönlich. Dazu nehmen zahlreiche Zocker den weiten Weg aus dem Ausland in Kauf, unter anderem aus Dänemark, Finnland und Griechenland.

«Seit einem Jahr spiele auch ich das Spiel intensiver.»

Thomas Walker

Dies bedeute auch eine grosse Verantwortung, wie der Zuger betont. «Es ist ein Vertrauensbeweis an mich, dass sie von so weit her kommen, ohne mich zu kennen. Das ist untypisch für unsere Szene.»

Willkommen in der Casa Walker

Dafür bietet ihnen Walker nicht nur ein Turnier für Gleichgesinnte, sondern auch eine Übernachtungsmöglichkeit. «Meine Familie lässt acht bis zehn Leute bei uns schlafen. Ein Grossteil der Spieler aus dem Ausland wird jedoch in der I45 in einem Massenschlag übernachten.»

Unter den Teilnehmern ist auch sein älterer Bruder Mark. Dieser hat Thomas erst zum Smash-Gaming gebracht. «Begonnen hat alles, als ich sechs Jahre alt war. Bein Bruder kam mit der Nintendo GameCube nach Hause.»

Der Trailer zum Turnier:

Eines der Spiele war «Smash Bros.» Dieses avancierte umgehend zum Lieblingsspiel der beiden. «Irgendwann hat Mark begonnen, das Spiel öfter zu spielen. Er schaute dann im Internet nach, ob nicht noch andere dieses Spiel intensiver zocken.» Er kam auf den Game-Place, besuchte die ersten Turniere und nahm Thomas mit. «Seit einem Jahr spiele auch ich das Spiel intensiver», erzählt der 18-Jährige.

Schule kollidiert mit Training

So intensiv, dass er von Arctic Gaming unter Vertrag genommen wurde, einer der grössten Schweizer eSports-Organisationen. Doch das Training nimmt viel Zeit in Anspruch.

«Jetzt während den Ferien sind es zwei bis vier Stunden täglich. Während der Schulzeit mit den vielen Prüfungen kann es schwierig werden. Dann muss ich auch mal zwei, drei Tage darauf verzichten.» Im Schnitt sei es unter der Woche etwa eine Stunde pro Tag. Hinzu kommen die Turniere am Wochenende.

Moses und Scheren-Stein-Papier

Doch zurück zu seinem Turnier. Walker hat sein Kind «Exodus» getauft. Die Erklärung folt auf den Fuss: «Das grösste Fighting-Game-Turnier in den USA heisst ‹Evolution›, das grösste Smash-Turnier ‹Genesis›. Ich wollte das Ganze weiterziehen: Genesis – das erste Buch Mose und Exodus das zweite.»

«Selbst zu spielen, gefällt mir immer noch viel mehr.»

Thomas Walker

Das Turnier beginnt offiziell am Samstagmorgen und endet am frühen Sonntagmorgen, nachdem am Freitag vor allem die Anreise auf der Agenda steht. Daneben gibt es verschiedene Nebenevents wie ein Scheren-Stein-Papier-Turnier. Gekocht wird in der I45-Küche selbst. Wie es sich längst gehört, wird das Turnier auch auf der Plattform Twitch gestreamt – inklusive Live-Kommentar.

Es locken 250 Franken für den Sieger

Obwohl dies alles nach grosser Kelle klingt, spekuliert Thomas Walker nicht darauf, einen Gewinn zu erzielen. «Ich erwarte ein Plus von rund 100 Franken. Davon würde ich einen Teil an die I45 abgeben und etwa 30 Franken behalten.» Mit Turnieren in diesem Rahmen könne man eigentlich gar keinen Gewinn erwirtschaften, da der Aufwand zu gross sei.

Thomas Walker im Game-Place in Luzern.

Thomas Walker im Game-Place in Luzern.

(Bild: sib)

Auch für die Spieler steht kaum der monetäre Anreiz im Vordergrund. Das gesamte Preisgeld betrage zwischen 800 und 1000 Franken. Die Sieger im Single und im Doppel bekommen voraussichtlich je 250 Franken. Bezüglich Finanzstruktur und Gestaltung des Zeitplans habe er sich Rat von Turnierorganisatoren in ganz Europa geholt.

Nach der Matura Studium – oder RS

Obwohl Thomas Walker von einem guten Gelingen des Turniers überzeugt ist, sieht er sich in Zukunft nicht als regelmässiger Organisator. «Vielmehr möchte ich dies neben meinem Spielersein tun. Selbst zu spielen, gefällt mir immer noch viel mehr.» Er überlege es sich jedoch, das Turnier künftig einmal jährlich durchzuführen.

In näherer Zukunft stehen im Sommer die Maturaprüfungen an. Für danach hat Walker bereits genaue Vorstellungen. «Ich möchte in Zürich Biologie studieren.» Der Zeitpunkt sei jedoch noch offen – je nachdem, was bei der Aushebung herauskommt.

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1 Kommentare
  1. Kurt Heller, 20.10.2018, 17:10 Uhr

    …. und wie wärs mit etwas Kultur?

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