Wie das Zuger Pop-up-Museum um seine Existenz kämpft
  • Gesellschaft
Rasim Camoglu (Moderator der Ausstellung, links) und Andreas Heinecke, Gründer des «Dialog im Dunkeln» (rechts). (Bild: ida)

Corona blockiert Modi Lab Wie das Zuger Pop-up-Museum um seine Existenz kämpft

4 min Lesezeit 05.04.2020, 11:45 Uhr

Nur einen Monat nach der Eröffnung musste das Zuger Pop-up-Museum Modi Lab, das Vorurteile gegenüber Blinden abbauen will, schliessen. Und Ende Mai läuft der Mietvertrag aus. Dabei bräuchte es einen solchen Ort nach der Corona-Krise umso mehr, finden die Verantwortlichen.

Es ist ruhig geworden im Haus Gartenstadt 2A, gleich neben dem Zuger Freiruum, dem grossen Food- und Event-Raum.

Von der Ursprungsidee, in Zug Fuss zu fassen, bis zur Eröffnungsfeier hat es drei Jahre gedauert: Im Februar dieses Jahres feierte das Modi Lab – das Museum of Diversity and Inclusion – in Zug grosse Eröffnung. Das Modi Lab ist das etwas andere Museum, das sich zum Ziel setzt, Vorurteile gegenüber Blinden, Tauben und dem Älter-Werden zu brechen und Vielfalt und Inklusion, vor allem von Menschen mit Behinderung, zu fördern.

Doch der Weg dahin war harzig: Es haperte an den Finanzen, die Eröffnung musste verschoben werden. Dann musste das Projekt kräftig abgespeckt werden: Statt wie ursprünglich geplant auf drei Stockwerken kam das Museum nur auf einem Stockwerk zur Entfaltung.

Dann die Corona-Krise. Nach einem Monat war vorübergehend Schluss – denn durch den Beschluss des Bundes sind seit Mitte März auch alle Museen stillgelegt.

Museen in China, Brasilien und Russland – alles lahmgelegt

«Natürlich ist das frustrierend», sagt Mathias Terheggen von der Modi Stiftung. «Wir sind enttäuscht, aber sicher nicht entmutigt und keinen Deut weniger überzeugt, dass die Vision Modi sich ihren Weg bahnen wird.»

Mit dem «Dialog im Dunkeln» bringt das Modi Lab das Leben von blinden Menschen näher und will einen Perspektivenwechsel ermöglichen. Seit über 30 Jahren gibt es diese Dialogausstellungen schon, in über 40 Ländern weltweit. Von Shanghai über Mailand, von Hong Kong über Moskau und Buenos Aires. Alle Ausstellungen sind stillgelegt. «Wir kämpfen auch bei unserem Mutterhaus in Deutschland», so Terheggen.

Mietvertrag läuft Ende Mai aus

Beim Standort in Zug handelt es sich um ein Pop-up-Museum, befristet auf Ende Mai. Dennoch hatte man von Beginn an die Hoffnung, dass daraus mehr wird. Der deutsche Sozialunternehmer und Gründer Andreas Heinecke sagte damals bei der Eröffnung: «Ziel ist es, dass Zug nicht mehr auf das Modi Lab verzichten möchte» (zentralplus berichtete).

«Bei allem Wunsch Modi in Zug permanent zu etablieren, ist eine Verlängerung bis Ende Jahr für den Moment ‹Ziel› genug.»

Mathias Terheggen, Stiftung Modi

Sobald es die Umstände wieder erlauben, öffnet man wieder. Der jetzige Mietvertrag läuft aber Ende Mai aus. Die Verantwortlichen des Modi Lab befinden sich deswegen mit der Vermieterin in Kontakt, um die Frist zu verlängern. Dieser Entscheid steht aber laut Terheggen noch aus.

Finanzielle Mittel werden eingetrieben

Spätestens Ende 2020 ist aber am jetzigen Standort Schluss: Ein neuer Mieter zieht ins Gebäude Gartenstadt 2A ein.

«Im Moment bedeutet ‹länger› bis Ende Jahr und das bei der Unklarheit, wann es überhaupt weitergehen kann», sagt Terheggen. «Bei allem Wunsch Modi in Zug permanent zu etablieren, ist eine Verlängerung bis Ende Jahr für den Moment ‹Ziel› genug.»

Im Moment sei ein Standortwechsel finanziell nicht sinnvoll. Man versuche, weitere finanzielle Mittel aufzutreiben.

Gibt’s das Modi Lab bald virtuell?

Andere Museen bieten zur Zeit virtuelle Rundgänge an. Auch das Modi Lab beschäftige sich intensiv damit. «Und das nicht erst seit Corona», fügt Terheggen an.

Ganz einfach ist das allerdings nicht. Denn die Idee des Modi Lab ist es, eine Begegnung zwischen den Menschen – zwischen Blinden und Sehenden, zwischen Menschen, die sich sonst nicht treffen – zu schaffen.

«Einen Ort, der Empathie und Solidarität fördert, braucht es nach der Coronakrise sicher noch mehr als vorher.»

Mathias Terheggen, Stiftung Modi

«Die hautnahe Erfahrung und der damit verbundene Perspektivenwechsel, der zur Grundlage für eine transformative Lernerfahrung wird, sind ein wichtiger Teil unserer Wirkung», sagt denn auch Terheggen. Es bleibe zu sehen, inwieweit diese virtualisiert werden können.

Kämpfen – um jede Woche

Denn das Modi Lab in Zug sei auf grossen Anklang gestossen. Rund 300 Besucher habe man alleine im Februar angelockt, darunter viele Schulklassen. Die geöffneten Tage im März und die geplanten im April seien fast komplett ausgebucht gewesen, weswegen man die Tür zum Museum noch für weitere Tage im März und April öffnen wollte.

Erfolge, die mit der notwendigen und sinnvollen Einschränkung des öffentlichen Lebens Mitte März hinfällig wurden.

Doch so schnell gibt das Modi Lab nicht auf und zeigt sich weiterhin kämpferisch: «Wir hoffen auf jede Woche und jeden Monat, den wir länger offen haben können – auch bis nach Ende 2020. Denn einen Ort, der Empathie und Solidarität fördert, braucht es nach der Coronakrise sicher noch mehr als vorher.»

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