Wie der FCL den Fussball-Gott beschwört
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Marius Müller will mit dem FCL in den verbleibenden 13 Saisonspielen den Spitzenplatz als bestes Team der Rückrunde 2020 verteidigen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Marius Müller und Fabio Celestini zum Re-Start Wie der FCL den Fussball-Gott beschwört

4 min Lesezeit 19.06.2020, 16:56 Uhr

Der FC Luzern war die beste Mannschaft der Rückrunde vor dem Ausbruch der Corona-Krise. Und diesen Nimbus will er auch bis zum Ende der Saison, die für ihn am Sonntag weitergeht, verteidigen. Wie das gelingen soll? Mit einem klaren Plan und etwas göttlichem Wohlwollen.

Vielleicht ist alles nur dem Zufall geschuldet. Vielleicht steckt aber auch Aberglaube dahinter. Der Fussball-Gott hat sich dem FCL schon einmal gnädig gezeigt. Warum sollte es also nicht wieder funktionieren?

Als die Luzerner am 24. Januar, einen Tag vor dem ersten Rückenrundenspiel gegen den FC Zürich, ihren offiziellen Pressetermin in der Swissporarena abhielten, stellten sich Goalie Marius Müller und der neuverpflichtete FCL-Trainer Fabio Celestini den Fragen der Medienschaffenden.

Müller liess damals seiner Begeisterung über die Vorbereitung unter Celestini freien Lauf und prägte Sätze wie «Ab sofort wollen wir das Spiel kontrollieren» (zentralplus berichtete). In Anbetracht dessen, dass der FC Luzern vor Beginn der zweiten Saisonhälfte abstiegsbedroht war, trat der 26-jährige Deutsche selbstbewusst auf. Das taxierten die Anhänger des zuvor entlassenen Übungsleiters Thomas Häberli als grossmundig.

Schon einmal Glück gebracht

Aber sie sollten sich gewaltig irren. Der FCL schlug bei Celestinis Premiere den FC Zürich auswärts 3:2, danach Meister YB zu Hause 2:0. Es folgte der 1:0-Sieg beim direkten Abstiegskandidaten in Neuenburg, dann der 1:0-Sieg vor eigenem Anhang gegen den FC St. Gallen und das 1:1 in Thun. Dann kam Corona. Nur das Virus schien den FCL, der mit seiner Serie der Ungeschlagenheit eine Distanz von 12 Punkten zum Tabellenende in der Super League legte, stoppen zu können.

Nun, 17 Wochen später und vor dem ersten Ernstkampf bei der Wiederaufnahme der Meisterschaft gegen den FC Basel (Sonntag, 16 Uhr), stehen wieder Marius Müller und Fabio Celestini Red und Antwort. Schliesslich hat es schon einmal Glück gebracht.

«Wir wollen unseren Platz als bestes Team der Rückrunde 2020 verteidigen.»

FCL-Goalie Marius Müller

War in der zweiten «Saisonvorbereitung» unter Celestini innerhalb von sechs Monaten etwas anders als zuvor? Diese sei noch intensiver gewesen, weil sie mehr Zeit gehabt hätten als in der Winterpause, bemerkt Müller. Und der Publikumsliebling ergänzt: «Wir haben uns defensiv wie offensiv noch eingehender mit unserer Spielanlage beschäftigen können. Wir wollen unser Angriffsspiel künftig etwas anders aufziehen.» Möglicherweise variantenreicher.

Vielleicht wird Müllers Ankündigung diesmal weniger Zweifler auf den Plan rufen – trotz unbefriedigenden Auftritten in den Testspielen (zentralplus berichtete).

Mit Corona-Krise gehadert? Nicht Celestini

Den Anspruch der Luzerner für das letzte Meisterschaftsdrittel mit 13 Spielen in sechs Wochen formuliert Müller so: «Wir wollen unseren Platz als bestes Team der Rückrunde 2020 verteidigen.»

«Ich beschäftige mich ausschliesslich mit Dingen im Leben, die ich verändern kann und muss.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Trainer Fabio Celestini mag gegen diese Zielsetzung kaum etwas einzuwenden haben. Der 44-Jährige hat nach eigenem Bekunden nie damit gehadert, dass sein Lauf mit dem FCL nach fünf Spielen durch Corona unterbrochen wurde. Auf eine entsprechende Frage von zentralplus sagt er: «Ich beschäftige mich ausschliesslich mit Dingen im Leben, die ich verändern kann und muss. Alles andere ist so, wie es ist.»

Klare Erkenntnisse darüber, wie Geisterspiele den internationalen und nationalen Fussball verändern können, will er noch keine gewonnen haben. Dafür müsste er im Stadion zugegen und nicht bloss ein TV-Konsument sein, um das beurteilen zu können, sagt Celestini.

So soll nächste FCL-Geschichte geschrieben werden

Aber er ist gespannt darauf, wie seine Spieler auf Matches ohne gewohnte Kulisse reagieren werden. «Ein Spieler kann am Donnerstag in unserem Training gross auftreten, wenn niemand zuschaut. Am Wochenende vor Tausenden von Zuschauern ist er hingegen unsichtbar. Bei anderen Spielern verhält es völlig umgekehrt, sie lassen sich von den Emotionen der Zuschauer befeuern.»

Vielleicht, folgert Celestini, werde sich für die restliche Spielzeit beim FCL eine andere Aufstellung generieren als dies bisher der Fall gewesen sei.

Unwiderruflich ist: Sein Team und er haben eine Geschichte im Kopf, die sie bis in den August hinein schreiben wollen. «Wir müssen eine bessere Mentalität als in den Testspielen, in denen die falsche Richtung eingeschlagen wurde, zeigen. Demut, Leistungsbereitschaft und unbedingen Willen», nennt Celestini als unabdingbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung seines Plans.

Vielleicht hält ja auch diesmal der Fussball-Gott seine schützende Hand über das FCL-Projekt – gerade in engen «Geisterspielen».

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