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Weshalb der TCS die neuen Massnahmen «gewerbefeindlich» findet
  • Politik
In Teilen der Innenstadt sind die Parkplätze dauernd durch Anwohner belegt. (Bild: jwy)

Luzerner Stadtrat will Parkplatzsystem erneuern Weshalb der TCS die neuen Massnahmen «gewerbefeindlich» findet

3 min Lesezeit 3 Kommentare 20.05.2020, 11:11 Uhr

Der Stadtrat will das Parkieren in der Luzerner Innenstadt neu regeln – und unter anderem das Gewerbe unterstützen. Der TCS erachtet die Massnahmen als kontraproduktiv und «gewerbefeindlich».

Am Dienstag stellte der Stadtrat seine Massnahmen für ein neues Parkplatzsystem in der Luzerner Innenstadt vor. Wo, wann und wie lange ein Auto in Luzern stehen darf, wird neu geregelt. Parkieren wird zwar teilweise teurer, gleichzeitig soll das Gewerbe profitieren (zentralplus berichtete). Unter anderem gilt: Wer länger als eine Stunde parkieren will, soll ins Parkhaus. Im Zentrum kann generell nur noch 60 Minuten geparkt werden. Damit will der Stadtrat mehr Kurzzeitparkplätze für das Gewerbe und deren Kundschaft frei machen.

TCS kritisiert Pläne harsch

Gar keine Freude an dieser Lösung hat der TCS. Dieser ist überzeugt, dass die vorgestellten Massnahmen kontraproduktiv sind. «Der Stadtrat spricht schönfärberisch von Optimierungen, wir sehen massive Verschlechterungen, die diese Massnahmen mit sich bringen», sagt Alexander Stadelmann, Geschäftsführer der TCS-Sektion Waldstätte.

Der TCS kritisiert primär, dass mehr Kurzzeitparkplätze geschaffen werden und für Anwohner weniger Dauerparkkarten ausgegeben werden. Die Massnahmen würden Nachteile für alle bringen, ist man überzeugt: Für Quartierbewohner und Gäste, für Fussgänger und Velofahrer, für Automobilisten – und ausgerechnet das Gewerbe, welches der Stadtrat durch die neuen Massnahmen unterstützen möchte.

«Massnahmen sind gewerbefeindlich»

Was hätte sich denn der TCS für Lösungen erwartet? Mehr Parkplätze können ja in einer dicht besiedelten Stadt wie Luzern auch nicht die Lösung sein. Der TCS-Geschäftsführer winkt ab. Insbesondere stört er sich daran, dass die Stadt die durchschnittliche Parkzeit von bis zu 90 auf 30 Minuten reduziert. «Bestehende Parkplätze sollen sinnvoll bewirtschaftet werden – eine durchschnittliche Parkzeit von 30 Minuten reicht schlichtweg nicht», sagt Stadelmann gegenüber zentralplus. «Viel sinnvoller wäre eine durchschnittliche Parkzeit von 60 bis 90 Minuten.»

«Eine halbe Stunde reicht unmöglich für einen Arztbesuch, einen Einkauf mit Beratung oder ein Mittagessen.»

Alexander Stadelmann, Geschäftsführer TCS-Sektion Waldstätte

Eine maximale Parkdauer von 30 Minuten sei «gewerbefeindlich», so Stadelmann weiter. «Eine halbe Stunde reicht unmöglich für einen Arztbesuch, einen Einkauf mit Beratung oder ein Mittagessen.» Zudem würden Kurzzeitparkplätze automatisch zu mehr Zu- und Wegfahrten führen. Dabei sei es wichtig, dass in den Quartieren kein Zusatzverkehr entstehe. Mit den neuen Massnahmen passiere genau das Gegenteil, befürchtet Stadelmann.

«Abbau von Parkplätzen durch die Hintertür», so der TCS

Weiter kritisiert der TCS, dass das Parkieren in der Innenstadt «massiv teurer» wird. Viele Parkplätze sollen neu das Doppelte kosten. Gleichzeitig stünden immer weniger oberirdische Parkplätze zur Verfügung. In absehbarer Zeit verschwinden an der Bahnhofstrasse und am Pilatusplatz 85 Parkplätze.

Dies sei erst der Anfang, kritisiert Stadelmann: «Wenn der Individualverkehr durch die Massnahmen zunimmt, kommt dies dem Stadtrat nicht ungelegen. Der Stadtrat hat gemäss Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität dafür zu sorgen, dass der Autoverkehr nicht zunimmt. Ist dies dennoch der Fall, hat er ein gutes Argument, weitere Parkplätze abzubauen.» Und er fährt fort: «Auf uns wirkt das wie ein Abbau von Parkplätzen durch die Hintertür.»

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3 Kommentare
  1. CScherrer, 22.05.2020, 10:15 Uhr

    Beim TCS geistern sie noch rum, die ewig gestrigen Parkplatz-Fetischisten, die noch immer nicht begriffen haben, dass der motorisierte Individualverkehr der Grund für Stau und die Verkehrsproblematik in der Stadt ist. So ist es vollkommen richtig, dass Parkplatz-Gebühren erhöht resp. Parkplätze abgebaut werden. Es hat in der Stadt genügend Parkhäuser. Vermutlich geht aber bei den meisten Autofahrer der grosse Teil des Geldes für die Leasingrater drauf. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig für das Parkieren.
    Das Auto hat in den Innenstädten nichts mehr verloren.

  2. Andreas Peter, 20.05.2020, 11:49 Uhr

    Der TCS hat natürlich vollkommen recht.
    Die Frage ist, warum die Stadt Luzern linksgrünextrem geworden ist.
    Warum wählen die Luzerner diese Politiker? Wie lange kann das gut gehen?
    Ich habe Angst.

    1. CScherrer, 22.05.2020, 10:44 Uhr

      Die Tatsache, dass das der motorisierte Individualverkehr verantwortlich für den Stau und die Verkehrsproblematik ist, sollte nun jedem endlich klar sein.
      Warum wir den Stadtrat wählen, wie er ist? Weil dieser Stadtrat sehr gute Arbeit leistet und im Sinne der Stadtbevölkerung arbeitet. Das ist gut so, denn die Stadtregierung ist alles andere als rückwärts gewandt.

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