Wie die Luzerner Gastroszene die Krise als Chance nutzen will
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Schauen wie viele ihrer Branchenkollegen mittlerweile nach vorne: Pascal Wirz (links) und Andreas Hohl vom «Mill'Feuille» am Mühlenplatz. (Bild: bic)

Neues Angebot soll die Pandemie überdauern Wie die Luzerner Gastroszene die Krise als Chance nutzen will

3 min Lesezeit 1 Kommentar 26.11.2020, 19:00 Uhr

In Teilen der Luzerner Gastroszene scheint die Zeit des Haderns vorbei zu sein. Die Beizer gehen in die Offensive, um ihre Branche zu retten. Ein neu lanciertes Gemeinschaftsprojekt soll die Leute trotz wegfallender Weihnachtsessen in die Luzerner Restaurants locken.

«Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.» Selten hat dieses Zitat des Schweizer Schriftstellers Max Frisch wohl so gut gepasst wie in der aktuellen Zeit.

Eine Krise kann also auch eine Chance sein – und viele Unternehmerinnen scheinen sie nutzen zu wollen. Das zu Beginn der Pandemie vielerorts zu vernehmende Klagen scheint langsam in Innovationskraft und Tatendrang umzuschlagen.

Ein Gutschein für rund 30 Beizen

Insbesondere in der Luzerner Gastrolandschaft arbeitet man derzeit an Lösungen, um einerseits die Krise durchzustehen und andererseits Projekte zu lancieren, die auch für die Zeit nach der Krise Bestand haben sollen. Sie brächten somit einen langfristigen Nutzen für die ganze Branche.

«Rund hundert Gutscheine haben wir an eine einzelne Firma verkauft.»

Simone Müller-Staubli von der Schatz AG

Ein solches Projekt ist der so genannte «Genusschein», der online gekauft und in rund 30 Restaurants in und um die Stadt Luzern eingelöst werden kann. Koordiniert wird das Ganze von der Gastroagentur Schatz AG mit Sitz Unter der Egg, Luzern.

«Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Verschiedene Luzerner Gastronomen haben den Entschluss gefasst, dass man jetzt etwas unternehmen muss», sagt Simone Müller-Staubli, Geschäftsleitungsmitglied der Schatz AG. «Schnell war man sich einig, dass man einen gemeinsamen Gutschein lancieren möchte. Für den Gast bietet das den Vorteil, dass er ihn an verschiedenen Orten einlösen kann.»

Bislang mehrere 10’000 Franken für die Gastrobranche

Insbesondere für Firmen, die heuer auf das Weihnachtsessen verzichten müssen, biete der Gutschein eine Alternative. Sie könnten ihn den Mitarbeiterinnen schenken, damit sie mit ihrer Familie oder dem Partner ein Lokal ihrer Wahl besuchen könnten. «Corona kann in dieser Hinsicht als eine Art Innovationsschub betrachtet werden.»

Das Angebot scheint anzukommen. «Rund hundert Gutscheine haben wir an eine einzelne Firma verkauft», sagt die 37-Jährige stolz. Der durchschnittliche Wert der Gutscheine liege bei etwa 75 Franken. Zwischen 40’000 und 50’000 Franken seien so bislang in die Luzerner Gastroszene geflossen.

Die Luzerner Gastronomin Simone Müller-Staubli.

«Das Ziel ist, dass wir das Projekt auch nach Corona weiterführen können. Corona kann in dieser Hinsicht als eine Art Innovationsschub betrachtet werden, denn vorher gab es in unserer Region nichts in dieser Art», sagt Müller-Staubli, die in den Verwaltungsräten verschiedener Luzerner Gastbetriebe sitzt.

Sie geht davon aus, dass das Angebot von den Kunden auch langfristig geschätzt wird. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht.

Strategie: Kosten tief halten und ausharren

Damit das Projekt funktioniert, ist eine gewisse Solidarität unter den Gastronomen mitentscheidend. «In Luzern haben wir es recht gut untereinander», sagt Müller-Staubli dazu.

Dass man sich in einer gewissen Konkurrenzsituation befinde, sei natürlich nicht von der Hand zu weisen. «Unabhängig von Corona haben wir ein freundschaftliches Verhältnis in unserer Szene. Es ist aber klar, dass man noch etwas näher zusammenrückt, wenn es allen nicht so gut geht.»

Es ist grundsätzlich schwierig, innert kurzer Zeit Innovationen voranzutreiben. «Die Krise hat uns alle mehr oder weniger unvorbereitet getroffen», so Müller-Staubli. «Die Strategie nehme ich derzeit als ein Ausharren wahr. Die Betriebe versuchen zu überleben und warten, bis es vorbei ist. Zentral ist dabei, dass man es schafft, die Kosten möglichst tief zu halten», sagt die Gastronomin. Dabei würden zum Beispiel Kurzarbeit und Vereinbarungen mit den Vermieterinnen helfen.

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1 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 11.12.2020, 13:16 Uhr

    Interessantes Projekt, danke für die Info. Fehlt da nicht ein Link zum Genussschein? So als Online-Medium …

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