Weshalb die Tangente zu mehr Tempo 30 in Baar führen könnte
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So sieht die Tangente Zug/Baar von oben aus. (Bild: zVg)

Das sagen die Baarer Ortsparteien zur neuen Strasse Weshalb die Tangente zu mehr Tempo 30 in Baar führen könnte

4 min Lesezeit 2 Kommentare 29.01.2021, 17:03 Uhr

Die Eröffnung der Tangente Zug/Baar im Frühsommer soll dem Zentrum von Baar ein Drittel weniger Verkehr bescheren. Die Lokalparteien machen sich nun Gedanken, was sie von den flankierenden Massnahmen zur Eröffnung der Strasse halten wollen. Die Meinungen gehen zwar teilweise diametral auseinander, dennoch sind zwei Stossrichtungen erkennbar.

Auf Strassen fliesst Verkehr. Damit jener auf der neuen Tangente Zug/Baar, welche im Juni eröffnet wird, in den richtigen Bahnen verläuft, wurden 2008 – zum Zeitpunkt der Abstimmung übers Strassenprojekt – flankierende Massnahmen ersonnen. Damit sollte der Mehrverkehr von nahen Wohnquartieren ferngehalten werden, wie im Fall der Inwilerriedstrasse. Oder er sollte auf ein erträgliches Mass reduziert werden, wie bei der lärmgeplagten Ägeristrasse. Hinzu kam später der Vorstoss, die Rigistrasse zu schonen (zentralplus berichtete).

Nun, da die Eröffnung der Tangente näherrückt, läuft die Diskussion um die flankierenden Massnahmen an. Auf Wunsch der örtlichen CVP thematisierten Vertreter der Baarer Parteien im Lokalblatt «Zugerbieter» jüngst ihre Erwartungen.

Das Parteiprinzip hochhalten

Remo Sonderegger, Vorstandsmitglied der Baarer FDP, fand, es sei noch zu früh, um etwas zu den flankierenden Massnahmen zu sagen. Man müsse erst abwarten, welche Auswirkungen die Eröffnung der Tangente habe. Aber jetzt schon positionierte er sich gegen weitere temporeduzierende oder verkehrsbeschränkende Massnahmen in Baar. Das sei kontraproduktiv.

«Es gilt, die versprochenen Vorteile voll zu nutzen.»

André Guntern, ALG Baar

Ähnlich ideologisch argumentierte Rohani Yener von der SP. Zusätzliche Strassen brächten zusätzlichen Verkehr, daher sei man gegen die Tangente gewesen. Nun gelte es die Attraktivität des Durchgangsverkehrs in Baar zu senken, den öffentlichen Verkehr auszubauen und das Velowegnetz zu fördern.

Profitieren, wo es geht

Differenzierter äusserte sich André Guntern, Präsident der Alternative – die Grünen von Baar. Die Tangente durchschneide die Grün- und Erholungszone zwischen Baar und Inwil. Aber jetzt, wo die Strasse für viel Geld gebaut worden sei, gelte es «die versprochenen Vorteile voll zu nutzen». Dazu gehöre in erster Linie, den Durchgangsverkehr mit einer klaren Signalisation konsequent auf die Umfahrungsstrassen zu leiten, findet Guntern. Dies ist im Fall der Ägeristrasse nicht vorgesehen. Sie soll weiter den Verkehr von den Berggemeinden in Richtung Albis schlucken respektive entsprechend signalisiert werden.

Ägeristrasse beim Dorfeingang in Baar.

Guntern fordert einen «teilweisen Rückbau der Ägeristrasse sowie Tempo 30 auf den Zufahrtsachsen». Dank weniger Autoverkehr gebe es mehr Platz für alle, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind. Die Verkehrsberuhigung im Zentrum bringe auch mehr Wohn- und Aufenthaltsqualität.

Tempo 30 auf der Ägeristrasse

Ähnlich äussert sich das CVP-Vorstandsmitglied Dominik Baresic. Die Ägeristrasse soll von der Tangente profitieren können. «Dafür sind flankierende Massnahmen wie bauliche Anpassungen oder Temporeduktionen nötig.» Ausserdem könne mit der Einführung von weiteren Tempo-30- oder Begegnungszonen der verkehrsberuhigende Effekt verstärkt und damit die Sicherheit der Baarerinnen und Baarer erhöht werden.

Womit wir bei der zweiten gemeinsamen Stossrichtung der Parteien wären. Bekanntlich möchte der Baarer Gemeinderat die Attraktivität des Dorfzentrums erhöhen und macht sich dazu Gedanken (zentralplus berichtete). Einer komplette Verkehrsbefreiung stehen die Planer skeptisch gegenüber. Diese würde nach ihrer Meinung das Risiko beinhalten, dass etwa die Dorfstrasse verödet. Aber Mischformen und innovative Ideen sind gefragt.

Dorfstrasse in Baar.

Belebung des Dorfkerns

Hier könnte die Tangente einen Impuls auslösen. Der grünliberale Kantonsrat Martin Zimmermann findet, nicht nur die Dorfstrasse, sondern auch die Markt- und die Neugasse könnten umgestaltet werden. «Liegt eventuell sogar eine Fussgängerzone zwischen dem Restaurant Cheers und der Kantonalbank drin?», fragt er. Die Anlieferung könne erlaubt und Kundenzufahrt für die Ladengeschäfte vom Kino Lux und von der Poststrasse her geprüft werden.

Bei der SVP sieht man es anders. Stephan Rogger, Mitglied der Planungskommission, ist gegen weitere verkehrsberuhigende Massnahmen. Er möchte auch erst die Gesamtsituation im Rahmen der anstehenden Ortsplanungsrevision beurteilt sehen. Aber im Prinzip teilt er das eigentliche Ziel von Martin Zimmermann. «Generell begrüsse ich eine Verkehrssituation, welche einen belebten Dorfkern mit florierendem Gewerbe unterstützt», sagt Rogger.

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2 Kommentare
  1. kaalro, 29.01.2021, 21:48 Uhr

    30er Zonen sind an den meisten Orten zweckmässig wo Mischverkehr und Mischzonen sind. Zumeist trifft das sicher auf Quartier- und auch den Durchfahrtsstrasse in Baar zu. Ein schnelleres Durchfahren ist in diesen Fällen völlig sinn- und zwecklos und bringt keinen Zeitgewinn. Übrigens auf der Tangente wird’s auch nicht viel schneller gehen, zu viele Knoten und Ampeln sind eingebaut. Und die Hoffnung, das plötzlich viel weniger Verkehr durch Baar fahren wird ist klein. Baar wird auch die nächsten Jahre wachsen und die Leute wollen sich bewegen – am liebsten auf vier Rädern.

  2. Sven Walther, 29.01.2021, 20:39 Uhr

    Zusätzliche 30er Zonen sind ja gut und recht. Viel wichtiger wäre aber, dass man das bestehende Regime endlich durchsetzt. In Baar kann man jederzeit ungestraft mit 50 oder mehr in der 30er Zone z.B. am Polizeiposten vorbeifahren. Die Dorfstrasse präsentiert sich ebenfalls als kleines Raserparadies.
    Ein Schelm der denkt, das nicht-Kontrollieren der Geschwindigkeitslimiten habe System und man verfolge damit eine politische Agenda.

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