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Wie bringt man mehr Leben in die Zuger Altstadt?
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Die Zuger Altstadt besticht nicht gerade durch Lebendigkeit. (Bild: mam)

SVP-Gemeinderat wünscht sich einen Masterplan Wie bringt man mehr Leben in die Zuger Altstadt?

6 min Lesezeit 1 Kommentar 31.03.2020, 19:28 Uhr

Die Zuger Altstadt soll reanimiert werden, findet ein SVP-Gemeinderat. Der Stadtrat soll deshalb einen «Masterplan» erarbeiten. Dank einer durchgeführten Studie weiss dieser nun, wo es besonders harzt.

Die Situation in der Zuger Altstadt ist der Bevölkerung schon lange ein Dorn im Auge. Bereits während der Erarbeitung des neuen Altstadtreglements vor einigen Jahren ging es bei den Debatten im Ratsaal hoch her. Das Grundproblem: Die Zuger wollen eine lebendige Altstadt, die Quartier-Bewohner ihre Ruhe.

Das neue Reglement trat zwar 2016 in Kraft, noch sind jedoch nicht alle Bedenken aus dem Weg geräumt, wie man nicht zuletzt an einer aktuellen Motion erkennt.

Der Vorstoss, den SVP-Gemeinderat Thomas Dubach verfasst hat, verlangt nämlich das, was vor ihm schon einige gefordert haben: Dass die Zuger Altstadt innerhalb eines absehbaren Zeitraumes attraktiver wird.

Dies unter anderem mittels Mobilitätskonzept, das den Zugang zur Altstadt einfacher und unkomplizierter machen soll. Die Altstadt nämlich «leidet wie viele Innenstädte unter dem Wegzug von Gewerbe und dem Schliessen von Läden», findet Dubach.

Mehr Attraktivität für das Gewerbe ist gewünscht

Er wünscht sich, dass die Zuger Altstadt attraktiv sei für Gewerbe und Geschäfte, dem Verkehrsfluss gerecht werde und insgesamt für die vor Ort ansässigen Interessengruppen sowie für die Zuger Bevölkerung einen beliebten Stadtteil bilde.

«Die schöne Zuger Altstadt soll nicht zur Schlafstadt mit Museumscharakter verkommen.»

Thomas Dubach, SVP-Gemeinderat

«Die schöne Zuger Altstadt soll nicht zur Schlafstadt mit Museumscharakter verkommen», so der SVP-Gemeinderat im Vorstoss. Zwar bestünden mit der Umgestaltung des Postplatzes, der Einführung von Tempo 30 sowie Begegnungszonen bereits ein «Strauss von Massnahmen und Anpassungen», doch wünscht sich Dubach einen übergeordneten Masterplan.

Externe Studie in Auftrag gegeben

Der Stadtrat zeigt Verständnis für die Sorge Dubachs um den Detailhandel in der Altstadt. Man sei sich des Strukturwandels bewusst. Deshalb hatte der Stadtrat gemeinsam mit der Zuger Detailhändler-Vereinigung Pro Zug eine Grundlagenanalyse bei der Wüest Partner AG in Auftrag gegeben. Ziel: die angebots- und nachfrageseitige Struktur und Entwicklung des Detailhandels und Verkaufsflächenmarkts abzubilden. Dies auch im Vergleich zu anderen Städten. Das soll eine faktenbasierte Diskussion im Rahmen der Ortsplanungsrevision ermöglichen.

Nun liegen die Resultate zur Studie vor, die besonderes Augenmerk auf die Altstadt legte.

Fünf Mal mehr Passanten im Metalli

Immer wieder wird von Politikern und Ladenbetreibern der Altstadt kritisiert, dass der Zugang mit dem Auto mühsam sei und nicht zuletzt deshalb das Gewerbe zugrundegehen würde. Wüest & Partner haben in ihrer Studie festgestellt, dass nicht nur der ÖV-Anschluss der Altstadt vergleichsweise sehr gut ist, sondern auch die Nähe zum Parkhaus «nur geringfügig schlechter ist» als bei der Gegend ums Metalli herum.

«Man muss sich gut überlegen, welche Strukturen von Ladenlokalen man in der Altstadt haben will.»

Eliane Birchmeier, Zuger Stadträtin

Weniger überraschend ist indes die Erkenntnis, dass primär in der Gegend ums Metalli und der Neustadt eingekauft wird. Während die Bahnhofslage etwa 50’000 Passanten pro Tag verzeichnet, sind es in der Altstadt 9’000 bis 21’000 Passanten pro Tag.

«In diesem Bereich sehen wir Potenzial. Doch muss man sich gut überlegen, welche Strukturen von Ladenlokalen man in der Altstadt haben will», sagt die zuständige Stadträtin Eliane Birchmeier (FDP). Sie gibt zu bedenken: «Ausserdem möchten wir herausfinden, was die Anwohner der Altstadt selber möchten.»

