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Wie drei FDP-Politiker aus einer Schnapsidee eine Bar erschufen
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Claudia Benninger, Dany Gygli und Roland Bigler wollen mit der «Eichelounge» etwas für die Bevölkerung tun. (Bild: wia)

In Hünenberg eröffnet bald die «Eichelounge» Wie drei FDP-Politiker aus einer Schnapsidee eine Bar erschufen

4 min Lesezeit 1 Kommentar 19.05.2020, 18:08 Uhr

Mehr Leben im Dorfkern: Unter diesem Motto soll in Hünenberg demnächst eine neue Bar eröffnet werden. Dass dort nicht nur Wein getrunken, sondern auch rege politisiert werden darf, liegt in der Natur der Sache. Zwei der drei Geschäftsführer sitzen nämlich selber im Gemeinderat.

Ein neuer gastronomischer Betrieb soll in Hünenberg entstehen. So weit, so normal. Schaut man jedoch auf der brandneuen Webseite der «Eichelounge», wer hinter dem Projekt steckt, wird’s interessant.

Denn unter den drei Zugern, welche das Projekt ins Leben gerufen haben, sind auch zwei Hünenberger FDP-Gemeinderäte vertreten.

Wir treffen die beiden Exekutivmitglieder Claudia Benninger und Dany Gygli sowie Roland Bigler in ihrer neuen Beiz mitten im Dorf. Noch wird hier kein Wein und kein Gin gereicht, die Sofalounge jedoch lädt bereits zum Verweilen. Oder in unserem Fall zum Interview.

Geburtsort der Idee: die Baarer «Neumühle»

Bigler erklärt: «Dass wir als drei FDP-Mitglieder diese Bar gründen, ist eigentlich reiner Zufall. Obwohl uns die Idee dazu tatsächlich nach einem Parteianlass in Baar gekommen ist.»

Gygli ergänzt: «Wir sassen in der Neumühle, haben uns dort ein Glas genehmigt und darüber sinniert, dass es doch schön wäre, ein ähnliches Lokal auch in Hünenberg zu haben.» Dies, weil es im Dorfzentrum zurzeit mit dem Restaurant Degen nur gerade ein Gastrolokal gebe.

Theres Suter, die frühere Pächterin des Restaurants Eiche, hatte nach der Fasnacht 2020 mit dem Wirten aufgehört. Dies, nachdem sie die Dorfbeiz während zwei Jahren geführt hatte (zentralplus berichtete).

Gygli sagt: «Claudia Benninger sagte im Februar in der «Neumühle» als Witz, dass man ja die Eiche übernehmen könnte.»

So sieht das Lokal von aussen aus. (Bild: woz)

Der Witz, der alsbald im Pachtvertrag endete

Und aus meiner ursprünglichen Schnapsidee sei dann sehr bald ernst geworden. Denn schon am nächsten Tag hätten die drei Freisinnigen Kontakt aufgenommen mit der Brauerei Baar, der die Immobilie gehört.

Gygli sagt dazu: «Die Brauerei hatte sich zu dem Zeitpunkt überlegt, das Lokal gar nicht mehr als Restaurant zu führen.»

«Wir sind zwar keine Profis, doch wir wissen, was wir als Gäste gerne hätten.»

Dany Gygli

Das Konzept der «Eichelounge» unterscheidet sich denn auch ziemlich von der bisherigen Dorfbeiz. Das Interieur ist modern, an den Wänden hängen zu Regalen umfunktionierte Weinkisten. Diese weisen gleich auf den Fokus des neuen Lokals hin.

«Wir alle sind Weinliebhaber und geniessen gern eine Flasche Wein und ein Plättli mit Freunden. Deshalb werden wir primär auf Getränke wie Wein, Gin und Bier setzen und dazu Häppchen reichen», sagt Gygli. Kalte Plättli und Flammkuchen soll’s geben, das Fleisch beziehe man vom lokalen Metzger.

Auch rare Tropfen stehen im Angebot

«Wir können uns jedoch auch vorstellen, Eventtage oder -wochen durchzuführen, bei denen wir beispielsweise Moules et Frites anbieten. Die Infrastruktur zum Kochen wäre vorhanden», sagt Claudia Benninger.

Über einen gastronomischen Hintergrund verfügt einzig der Gemeinderat. Gygli führte während neun Jahren eine Bar in Sedrun. «Wir sind zwar keine Profis», sagt er, «doch wir wissen, was wir als Gäste gerne hätten.»

So stehen denn mitunter auch unbekanntere Weinsorten im Angebot, zehn davon wollen die Betreiber im Offenausschank anbieten. «So kann man auch mal etwas Unbekanntes probieren, ohne gleich eine ganze Flasche bestellen zu müssen», sagt Bigler.

Auf keinen Fall will man elitär sein

Erlesener Wein: Das klingt, als wolle man ein etwas älteres, gehobenes Publikum anstreben. «Wir wollen auf keinen Fall elitär sein», entgegnet Benninger. «Wir wollen etwas fürs ganze Dorf machen. Ein Ort, an dem man sich begegnen kann.» Und dies natürlich über die Parteigrenzen hinaus, wie Bigler betont. «Natürlich, wir hoffen, dass hier in einer entspannten Atmosphäre angeregte Diskussionen stattfinden werden. Ausserdem hoffen wir, dass auch die Vereine bei uns zu Gast sein werden», so Bigler.

«Wir nehmen an, dass die Gäste anfangs nicht allzu zahlreich erscheinen werden.»

Claudia Benninger

Es sei durchwegs erwünscht, dass sich hier Menschen verschiedener Altersgruppen antreffen. Das Interesse der potenziellen Kundschaft ist jedenfalls schon ersichtlich.

Denn mitten im Interview platzt ein älterer Herr ins noch geschlossene Lokal. Er blickt sich um, sagt: «Das isch de verreckt», schwatzt kurz mit den Neo-Gastronomen und zieht dann zufrieden nickend von dannen.

Gygli sagt: «Es ist schön. Praktisch immer, wenn wir anwesend sind, kommen Menschen vorbei, um hereinzuschauen. Viele sind neugierig.»

Anfang Juni wird voraussichtlich eröffnet

Apropos neugierig. Wissen die Barbetreiber schon, wann es losgeht? «Eigentlich wäre geplant gewesen, dass wir am 1. Mai eröffnen. Corona hat uns zwar einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ehrlich gesagt wäre das jedoch ein ziemlich sportliches Eröffnungsdatum gewesen», sagt Dany Gygli.

Vermutlich werde die «Eichelounge» Anfang Juni eröffnet, dies vorläufig mit einem reduzierten Betrieb an den Wochenenden. «Wir nehmen an, dass die Gäste anfangs nicht allzu zahlreich erscheinen werden», sagt Benninger dazu.

Und falls doch? Bleibt denn neben der Beiz für die beiden Gemeinderäte genügend Zeit, um Hünenberg zu regieren? «Klar, das kommt sich nicht in die Quere», sagt Gygli.

Benninger ergänzt: «Zu Beginn war es zwar viel Aufwand mit den ganzen Vorbereitungen, ab Eröffnung werden wir jedoch Personal haben. Wir werden also eher als Gäste denn als Mitarbeiter hier anzutreffen sein.»

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1 Kommentare
  1. mebinger, 21.05.2020, 16:47 Uhr

    Bravo für dieses Engagement

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