Wie der neue Chef der Zuger Kantonalbank seinen Lohn verdoppelt
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Hanspeter Rhyner wird im Frühling 2021 neuer CEO bei der Zuger Kantonalbank. (Bild: Zuger Kantonalbank)

Aus 500'000 werden über 900'000 Franken Wie der neue Chef der Zuger Kantonalbank seinen Lohn verdoppelt

5 min Lesezeit 6 Kommentare 12.10.2020, 05:01 Uhr

Die hohen Löhne der Kantonalbank-Chefs sind mancherorts ein Politikum. Nicht so im Kanton Zug. Obwohl Hanspeter Rhyner, der von der Glarner zur Zuger Kantonalbank wechselt, mit seinem neuen Job einen riesigen Karrieresprung hinlegt. Vorab in monetärer Hinsicht.

Als die Zuger Kantonalbank vor kurzem die Nachfolge ihres  Geschäftsleitungsvorsitzenden bekannt gab, folgten einige lange Gesichter. Auf Pascal Niquille, der im Mai 2021 in Pension geht, folgt Hanspeter Rhyner (zentralplus berichtete).

Der 52-Jährige leitete mit der Glarner Kantonalbank bisher ein Institut, das nach Bilanzsumme und Gewinn halb so gross ist wie die Zuger KB. Seit den 1990er-Jahren war der Mann aus Mollis für die GLKB in verschiedenen Funktionen tätig gewesen und immer wieder zu ihr zurückgekehrt. Die Zeitung «Finanz und Wirtschaft» kommentierte seinen Wechsel nach Zug in ihrer Onlineausgabe denn auch als überraschend.

Zum Berater degradiert

Auch der Verwaltungsrat der Glarner Kantonalbank schien ein wenig überrumpelt. Nachdem es anfangs so aussah, als ob Rhyner das Geldinstitut bis zu seinem Wechsel im kommenden Frühjahr weiterhin leiten würde, entschied man sich nach einigen Tagen, den CEO doch per sofort abzulösen.

Rhyners Stellvertreter Sven Wiederkehr übernahm – der alte Chef ist für die kommenden Monate nur noch Berater. Dies im Unterschied zum Finanzchef der GLKB, der ebenfalls auf nächsten April gekündigt hat, aber bis dahin im Amt bleibt.

Ein Jahr nach neuem Chef gesucht

Für Rhyner dürfte sich der neue Job auszahlen. Gemäss dem Geschäftsbericht 2019 der GLKB verdiente Rhyner vergangenes Jahr 545’000 Franken, im Jahr davor 522’000 Franken. Der CEO der Zuger KB indes, Pascal Niquille, kassierte gemäss Geschäftsbericht im Jahr 2019 total 950’000 Franken – also fast doppelt so viel.

Die Zuger KB nimmt für sich in Anspruch, die Cheffrage sorgfältig und lange abgeklärt zu haben. Sprecherin Carmen Wyss sagt auf Anfrage, man habe die Nachfolgeplanung bereits vor zwölf Monaten begonnen. Der Bankrat habe sich auch von einer sogenannten «Executive Search» begleiten lassen. «Der Prozess wurde also von Anfang professionell geführt, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.»

Rhyner ist erfolgreich

Dass man dabei auf Hanspeter Rhyner gestossen ist, erklärt sich bei näherem Hinschauen. Rhyner hat die Glarner Kantonalbank nämlich auf Vordermann gebracht. 2008 noch musste sie vom Kanton Glarus mit zinslosen Darlehen rekapitalisiert werden, weil die Verantwortlichen zu risikoreich geschäftet hatten.

Rhyner war damals bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), kam dann als Leiter des Firmenkundengeschäfts und übernahm 2013 die Geschäftsleitung in Glarus. Er gilt als Digitalisierer. Rhyner hat die GLKB laut «Finanz und Wirtschaft» zu einem «Powerhouse» gemacht. Die Gesamtrendite ist höher als bei andern Kantonalbanken. In diesem Sinn ist sein Karriere- und Lohnsprung auch die Frucht guter Arbeit.

Im Aargau unmöglich

Dennoch könnte Rhyner etwa bei der Aargauer Kantonalbank nicht so viel verdienen. Dort hat das Parlament den Lohn des Kantonalbankchefs auf Vorschlag der SVP auf 600’000 Franken gedeckelt. Das entspricht dem zweifachen Gehalt eines Regierungsrats. Mit den Sozialbeiträgen verdient Dieter Widmer, Chef der Aargauer KB, derzeit 750’000 Franken.

Im Kanton Zürich versuchte die SP den Lohn von Chefs öffentlicher Betriebe bei einer Million Franken zu begrenzen. Das hätte auch dem CEO der Zürcher KB Martin Scholl grosse Einbussen beschert: Er verdient 2,3 Millionen jährlich. Allerdings erlitt das Anliegen vergangenen Winter im Zürcher Kantonsrat Schiffbruch.

Kredite fürs Gewerbe

Die Initiativen erklären sich aus der Geschichte der Kantonalbanken: Diese wurden im 19. Jahrhundert als Staatsbanken gegründet, um das eigene Gemeinwesen mit billigem Geld zu versorgen – und jenem Teil des Gewerbes Darlehen zu ermöglichen, der von den Geschäftsbanken gemieden wurde.

Wenn die Chefs von staatlichen Einrichtungen mehr verdienen als die Regierenden selber, dann erscheint dies vielen Leuten immer noch als problematisch. Und in Zürich und dem Aargau sind die Kantonalbanken Staatsbetriebe – oder genauer: öffentlich-rechtliche Anstalten.