Dubach will ein attraktives Parkreglement

Der Motionär Thomas Dubach hat bereits Ideen, wie man die Passantenfrequenz erhöhen könnte. «Um diese Kennzahl für die Altstadt zu verbessern, könnte der Stadtrat beispielsweise ein attraktives Parkreglement in die Wege leiten. Auch eine innerstädtische Buslinie, welche im hohen Takt die Altstadt mit beispielsweise dem Bahnhof verbindet, könnte hilfreich sein.»

Nach dem Umzug der Post in den Laubenhof sei jedes Zutun von Politik und Verwaltung willkommen, um Passanten in diesen südlichen Teil der Stadt, oder in die Nähe der Altstadt, zu bringen, sag der SVP-Politiker.

Gastronomie wird in der Altstadt grossgeschrieben

Bezüglich Branchenmix wird in der Studie festgehalten, dass in der Altstadt überdurchschnittlich viele Gastronomiebetriebe beheimatet sind. Sie machen über ein Viertel der Ladenlokale aus. «Ebenfalls in der Altstadt überrepräsentiert sind im Vergleich zur Neustadt der Kunsthandel, Bijouterien und Dienstleister», so die Erkenntnis.

Eines der Anliegen von Motionär Thomas Dubach ist, die Durchlässigkeit in Richtung Altstadt zu optimieren. Auch diesbezüglich sieht FDP-Stadträtin Birchmeier Potenzial: «Wir können diese verbessern, indem wir etwa die Alpenstrasse vom Bahnhof her aufwerten und den Weg zur Altstadt logischer gestalten», so die Bauchefin.

Neue Pläne zur Erschliessung sind gefragt

Tatsächlich sei es eine wichtige Frage in Bezug auf die anstehende Ortsplanungsrevision, wie man die Vorstadt und die Bahnhofstrasse besser mit der Altstadt verbinden kann. «Pläne dafür gab es vor einigen Jahren zwar, mit dem Nein zum Stadttunnel gingen jedoch auch diese bachab.»

Die Exekutive ist ohnehin der Ansicht, dass ein übergeordnetes Mobilitätskonzept eine zentrale Aufgabe sei. Es brauche klare Vorstellungen bezüglich der Mobilität. «Die Verdichtung der Stadt verlief in den vergangenen Jahren nicht immer im Einklang mit einer Aufwertung des bestehenden Aussen- und Freiraums», gibt der Stadtrat zu bedenken.

Deshalb werde in einem ersten Schritt die Thematik Verkehr und öffentlicher Freiraum bearbeitet und ab diesem Frühjahr mit der Bevölkerung, den Direktbetroffenen und verschiedenen Interessenvertretern wie dem Gewerbe diskutiert. In einem zweiten Schritt erfolge die Verknüpfung mit weiteren Themen zu einer Gesamtstrategie.

Studie dürfte im August abgeschlossen sein

Und wie geht es nun weiter in Sachen Masterplan Zuger Altstadt? Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen will der Stadtrat nun eine Umfrage bei Händlern sowie den Bewohnern der Altstadt durchführen.

Damit soll eine Grundlage geschaffen werden für weiterführende Massnahmen. «In erster Linie steht der Detailhandel in der Verantwortung. Der Stadtrat wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und allfällige weitere Massnahmen gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren prüfen», schreibt dieser.

Die Studienergebnisse dürften kommenden August vorliegen – so Corona will. Betreffend der Beantwortung der Motion hat der Stadtrat ausserdem eine Fristerstreckung beantragt. Der Grund: «Hinsichtlich Mobilität und den Verkehrsfragen ist die Umsetzung der Motion im Rahmen der Ortsplanungsrevision anzugehen.» Damit würden sich quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen.

Der Motionär will eine sofortige Umsetzung

Für den Motionär Thomas Dubach ist dieses Argument nicht gut genug: «Die Altstadt ist gebaut, die Verkehrsachsen sind es ebenfalls. Der Stadtrat ist vor Jahresfrist explizit damit beauftragt worden, die Attraktivität der Altstadt innerhalb eines absehbaren Zeitraumes zu steigern, dazugehörend ein Mobilitätskonzept für den einfacheren und unkomplizierten Zugang zur Altstadt. »

Mit dem Abwarten auf die Ortsplanungsrevision dürfte das Lädelisterben in und um die Altstadt über die nächsten Jahre weiter seinen Lauf nehmen, findet der SVP-Gemeinderat. «Die Probleme sind akut und so soll auch die städtische Hilfestellung sein», findet Dubach.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 03.04.2020, 15:45 Uhr

    Die Aufgabe dürfte nicht allzu schwierig zu lösen sein:
    1. Alle Besitzer der teilweise luxusrenovierten Altstadthäuser verpflichten, im Parterre ein Ladenlokal anzubieten.
    2. Für diese Ladenflächen einen maximalen qm-Mietpreis (keine Wucherpreise) definieren.
    3. Für die Vermietung der Ladenflächen lokale Betreiber (KMU) bevorzugen.
    Wetten wir, dass es mit diesen Massnahmen gelingt?

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