Wie aus Zuger Trauben preisgekrönter Wein wird
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Alfred Knüsel baut auf seinem Hof in Risch seit rund 20 Jahren Weintrauben an. (Bild: cbu)

Biobauer Alfred Knüsel und sein «Hobby» Wie aus Zuger Trauben preisgekrönter Wein wird

6 min Lesezeit 18.04.2021, 19:00 Uhr

Alfred Knüsel baut auf seinem Biohof in Risch im Kanton Zug seit zwanzig Jahren Weinreben an. Hinter dem Hobby steckt nicht nur eine jahrhundertelange Geschichte, sondern auch viel Handwerk und Arbeit. zentralplus hat sich mit dem Winzer zu einer Besichtigung der Rebberge getroffen – und auf ein paar Gläser Wein.

Unter den wachsamen Augen von grasenden Wasserbüffeln gehen wir von der Postauto-Haltestelle Breitfeld zum Biohof Breiten in Risch. Der grossangelegte Bauernhof liegt auf einer grünen und bewaldeten Hügelkuppe im Grenzgebiet zwischen Risch-Rotkreuz im Kanton Zug und Meierskappel im Kanton Luzern. Als ehemaliger Meierskappeler ist der Autor mit der Umgebung bestens vertraut. Mit der Geschichte des Hofs jedoch nicht.

Den Hof gibt es nämlich schon seit 1870 und wird derzeit in der fünften Generation der Gründerfamilie Knüsel geführt. Hier treffen wir Alfred Knüsel aus der vierten Generation. Die Leitung des Hofs hat er vor einigen Jahren seinem Sohn übergeben, er selbst kümmert sich aber immer noch um einen wesentlichen Bestandteil des hiesigen Schaffens: den Weinbau.

Jahrhundertealte Tradition

Ehe wir uns versehen, sitzen wir mit Alfred Knüsel im Degustationsraum, stilecht im urchigen Alphütten-Design gehalten, und kriegen ein Glas Solaris spendiert. «Wir haben die Solaris-Traube als erste Importeure in die Schweiz gebracht», erinnert sich Knüsel stolz.

Zusammen mit vier Freunden hat er lange und weit herum nach einer passenden Traubensorte gesucht, die sich für den Bio-Anbau eignet und ohne chemische Behandlung auskommt. Fündig wurden sie schliesslich in Freiburg im Breisgau. Heute ist die Traubensorte gemäss Knüsel schweizweit auf über 50 Hektaren angepflanzt und weit verbreitet und wird gern getrunken.

Die Frage, wie er auf die Idee mit dem Weinbau gekommen ist, lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Denn dahinter steckt eine Geschichte, die bis weit in die Kindheit des Landwirts führt. «Ich habe als kleiner Bub herausgefunden, dass hier am Hang schon in früheren Jahrhunderten Wein angebaut wurde.»

Die Hügelseite, auf der Knüsel heute seine Trauben anbaut, habe schon lange den Namen Weinrebenrain getragen, wie auch ein Lokalhistoriker bestätigen konnte. Zu Alfred Knüsels Jugendzeit war vom Weinbau allerdings nichts mehr zu sehen – weil die Reblaus um 1896 weite Teile der Schweizer Rebberge vernichtet hat – so auch die auf dem Hof Breiten.

Leidenschaftliches Hobby

Bis Alfred Knüsel seine ersten Reben pflanzte, verstrichen aber noch einige Jahrzehnte. Nach seiner Ausbildung zum Landwirt lernte er Maurer, wurde Polier und kehrte erst im Alter von 28 Jahren auf den Hof zurück. «Ich wollte den Hof aber nicht konventionell führen und habe ihn in den frühen 1990erJahren auf Biobetrieb umgestellt», erinnert sich der Landwirt. Seit 1995 trägt der Breitenhof das Bio-Label. Ende des Jahrtausends hatten Knüsel und vier seiner Freunde dann die «Schnapsidee», den historischen Weinbau wieder aufleben zu lassen.

«Der Aufwand ist für uns fast doppelt so gross wie für einen Betrieb, der konventionell und mit maschineller Bewirtschaftung arbeitet.»

Alfred Knüsel, Landwirt und Winzer

Auf 0,6 Hektaren erstreckt sich heute das Weinbaugebiet von Landwirkt Knüsel. «Das ist vergleichsweise klein. Ein normaler Weinbetrieb benötigt etwa 10 Hektaren. Bei uns steht aber nicht die Quantität im Vordergrund, sondern die Qualität.»

