Weshalb Luzern die Velo-Highways von Sursee  studieren sollte
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Bleibt für viele das Vorbild für die Zukunft des Veloverkehrs: Velobahn in Kopenhagen. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Pläne gegen Lücken im Velonetz Weshalb Luzern die Velo-Highways von Sursee studieren sollte

3 min Lesezeit 11.01.2021, 05:02 Uhr

Der Ruf nach sicheren Velorouten ist in den letzten Jahren massiv lauter geworden – nicht nur in der Stadt Luzern. Der Blick nach Sursee zeigt, wie stark die Bewegung mittlerweile ist, aber auch was die grösste Herausforderung bei der Umsetzung des Anliegens ist.

Wenn es in der Politik um das Thema Veloverkehr geht, dann fällt meistens der Begriff «im urbanen Raum». Das Velo in der Stadt Luzern also. Der Velo-Boom ist aber längst kein rein städtisches Phänomen mehr.

Aktuelles Beispiel: Die Gemeinden Geuensee, Knutwil, Mauensee, Oberkirch, Schenkon und Sursee planen ein gemeinsames Velonetz. Dabei hat man jüngst einen Meilenstein erreicht.

Direkte Routen ins Zentrum von Sursee

Kurz vor Weihnachten wurde eine Machbarkeitsstudie zu sogenannten «Velo-Premiumrouten» veröffentlicht. Diese Velo-Schnellstrassen sind ein zentraler Bestandteil des regionalen Velonetzes und führen vom Zentrum Sursees in alle vier Himmelsrichtungen.

Die vorgesehenen Premiumrouten von Sursee nach Geuensee (Route Nord) und Oberkirch (Route Süd) sind rot eingezeichnet.

Zunächst sollen jedoch nur zwei der vier Verbindungen realisiert werden. Konkret die Route Nord (Sursee–Geuensee) und die Route Süd (Sursee–Oberkirch). Die Kosten für die Öffnung der Routen als ersten Schritt belaufen sich auf rund 2,4 Millionen Franken. Im Endausbau werden jedoch insgesamt 28 Millionen Franken fällig, wie der Machbarkeitsstudie zu entnehmen ist.

Keine separaten Velobahnen geplant

Die Studie für diese beiden Routen offenbart im Kern aber vor allem zwei Dinge. Erstens: Ja, eine deutliche Verbesserung für den Veloverkehr ist machbar. Zweitens: Ambition und Praktikabilität sind zwei verschiedene Paar Schuhe. «Die Machbarkeitsstudie zeigt neben den Chancen auch die Herausforderungen – insbesondere im dicht besiedelten Kern der Stadt Sursee – auf», sagt Stadtschreiber Bruno Peter auf Anfrage.

«Das verdichtete Bauen oder das ÖV-Netz steht bei den ohnehin engen Verhältnissen der Innenstadt in direkter Konkurrenz zu den Velorouten.»

Bruno Peter, Stadtschreiber Sursee

Komplett separate Velobahnen, wie man sie etwa von Skandinavien oder dem Freigleis in Luzern kennt, seien im Zentrum schlicht nicht realistisch, sagt Peter. «Faktoren wie das geforderte verdichtete Bauen oder das ÖV-Netz stehen bei den ohnehin engen Verhältnissen der Innenstadt in direkter Konkurrenz zu den Velorouten.»

Von solchen Bahnen träumten die involvierten Gemeinden in der gemeinsamen Velonetzplanung, die 2017 veröffentlicht wurde. Die Flughöhe von damals muss nach der nun vorliegenden Machbarkeitsstudie deutlich verringert werden. Klar sei aber, dass künftige Strassenbau- und Sanierungsprojekte immer auch mit Blick auf das geplante Velonetz gestaltet werden müssten.

«Es ist ein typischer Fall von ‹lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.›»

Auch wenn die ursprünglichen Ambitionen des Projekts nicht erfüllt werden können, betont Stadtschreiber Peter die positive Entwicklung, die angestossen wurde und nun konkrete Formen annimmt: «Es ist ein typischer Fall von ‹lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.›»

Einen konkreten Zeithorizont für das Projekt der Velo-Premiumrouten gibt es nicht. Bis zum Ende der laufenden Legislatur im Jahr 2024 sollen zumindest die Projekte zur Umsetzung der ersten beiden Teilstrecken bedeutend fortgeschritten sein, so Peter.

Initiative in Luzern fordert getrennte Fahrbahnen

Die Erkenntnisse aus der Machbarkeitsstudie zur Region Sursee sollten auch für die Stadt Luzern analysiert werden. Der Grund: Im Sommer 2020 lancierte Pro Velo eine Initiative, die bessere und sichere Velo-Verbindungen verlangt. Bis 2030 soll ein Netz von mindestens 20 Kilometern entstehen. Im Herbst wurde die Initiative mit über 1’600 Unterschriften eingereicht (zentralplus berichtete).

Das Platzproblem, wie es die Machbarkeitsstudie in Sursee herausstreicht, ist in der Stadt Luzern selbstredend ebenfalls gegeben. Dessen seien sich die Initianten bewusst, dennoch fordern sie ein übergeordnetes sternförmiges und tangentiales Netz von Velobahnen, die getrennt vom motorisierten Verkehr und vom Fussgängerbereich geführt werden.

Die Stadt Luzern hat bisher noch nicht Stellung zur Initiative bezogen. Der Blick nach Sursee bietet Luzern jedoch direkt vor der eigenen Haustür ein Praxisbeispiel, um Schlüsse für die künftige Gestaltung des Veloverkehrs zu ziehen.

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