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Weshalb eine schwäbische Fussballmannschaft nach Ägeri pilgert
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Letztes Jahr nahmen am Ägeri-Grümpi 35 Teams weniger teil als dieses Jahr. (Bild: zvg)

Europas grösstes Grümpi steht vor der Tür Weshalb eine schwäbische Fussballmannschaft nach Ägeri pilgert

4 min Lesezeit 03.07.2019, 17:57 Uhr

Seit 1950 findet in Unterägeri jährlich das inzwischen wohl grösste Grümpi Europas statt. Das Turnier in Ägeri ist so gross, dass in den besten Zeiten über 300 Teams teilnahmen. Die Teilnehmerzahl zu halten, ist allerdings zu einer Herausforderung geworden.

Es riecht nach Bier, Wurst und einem Hauch von Schweiss. Zu unserer Rechten spielen einige Teams amateurhaft Fussball, zu unserer Linken tanzen die Leute bereits auf den Tischen zur laut dröhnenden Musik. Jeder, der schon einmal am Ägeri Grümpi war, kennt das Bild. Als das grösste Grümpi Europas bezeichnet sich das OK selbst ganz unverfroren.

Jedes Jahr herrscht im Ägerital für drei Tage ein Ausnahmezustand. Heuer werden 241 Teams in Unterägeri Fussball spielen. Vor rund 15 Jahren war man noch auf dem Höhepunkt mit über 300 Teams, sagt OK-Präsident Michael Schwarzenberger. «Mit dem Slogan ‹Europas grösstes Grümpi› sind wir vor fünf bis sechs Jahren aufgefahren», ergänzt er.

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Inoffiziell das grösste Grümpi

Mit bis zu 700 Spielen in drei Tagen sei es sicher eines der grössten Grümpis. «Da es schwierig ist, das zu beweisen, sind wir inoffiziell das grösste Grümpi Europas. Das Gegenteil konnte uns aber auch noch niemand beweisen», so Schwarzenberger.

«Früher ist das OK jeweils noch von Grümpi zu Grümpi gegangen und hat dort verschiedene Teams angeworben.»

OK-Präsident Michael Schwarzenberger

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass ausgerechnet das Ägeri-Grümpi so gross wurde? Unterägeri ist keine Fussballmetropole, mit 20 Minuten Busfahrt von Zug etwas ab vom Schlag, und bekannt ist das Tal allenfalls als ehemaliger Kurort oder wegen des schönen Sees. Und doch melden sich Jahr für Jahr etliche Teams fürs Grümpi in Ägeri an.

1983 bereits über 300 Teams

Angefangen hat alles 1950, als der erst zwei Jahre zuvor gegründete Verein «Fussballclub Ägeri» sein erstes Grümpelturnier abhielt. Von da an nahm alles seinen Lauf. Weshalb das Grümpi so bekannt wurde, weiss auch Schwarzenberger nicht genau.

«Früher ist das OK jeweils noch von Grümpi zu Grümpi gegangen und hat dort verschiedene Teams angeworben», erklärt Schwarzenberger. Das mag zum Erfolg beigetragen haben. Klar ist: Bereits 1983 nahmen zum ersten Mal über 300 Mannschaften am Grümpi in Ägeri teil.

Das OK-Bau ist seit Dienstag mit dem Aufbau des Areals beschäftigt (von links: Fabio Elsener, Michael Schwarzenberger, Marco Schwarzenberger, Sandro Meier und Roman Blättler).

Das OK-Bau ist seit Dienstag mit dem Aufbau des Areals beschäftigt (von links: Fabio Elsener, Michael Schwarzenberger, Marco Schwarzenberger, Sandro Meier und Roman Blättler).

(Bild: zvg)

Seither waren die Besucherzahlen aber nicht immer konstant. Vor allem in den letzten sieben Jahren habe man einen starken Rückgang auf fast 200 Teams hinnehmen müssen. «Seit diesem Jahr geht der Trend aber wieder aufwärts, wir verzeichnen 35 Teams mehr als letztes Jahr», so Schwarzenberger.

EVZ gegen Kloten auf dem Rasen

Man habe auch viel dafür getan, wieder Leute anzulocken. Seit letztem Jahr kommt das Grümpi mit einem neuen Logo daher, im Allgemeinen wurde dem Auftritt ein frischer Anstrich verpasst. Via Social Media werde der Event ausserdem viel stärker beworben.

Wie letztes Jahr spielt auch heuer der EV Zug gegen den EHC Kloten. Am Freitagabend beweisen sich beispielsweise Lino Martschini und Johann Morant im Fussball. Am Samstag gibt es das im Vorjahr eingeführte Beerpong-Turnier, zu dem sich dieses Jahr 32 Teams angemeldet haben. Und am Sonntag einen Brunch.

«Ägerer sind entscheidend für Erfolg»

«Wir wollen ein breites Publikum ansprechen», so Schwarzenberger. Entsprechend habe man das Angebot etwas erweitert. «Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal eine Kategorie Familie, in der Jung und Alt zusammen spielen können.»

«Die Schwaben haben mich am Montag vor dem Abmarsch noch angerufen.»

Diese Vielseitigkeit mag Leute anlocken. Die Ägerer selbst seien aber auch sehr entscheidend für den Erfolg des Events. «Direkt nach der Fasnacht hört man die Ersten, die sich bereits wieder aufs Grümpi freuen.»

Grümpi als Treffpunkt

Am Grümpi gibt es jedes Jahr eine kurze «Festmeile» mit drei grossen Zelten – eine «Bierschwemme», die «Legends Bar» und das Festzelt. Die Ägerer kommen selbst in Scharen und dies meist nicht nur wegen des sportlichen Teils. Das Fest am Abend ist ein Treffpunkt, um jeden Ägerer wieder mal zu sehen, den man seit dem letzten Grümpi nicht mehr angetroffen hat.

Auch diese «Festmeile» vermag sicherlich zu locken, am Ende wird es aber die Kombination aus all diesen Punkten sein, die Leute aus allen Winkeln der Schweiz anzieht. Es gebe etliche Teams, die alljährlich vorbeikommen, sagt der Grümpi-Chef.

Von Schwaben nach Ägeri – zu Fuss

Ein Team sei letztes Jahr zum fünfzigsten Mal dabei gewesen. Am Grümpi in Unterägeri trifft man jedes Jahr auf Bündner, Appenzeller und sogar Genfer. Doch der Besucheransturm macht nicht an den Schweizer Grenzen halt.

Dieses Jahr komme ein Team aus dem Schwabenland zum zwanzigsten Mal. «Die Schwaben haben sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht, sie kommen dieses Jahr zu Fuss nach Unterägeri», erzählt Schwarzenberger. Sie hätten ihn deshalb, am Montag vor dem Abmarsch, noch angerufen.

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