Darum spricht Knüsel auch ganz klar von einem «Hobby» und das, «obwohl wir offiziell zu den Erwerbswinzern zählen würden.» Von der fünfköpfigen Gründertruppe ist heute nur noch Alfred Knüsel geblieben. «Wir haben uns im Guten getrennt», sagt er und verweist darauf, dass ihm heute ein Mitarbeiter, ein Lernender, aber auch die Familie und ein grosser Freundeskreis bei der Ernte und dem Betrieb unter die Arme greifen. «Alleine könnte ich das alles nicht stemmen.»

Handarbeit ist angesagt

Denn anders als bei normalen Betrieben muss ein Biohof strengere Auflagen erfüllen, die viel Handarbeit erfordern. Auf maschinelle Hilfe bei der Lese und Bewirtschaftung der Reben verzichtet Knüsel ebenso wie auf die Behandlung der Pflanzen mit Chemie und Kupfer. «Der Aufwand ist für uns fast doppelt so gross wie für einen Betrieb, der konventionell und mit maschineller Bewirtschaftung arbeitet.» Aber auf diesen Mehraufwand legt Alfred Knüsel grossen Wert. «Ich bin oft mit der Rebschere unterwegs. Mir gefällt das.»

Stolz ist der Winzer auch auf seinen Rotwein. 40 Prozent der Anbaufläche widmet Knüsel den Trauben für seinen Rotwein «Rubin» – eine Artenkreuzung, die schweizweit übrigens einzigartig ist. «Ich war kein Fan von Barriques – bis ich ihn selbst angebaut habe», sagt er lachend und giesst uns ein Glas Rotwein ein.

Die dunkelrote Farbe des Weins wird seinem Namen gerecht. «Der gibt mit seiner Farbe richtig an», freut sich Knüsel. Prost! Die Barrique-Fässer stammen ebenfalls aus der Region. «Wir haben eine Eiche im nahen Wäldchen gefällt und daraus die Fässer machen lassen.»

Die Lage macht den Unterschied

In einem blauen VW-Bus tuckern wir wenig später vom Hof den kleinen Hügel hinauf zu besagtem Waldstück. Hier zeigt uns Knüsel eine Lichtung. «Da stand die Eiche. Einen Nachfolger haben wir bereits gepflanzt.» Tatsächlich seht da etwas verschupft ein Jungbäumchen inmitten seiner stämmigen Artgenossen. «Bis aus dieser Eiche Fässer gemacht werden können, liegen wir selbst schon in einer Holzkiste», sagt Knüsel lachend und führt uns ein Stück den Hang hinab zu den Reben.

Und plötzlich wirken die 0,6 Hektaren Weinberg nicht mehr so «klein». Spätestens wenn man durch die Reihen geht und sieht, wie viele Rebstöcke hier wachsen, und sich dann Knüsels Aussage in Erinnerung ruft, dass hier alles von Hand geschnitten, gepflegt und gepflückt wird, kann man die Arbeit erahnen, die hinter einem solchen Rebberg steckt.

Was aber macht die Lage hier so besonders? «Die südexponierte Lage des Hangs und die Thermiken der umliegenden Seen», erklärt uns Knüsel und zeigt uns die ersten Knospen, die zögerlich spriessen. Bis die nächste Ernte anfällt, dauert es allerdings noch ein paar Monate. Die Triebe haben nämlich noch nicht richtig ausgeschlagen.

Ausgezeichneter Tropfen

Pro Jahr entspringen aus Knüsels Weinreben um die 2’500 Flaschen Weisswein und rund 1’200 Flaschen Rotwein – je nach Wetter. «Im Frostjahr 2016 reichte es nur für knapp 800 Flaschen Weisswein.» Gekeltert werden die Trauben anschliessend bei Weinbau Ottiger in Kastanienbaum, der für Knüsel sogar extra das Bio-Label erworben hat. «Mit Ottiger als Partner habe ich sehr viel Glück, weil der Kellermeister immer wieder etwas Gutes aus meinen Trauben macht.»

«Uns geht es bei den Rischer Weinen nicht um die Wirtschaftlichkeit, wir wollen einfach ein gutes Produkt herstellen.»

Verkauft wird der Wein sowohl an lokale Restaurants und Hofläden als auch an Privatpersonen. Lieferungen gingen auch schon über die Landesgrenzen hinaus. Vergrössern ist für Knüsel aber kein Thema: «Uns geht es bei den Rischer Weinen nicht um die Wirtschaftlichkeit, wir wollen einfach ein gutes Produkt herstellen.»

Und das scheint zu gelingen. Der Solaris vom Breitenhof gehörte 2018 mit der Piwi-Sorte Weiss Zug DOC Solaris 2016 zu den Finalisten des europäischen Weinmagazins «Vinum».

«Das ganze Projekt hätte in die Hose gehen können», sagt Knüsel. «Aber nach zwanzig Jahren sind wir immer noch da und es macht immer noch Freude – uns und den Leuten.» Eine Freude, die spürbar ist – und ansteckt.

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