Der Regen dominiert

Reuss am Anschlag: Wie lange halten die Dämme noch?

Die Sanierung der Dämme entlang der Reuss habe für den Zuger Baudirektor Florian Weber «oberste Priorität». (Bild: Zuger Polizei/zvg)

Nach den Regenfällen vom letzten Wochenende führt die Reuss so viel Wasser wie lange nicht mehr. Und nun sind wieder Unwetter angesagt. Dies führt in Hünenberg zu der Sorge, dass die maroden Dämme an den Anschlag kommen.

Wo sie nicht über die Ufer trat, stand sie kurz davor. Diese Bilder der Reuss machten am Anfang dieser Woche die Runde. Die Zuger Polizei sperrte vorsorglich Wege entlang des Flusses und Brücken darüber (zentralplus berichtete).

Nach einigen wenigen sommerlichen Tagen stehen nun wieder Unwetter an. Und mit ihnen kommen die Sorgen. Konkret sorgen sich Hünenberger in den sozialen Medien, dass der Damm in Hünenberg nicht halten könnten.

In den Knochen scheinen dabei noch die Ereignisse von vor drei Jahren zu sitzen. Damals kam es ebenfalls zu Überschwemmungen. Auch der Kanton Zug machte sich Sorgen, dass der Damm in Hünenberg dem Wasser nicht standhalten könnte und bereitete sich sogar auf eine Evakuierung der betroffenen Gebiete vor (zentralplus berichtete).

Hundertjähriger Damm brach schon einmal fast

Tatsächlich ist der Damm marode und defekt. Hundert Jahre alt ist er. Längst entspricht er nicht mehr den geltenden Sicherheitsbestimmungen. Der Kanton will die Dämme entlang der Reuss deshalb sanieren. Die Bagger fahren allerdings frühestens 2025 auf.

So sah es 2021 aus: Mit provisorischen Barikaden versuchten die Einsatzkräfte die Reuss in Hünenberg am Überfliessen zu hindern. Die Regenfälle von dieser Woche fielen glücklicherweise gimpflicher aus. (Bild: Kanton Zug)

Hält der Damm denn noch so lange? Zumindest im Moment tut er es, sagt der Zuger Baudirektor Florian Weber auf Anfrage von zentralplus. Er räumt aber ein: «Der über hundert Jahre alte Hochwasserschutzdamm genügt den heutigen Sicherheitsanforderungen nicht.» Die letzten grossen Hochwasser 2005 und 2021 hätten dies deutlich vor Augen geführt. «Das Ereignis im Jahr 2005 hätte beinahe zu einem Dammbruch und grossflächiger Überflutung der Reussebene geführt», so Weber. Damals stieg der Wasserpegel innert 18 Stunden um 1,5 Meter.

Momentan sei der Damm punktuell an kritischen Stellen verstärkt. Zudem sei Schüttmaterial vor Ort gelagert, um bei einem Bruch sofort reagieren zu können. Die Reuss werde stetig überwacht.

«Sanierung hat höchste Priorität»

Braucht es angesichts der aktuellen hohen Pegel nun eine schnellere Gangart bei der Dammsanierung? «Das Projekt Reussdammsanierung hat unabhängig von aktuellen Hochwasserereignissen bereits höchste Priorität», erklärt Weber. Momentan liege das Dossier beim Bundesamt für Umwelt. Im kommenden Herbst werde es voraussichtlich in der Kommission für Tiefbau und Gewässer des Kantonsrats beraten.

Da es immer öfters zu extremen Hochwasserereignissen kommen könne, sei der neue Damm in Hünenberg so geplant, dass er auch einem extremen Hochwasser standhalten könne, erklärt der Zuger Baudirektor.

Abflussmengen noch nicht kritisch für Damm

Von einem solchen sei man im Moment noch weit entfernt. Zum Vergleich: beim grossen Hochwasser 2005 flossen bis zu 900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Reuss hinunter. Der Spitzenwert diese Woche lag bei 630 Kubikmeter pro Sekunde.

Je mehr Wasser die Reuss führt, desto höher ist der Druck auf den Damm und desto grösser ist die Gefahr, dass er bricht.

Es bleibt abzuwarten, was das kommende Wochenende mit sich bringt und, was es für die Reuss bedeutet. Regen ist zumindest wieder angesagt.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Florian Weber, Baudirektor und Regierungsrat, Kanton Zug
  • Medienarchiv zentralplus
  • Mitteilung Zuger Polizei vom 3. Juni
0 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon