Kultur

Sonderausstellung in der «Burg» Zug
Wie der Erste Weltkrieg die Zentralschweiz veränderte

  • Lesezeit: 4 min
<p>Postkartenmotive als Illustration der «heilen Welt» der Vorkriegszeit: Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges würde sich das Gesicht der Schweiz bald ändern.</p>
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Postkartenmotive als Illustration der «heilen Welt» der Vorkriegszeit: Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges würde sich das Gesicht der Schweiz bald ändern.

Das Museum Burg zeigt in der Ausstellung «14/18 – Die Schweiz und der Grosse Krieg» die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Schweiz. Im Fokus steht dabei auch unsere Region, in der Mangel und Not um sich griffen. Für halbherziges «Schmökern» bleibt bei viel Tiefgründigem wenig Platz.

Es ist ein dunkles Zeitalter, mit dem sich die Ausstellung «14/18 – Die  Schweiz und der Grosse Krieg» auseinandersetzt: Umgeben von einem gespaltenen Europa, einem Kontinent im Kampf, leidet auch die Schweiz unter den verheerenden Folgen des Ersten Weltkrieges.

Mit Fokus auf die Schweiz werden nicht nur politische Hintergründe, sondern ganz allgemein ein Leben in der Not gezeigt. Dabei ist der Gang durch die Ausstellung auch gleichzeitig ein Gang durch die Zeit: Während im hellen Aussenraum der Burg verschiedene Postkartenmotive von der «heilen Welt» und dem florierenden Innerschweizer Tourismus der Vorkriegszeit zeugen, wird der Besucher im Innenraum schon bald mit der Härte des Ersten Weltkrieges konfrontiert. Briefe, Postkarten und etliche Fotografien erlauben den Einblick in eine vom Krieg geprägte Tagesordnung.

Der Schatz der Bundesarchive

Überzeugend ist auch die Vielfalt an unterschiedlichen Medien, die dem Besucher vorgeführt werden. Denn im Rahmen der Vorarbeiten wurden etliche verstaubte Schätze aus den Regalen des Schweizer Bundesarchives geholt. Dabei kommt das Aufkommen der erleichterten Fotografie und der damit verbundenen «Schnappschusskultur» zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders zum Ausdruck: Unterschiedlichste Bilder lichten den Alltag während des Kriegs nämlich unzensiert ab, egal ob bei der Mobilisierung der Artillerie oder dem Baden von Waisen in der Westschweiz. Dies verleiht der Ausstellung eine faszinierende Authentizität, die höchstens durch Originalgegenstände übertrumpft werden kann: Neben echten Waffen und Rüstungen zeigen auch harmlose Alltagsgegenstände das wahre Gesicht des Krieges.

Auf geschickte Weise wird der Besucher in die Zeit des Krieges hineinversetzt, sei es beim Lesen einer zeitgenössischen Satirezeitung oder dem Abwägen der täglichen Ration an Lebensmitteln, die einem während des Kriegs zur Verfügung stand. Im Innern der Ausstellung kommt durch schräge, unregelmässig angeordnete Schauwände das Chaos des Ersten Weltkrieges zum Ausdruck.

Ein Stück Zentralschweizer Geschichte

Ein grosser Trumpf ist auch der regionale Bezug: Die Ausstellung in Zug wurde nämlich speziell auf den Standort Zentralschweiz angepasst, sodass die Besucher einen Einblick in die Geschichte ihrer eigenen Heimat erhalten. Ob beim Torfstechen auf dem Zugerberg oder der allgemeinen Hungersnot: Ganz bewusst zeigt die Ausstellung, dass auch die Zentralschweiz nicht vom Krieg verschont blieb.

Der Tourismus bricht ein

Vom Krieg besonders betroffen waren etwa die Tourismusbetriebe rund um den Vierwaldstättersee, während die Zentralschweizer Industriebetriebe trotz Energieknappheit und Arbeitskräftemangel florierten. Daneben war der Alltag auch in der ländlich geprägten Zentralschweiz immer stärker durch Mangel und Not geprägt, Tausende internierter ausländischer Soldaten lösten bei der lokalen Bevölkerung zudem Skepsis und Angst aus. Die mobilisierten Zentralschweizer Wehrmänner leisteten ihren entbehrungsreichen Aktivdienst in der ganzen Schweiz und wurden schliesslich auch am Landesstreik in Zürich und Luzern eingesetzt.

Um das zu zeigen, wurden gleich mehrere Vitrinen mit Originalstücken aus dem Herzen der Schweiz eingerichtet. Geschickt mit dem Rest der Ausstellung verwoben vergisst man dabei schnell, dass die Ausstellung ursprünglich für die ganze Schweiz konzipiert wurde.

Letztendlich findet man in den vielen Postkartenmotiven und Fotografien auch ein Stückchen Nostalgie abseits des Krieges: So dürfte so mancher Besucher durch die Ausstellung wandern und einige Orte wiedererkennen – nur, dass man dabei eben 100 Jahre in die Vergangenheit blickt.

Für Kinder weniger geeignet

Alles in allem überzeugt die Ausstellung mit einer Vielfalt an Ausstellungsstücken, einer gelungenen Anordnung und einem unverkennbaren regionalen Faktor. Auf eine ernüchternde Art wird der Besucher in eine Welt des Krieges, der Not hineinversetzt, die im Kontrast zur Sicherheit der heutigen Schweiz absurd scheinen mag.

Um viel Lesen kommt allerdings keiner herum: Unzählige Textpassagen sind für das Verständnis der Ausstellung unerlässlich. Für ein halbherziges «Schmökern» ist also wenig Platz und so dürften sich wohl jüngere Besucher in anderen Ausstellungen wohler fühlen. Doch das ist letztendlich der Preis, den man für eine tiefgründige Auseinandersetzung bezahlen muss: Vom Ersten Weltkrieg gibt es nämlich keine «kurze Version».

Im Innern der Ausstellung kommt durch schräge, unregelmässig angeordnete Schauwände das Chaos des Ersten Weltkrieges zum Ausdruck.

Im Innern der Ausstellung kommt durch schräge, unregelmässig angeordnete Schauwände das Chaos des Ersten Weltkrieges zum Ausdruck.

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