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«Weshalb nimmt er kein Timeout? Timeout!»
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Masslos enttäuscht: Die EVZ-Fans, die nach Lugano reisten. (Bild: Yannick Ringger)

Die Reise zum fatalen EVZ-Spiel «Weshalb nimmt er kein Timeout? Timeout!»

4 min Lesezeit 11.03.2016, 14:32 Uhr

Wir machten uns auf den Weg zum – wie sich herausstellen sollte – letzten Spiel der EVZ-Saison nach Lugano. Zusammen mit den Fans. Auf der Hinreise wurde angenehm geplaudert. Auf der Heimreise vor Wut gebrüllt. Das letzte Spiel der Saison – ein Drama in drei Akten.

Donnerstag, 16.30 Uhr: Circa 50 Zuger Fans treffen sich beim Parkplatz hinter dem KBZ-Schulhaus, um die Carfahrt nach Lugano auf sich zu nehmen. Für den Carchef, der die EVZ-Fancar-Fahrten seit zwei Jahren organisiert, ist das die Anzahl an Leuten, die man normalerweise erwarten kann. «An Samstagen und bei Spielen in Davos sind wir in der Regel mehr», sagt der Mann, der namentlich nicht genannt werden will. «Letzten Samstag reisten wir mit 210 Fans in drei Cars nach Lugano. Der Gästesektor war beinahe ausverkauft.»

Beladen mit Getränken und einigen Snacks sind die Fans bei strahlendem Sonnenschein guten Mutes für die kapitale Partie ihres Lieblingsvereins. Die Gespräche im Car handeln über den EVZ, Gott und die Welt. Der Carchef meint: «Gerade die Leute in der hinteren Hälfte des Cars kommen fast immer und kennen sich mittlerweile.»

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Themen sind bevorstehende Lehrabschluss-Prüfungen, die letztjährige Geburtstagsparty eines gemeinsamen Kollegen, die zunehmende Betonierung der Schweizer Städte und natürlich die bisherigen Playoff-Leistungen des EVZ. Mit mehr oder weniger Fachkenntnis werden die Darbietungen diskutiert und vollmundige Ankündigungen gemacht: «Wenn Primeau Lapierre umnietet, besuchen wir ihn nächste Saison in Langenthal und feuern ihn voll an!» Der Kauf einiger zusätzlicher Getränke an der Autobahnraststätte nach 18.00 Uhr bietet einen Einblick in die wahre Gefühlslage der Anhänger. «Diese Dosen sollten reichen bis zum Saison-Ende.» – «Sind ja nur noch vier Stunden.» Zweckpessimismus oder Galgenhumor?

Von Entschlossenheit in die Fassungslosigkeit

Nach der gerade rechtzeitigen Ankunft in Lugano machen die Gästefans just ab Spielbeginn lautstark Stimmung – von einem baldigen Saisonende will nun niemand mehr etwas wissen. Voller Entschlossenheit startet das Auswärtsteam in die Partie und führt nach zehn Spielminuten bereits mit 2:0. «Das ist der Beginn der Wende!», meint einer. Die Wende kommt tatsächlich, doch nicht wie erhofft. Zur Spielhälfte haben die Luganesi die Partie gedreht – 4:2. Der Anschlusstreffer kurz vor der zweiten Drittelspause setzt noch einmal neue Kräfte frei – nach einer Stärkung durch Pizza und Bier geben die EVZ-Fans im dritten Drittel noch einmal Vollgas, peitschen ihre Mannschaft nach vorne und versuchen alles, um das drohende Saisonende abzuwenden.

«Weisst du, sie gleichen zwei Minuten vor Schluss aus! Und dann bekommen sie noch einmal ein Tor. Wie dämlich!»

EVZ-Fans

Und siehe da: Drei Minuten vor dem vermeintlichen Ende gelingt Topscorer Pierre-Marc Bouchard der ekstatisch bejubelte Ausgleichstreffer. Doch nur 21 Sekunden später folgt der nächste Tiefschlag. Damien Brunner, ausgerechnet Brunner, der ehemalige EVZ-Topscorer, schiesst die Hausherren wieder in Front. Nun tobt die Resega und in der EVZ-Kurve herrscht Fassungslosigkeit.

Der letzte Abschied auf dem Eis: Die EVZ-Spieler.

Der letzte Abschied auf dem Eis: Die EVZ-Spieler.

(Bild: Yannick Ringger)

Frustration pur

Das ganze Ausmass des Treffers wird noch nicht sofort realisiert. Noch einmal werden die Zuger angefeuert, doch es nützt nichts mehr. Der EVZ scheidet bereits nach vier Spielen aus. Nach Spielschluss wird die Mannschaft verabschiedet und minutenlang müssen die Jubelgesten der Tessiner ertragen werden. Der aufgestaute Frust entlädt sich dann im Car vollständig. Einen Schuldigen lässt sich schnell ausmachen: Cheftrainer Harold Kreis. «Kreis verreis!», «Weshalb nimmt er kein Timeout? Timeout! Timeout!»

«Kreis verreis!»

EVZ-Fans

Besonders bitter ist die Niederlage, weil die Zuger kurz vor Schluss noch einmal ausgeglichen haben, bevor sie prompt wieder in Rückstand gerieten – und das erst noch wegen Brunner. «Weisst du, sie gleichen zwei Minuten vor Schluss aus! Und dann bekommen sie noch einmal ein Tor. Wie dämlich!» Der späte Stich ins Herz führt zu teils skurrilen Schlussfolgerungen: «Wenn sie 5:1 verloren hätten, könnte ich es noch verkraften, aber so …»

Keine neuen Freunde

Zwischendurch vernimmt man andere Töne. – «Komm, wir reden über was anderes, was Schönes!», doch früher oder später kommt man wieder auf das Playoff-Aus des EVZ zu sprechen. Es herrscht weitverbreitete Fassungslosigkeit über das schnelle Ausscheiden ohne Sieg und den postwendenden Gegentreffer nach dem späten Ausgleich. Brunner, der seit seiner Unterschrift bei Lugano als Reizfigur bei den EVZ-Fans gilt, hat sich mit seinem Siegestreffer definitiv keine neuen Freunde gemacht. Wieso musste ausgerechnet er die letzten Illusionen der Zuger Fans zerstören?

Nach der langen und stimmungsmässig bedrückten Rückfahrt trifft der Car um ungefähr 0:45 Uhr in Zug ein. Enttäuscht verabschieden sich die Fans voneinander und ziehen in verschiedene Richtungen davon. Spätestens im nächsten Spätsommer werden sie sich wieder treffen und die Spieler ihres Vereins trotz des momentanen Frusts über das frühe Scheitern wie gewohnt kräftig unterstützen – bis dahin gilt es erst einmal, die Wunden zu lecken.

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