Aktiengesellschaft mit Staatsgarantie

In Zug oder Glarus indes sind die Kantonalbanken nur noch halbwegs staatlich. Sie sind spezialgesetzliche Aktiengesellschaften, die mehrheitlich zwar immer noch dem Kanton gehören, aber grösstenteils so funktionieren wie private Aktiengesellschaften. Grosse Ausnahme: Sie können nicht Konkurs gehen. Der Staat garantiert für ihre Geschäfte.

«Die Vergütung des CEO basiert auf der marktüblichen Entlohnungsstruktur von vergleichbaren Positionen in Banken mit ähnlicher Geschäftstätigkeit.»

Carmen Wyss, Zuger KB

Die ethische Frage der Entlöhnung bleibt natürlich trotzdem. Bei der Zuger Kantonalbank setzt man daher bei der höchsten Hierarchieebene auf Transparenz. Im Geschäftsbericht findet sich eine ganze Abhandlung zur Höhe und Berechnung.

Vergleiche werden angestellt

Carmen Wyss fasst den Massstab zusammen: «Die Vergütung des CEO und der Geschäftsleitungsmitglieder basiert auf der marktüblichen Entlohnungsstruktur von vergleichbaren Positionen in Banken mit ähnlicher Geschäftstätigkeit – also Kantonal- und Regionalbanken.»

Wer für den Vergleich herangezogen wird, werde anhand von Kriterien wie Börsenkotierung und festgelegten Leistungsindikatoren entschieden. Ausserdem ziehe die Zuger KB für die Prüfung der Gehaltsstrukturen periodisch externe Spezialisten bei. Der maximale Gesamtbetrag der festen und der variablen Vergütung wird ausserdem der Generalversammlung jährlich zur Genehmigung vorgelegt. Will heissen: Die Aktionäre entscheiden abschliessend darüber, nicht die Manager selber.

Grösse der Bank ist wichtig

Sieht man sich die Entlöhnung bei verschiedenen Banken an, wird deutlich, dass die Chefsaläre wesentlich von der Grösse des Geldinstituts abhängen. Wobei die Unterschiede nicht linear sind. So hat etwa die Zürcher KB eine mehr als zehnmal grössere Bilanzsumme als die Zuger KB (167 Milliarden gegenüber 15,3 Milliarden Franken). Dennoch verdient ihr Chef nicht zehnmal mehr, sondern nur zweieinhalbmal mehr.

Besser erklärbar ist der Unterschied zwischen Zürcher KB und der UBS: Die grösste Schweizer Bank wies 2019 eine Bilanzsumme von 917 Milliarden Franken aus – also gut sechsmal mehr als die Zürcher KB. Der UBS-Chef Sergio Ermotti verdiente 12,5 Millionen Franken (2018: 14,1 Millionen Franken) – also sechs- bis siebenmal mehr als der CEO der ZKB.

Niemand schlägt die Genfer

Eine Recherche des Onlinemediums «finews.ch» zeigt, dass die Zuger KB ihren Chef zwar vergleichsweise gut entlöhnt, dass unter den Schweizer Kantonalbanken aber die Romands ihre CEOs und Verwaltungsratspräsidenten im Verhältnis am grosszügigsten bezahlen. Am besten fährt wohl der Chef der Genfer Kantonalbank, der knapp zwei Millionen verdient, obwohl die Bilanzsumme seiner Bank «nur» bei 24,7 Milliarden Franken liegt.

«finews.ch» erklärt dies damit, dass etwa die Waadtländer und die Genfer Kantonalbank keine Staatsgarantie mehr haben und in der Lohngestaltung freier sind. Ausserdem betreibe die Genfer Kantonalbank eine relativ grosse Private-Banking-Abteilung, in der traditionell besser entlöhnt wird als im Retail Banking.

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6 Kommentare
  1. Guellemaetteli, 15.10.2020, 17:00 Uhr

    Rhyner – „Er gilt als Digitalisierer.“
    Das wird Ihm bei der ZGKB nichts nützen. Hat doch die Bankleitung um 2000 die Sackgasse eingeführt und „Software Aus Pakistan“ eingeführt welche seit dem für „Schrecken, Angst und Panik“ in der Bank sorgt.

  2. Hans Peter Roth, 13.10.2020, 15:46 Uhr

    Nehme ich die 1:12-Initiative der Juso als Ansatz, so müsste die Putzfrau bei der ZKB jährlich mindestens 75000 Franken verdienen. Nicht schlecht! Damit kann sie und ihre Kinder knapp überleben. Also dürfen wir nicht murren wegen der 900000-Franken-Beute von Herrn Rhyner. Oder stimmt etwa meine Rechnung nicht?

  3. igarulo, 13.10.2020, 01:39 Uhr

    Schlimmer als eine Bank ausrauben, ist eine Bank gründen oder führen!

  4. Alois, 12.10.2020, 11:05 Uhr

    Auch dierer Betrag ist noch zu hoch. Verantwortung ja, aber wenn was passiert, sind diese Manager weg oder haben noch ne andere Art, sich aus der Verantwortung zu schleichen.
    Siehe Postauto, SBB-Meyer oder die VBL. Ist jedoch nicht die selbe Sparte, aber ausreden und verschleiern ist überall angesagt. Ansonsten wird es verjährt….

  5. Rudolf, 12.10.2020, 09:56 Uhr

    Immer wieder steht da „verdient“! Korrekt ist doch in diesen Fällen „bekommt“.

  6. Alexandra Sidler, 12.10.2020, 08:42 Uhr

    Solche Löhne sind schlicht krank. Kein Mensch „verdient“ soviel Geld. Und die Gesellschaft versagt, wenn sie solche exorbitanten Löhne nicht massiv besteuert.

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