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Wie ein Luzerner Filmemacher Junge fürs SRF gewinnen will
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Am Set vom Dreh der zweiten Staffel der Serie «Nr. 47». (Bild: SRF/Naomi Salome)

Webserie «Nr. 47» geht in die zweite Runde Wie ein Luzerner Filmemacher Junge fürs SRF gewinnen will

4 min Lesezeit 16.11.2018, 12:19 Uhr

Bereits ist die zweite Staffel der Schweizer Webserie «Nr. 47» im Kasten. Der Luzerner Drehbuchautor und Produzent Adrian Spring ist noch immer überzeugt vom Konzept seines Projekts: einer SRF-Serie von Jungen für Junge. Für sein Schaffen wurde er erst kürzlich mit einem Preis ausgezeichnet.

Mitten in einem Wohnblock in Bern spielt die Webserie «Nr. 47». Dicht nebeneinander leben hier junge Menschen, deren Geschichten sich miteinander verknüpfen. Das Haus mit der Nummer 47 steht dabei exemplarisch für die junge Generation, respektive seine Bewohner mit all ihren Sorgen, Ängsten, Wünschen und der Suche nach der eigenen Identität. 

Der Luzerner Adrian Spring ist Produzent und Drehbuchautor der Serie und wird dabei von rund 30 weiteren Personen unterstützt. Das Besondere an diesem Filmprojekt: Alle Jobs und Schauspielrollen werden von Nachwuchstalenten aus der Schweizer Filmszene übernommen. Das Drehbuch, die Regie, der Schnitt und das Schauspielern, alles ist komplett von Studenten, Studienabgängern oder Quereinsteigern gemacht. Sogar bei der Filmmusik wird auf Eigen- oder Schweizer Produktion gesetzt.

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«Die jungen Schauspieler kommen ohne Starallüren und mit viel Spiellust ans Set.» 

Adrian Spring, Luzerner Drehbuchautor

Adrian Spring scheint zufrieden mit dem Resultat der Serie, die ab diesem Freitag läuft. Gedreht wurde vor allem in Bern und Zürich. Wer bereits die erste Staffel gesehen hat, wird in der zweiten Staffel klare Änderungen bemerken: «Inhaltlich wird es einen ziemlichen Wandel geben, aber rein vom Gefühl und der Machart wird es gleich bleiben», so Spring.

Er blickt auf intensive Drehtage zurück: «Besonders die erste Drehwoche war sehr intensiv, weil sie komplett draussen gedreht wurde.» Allgemein wird es in der zweiten Staffel mehr Aufnahmen in Clubs oder draussen geben. Dies bedeutete für den Dreh vor allem eines: Mehr Aufwand unter anderem aufgrund mehr verwendeter Statisten. 

Doch Spring ist positiv überrascht von den Leistungen aller Involvierten, besonders denen der Schauspieler: «Ich habe extrem positive Erfahrungen mit den jungen Schauspielern gemacht», meint er und führt weiter aus: «Die kommen ohne Starallüren und mit viel Spiellust ans Set und haben extrem Spass daran, ihre Figuren zu verkörpern.»

Die beiden Schauspieler stehen in der ersten und zweiten Staffel der Serie «Nr. 47» im Zentrum: Gabriel Noah Maurer als Dominic und Elsa Langnäse als Eveline. (Bild: SRF/Naomi Salome)

Die beiden Schauspieler stehen in der ersten und zweiten Staffel der Serie «Nr. 47» im Zentrum: Gabriel Noah Maurer als Dominic und Elsa Langnäse als Eveline. (Bild: SRF/Naomi Salome)

Raum für Inputs und Änderungen bleibt

Besonders bei denjenigen Schauspielern, bei denen vor dem Drehstart keinerlei oder nur sehr wenig Schauspielerfahrung vorhanden gewesen sei, seien die Leute hinter der Kamera verblüfft: «Wir können teilweise nur staunen, wie einfach es ihnen fällt», sagt Spring, der selbst erst knapp über 30-jährig ist. Auch er war zu Beginn eher unerfahren und versucht deshalb auch immer, Raum für Kritik an seinem Drehbuch einzuräumen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass nach Kritik der Schauspieler an einem Dialog die Szene nochmals überdacht wird. «Der grosse Bogen der Geschichte ist zwar gesetzt, aber wenn man es auf die Szenen herunterbricht, gibt es Momente, in denen man über Kleinigkeiten diskutiert und gegebenenfalls den Fokus anders legt oder den Dialog anpasst.» 

«Wir müssen extrem effizient arbeiten und die Szenen müssen in kurzer Zeit sitzen.»

Adrian Spring

Am Drehset mit dem Autor Adrian Spring in der Mitte. (Bild: SRF/Naomi Salome)

Am Drehset mit dem Autor Adrian Spring in der Mitte. (Bild: SRF/Naomi Salome)

Dabei sorgt besonders das knappe Budget der Produktion für eine gewisse Dynamik. Denn mit nur 300’000 Franken steht ihnen rund ein Viertel des Budgets von anderen SRF-Serien zur Verfügung. Auf teure Studiodrehs oder viel künstliche Beleuchtung wird deswegen verzichtet. «Wir müssen extrem effizient arbeiten und die Szenen müssen in kurzer Zeit sitzen. Mit so wenig Einstellungen wie möglich und einer sehr klein gehaltenen Crew kann zusätzlich viel eingespart werden», so Spring. Wo an anderen Sets acht grosse Trucks mit Filmequipment stehen, seien beim Dreh von «Nr. 47» nur zwei bis drei kleine Busse.  

Eine Serie von und für Junge

Besonders Wert legt Adrian Spring auf Authentizität. Die Serie soll nicht nur von jungen Personen gedreht und produziert werden, sondern vor allem auch von Jungen konsumiert werden: «Ziel ist es, unter 35-Jährige zu erreichen, und zwar da, wo sie Dinge konsumieren. Und das ist nun mal nicht im Fernsehen, sondern auf dem Web», sagt Spring, der auf die Gewohnheiten der Jungen reagieren will. Die Serie sei deshalb als Webserie angedacht gewesen: «Die jungen Leute suchen ihre Unterhaltung zum Beispiel auf Youtube, genau da, wo wir unsere Serie anbieten. Andere Kanäle sind da zweitrangig.» Trotzdem wird die Serie auch bei SRF ausgestrahlt, welches sie im Rahmen «junge Zielgruppen» produziert, um vermehrt wieder junge Zuschauer zu gewinnen. 

«Wir produzieren und erzählen nicht an der Zielgruppe vorbei.»

Adrian Spring

Das Zielpublikum liegt zwischen 18- und 25-Jährigen, die also sowohl durch das Format als auch durch den Inhalt der Serie angesprochen werden sollen. Hierzu spricht er sich immer wieder mit den Schauspielern ab, die selbst um die 20-jährig sind und sich oft tatsächlich in der Situation befinden, die sie gerade spielen. Sätze wie: «Hey, das ist genau so, wie ich es jetzt gerade erlebt habe», habe er deshalb bereits öfter von den Schauspielern gehört. Und genau darum gehe es Spring: «Wir produzieren und erzählen nicht an der Zielgruppe vorbei.» 

Springs Konzept scheint aufzugehen, die erste Staffel wurde mit dem Zürcher Fernsehpreis 2018 ausgezeichnet. Was mit den 25’000 Franken Preisgeld passieren wird, ist zwar noch ungewiss, ein Fest mit «grosser Anstossete» werde es jedoch auf jeden Fall geben. 

Die zweite Staffel ist seit diesem Freitag auf YouTube zu sehen, der Trailer zur Staffel findet sich unten:

 

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