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Werner Bischof: Fotograf und Ästhet von internationalem Rang
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Der Indo-Bube mit Flöte. Das wohl berühmteste Bild von Werner Bischof. (Bild: Werner Bischof )

Ausstellung im Museum Bellpark in Kriens Werner Bischof: Fotograf und Ästhet von internationalem Rang

4 min Lesezeit 25.08.2018, 14:11 Uhr

Das Museum im Bellpark in Kriens zeigt in der Ausstellung «Standpunkt» eine Auswahl aus dem grossen Werk des Fotografen Werner Bischof. Der international erfolgreiche Fotoreporter reiste während nur neun Jahren um die Welt, fotografierte Menschen, schrieb, zeichnete und schuf mit seinen Bildern Ikonen.

Werner Bischof (1916-1954) gehörte nicht zu jenen fliegenden Reportern, die auf der Suche nach immer neuen Katastrophenbildern durch die Gegend rasten. Eigentlich wollte er auch Maler werden, hätten ihn nicht sein Vater und später der Krieg daran gehindert.

Vielleicht gerade deswegen wurde  aus ihm ein international erfolgreicher Fotograf, einer der ganz grossen Reportagefotografen aus dem letzten Jahrhundert. Seine Schaffenszeit ist kurz und intensiv: Während nur 18 Jahren entsteht sowohl in ästhetischer als auch in menschlicher Hinsicht ein  überzeugendes, beeindruckendes Werk. Jetzt zeigt die  Ausstellung «Standpunkt» im Bellpark Kriens eine repräsentative Auswahl aus dem umfangreichen Nachlass.

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Ein malender und schreibender Fotograf

Werner Bischof starb mit 38 Jahren bei einem tragischen Autounfall auf der Fahrt durch die Anden. «Was geblieben ist, sind seine Bilder, von denen viele zu Ikonen wurden und Eingang ins kollektive Gedächtnis fanden», sagt der Museumsleiter Hilar Stadler an der sehr gut besuchten Vernissage.

Bischof hinterliess damals aber auch seine Frau Rosellina und zwei kleine Buben. Der ältere, Marco Bischof, der die «Werner Bischof Estate» betreut, ist an der Vernissage in Kriens anwesend. Er wird in den folgenden Wochen mehrmals durch die Ausstellung führen und die Originale, Kontaktabzüge, Tagebucheinträge, die Briefe und Zeichnungen seines Vaters sowie die zwei Videos, die den Menschen Werner Bischof und seine Zeit ins Zentrum rücken, erläutern und kommentieren.

Sorgfältiger Bildaufbau mit hohen ästhetischen Ansprüchen

Nach seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Zürich eröffnet Bischof 1936 sein eigenes Atelier in Zürich. Geprägt durch die Bauhaus-Schule der Neusachlichkeit, die sein Lehrer Hans Finsler in der neu gegründeten Fotoklasse vermittelte, bestechen bereits seine frühen Studioarbeiten durch einen sorgfältigen Bildaufbau, die Genauigkeit des Details sowie die Sichtbarmachung von Oberflächenstruktur und Materialität.

Stadler beurteilt diese im Eingansbereich ausgestellten Arbeiten im Gegensatz zur gängigen Meinung, nicht einfach als Lehrstücke: «Schon die sogenannten «Schnäggehüslibilder» mit den differenzierten Schwarz-Weiss Schattierungen sowie der gestochen scharfen Oberflächenstruktur zeugen von einem hohen ästhetischen Anspruch.»

Führungen und Podiumsdiskussionen

Die Ausstellung «Standpunkt» wurde 2016 durch die Magnum Fotoagentur Paris sowie der Werner Bischof Estate zum 100. jährigen Geburtstag konzipiert. Im Bellpark in Kriens dauert die Schau bis am 4. November 2018, zahlreiche Führungen und Podiumsdiskussionen sind unter www.bellpark.ch einzusehen. Die dazu erschienene Monografie «Werner Bischof. Standpunkt» ist an der Museumskasse erhältlich.

In neun Jahren um die ganze Welt

Vor und während des Krieges, insgesamt neun Jahre, arbeitet Werner Bischof in der Schweiz. Zu den Studioarbeiten kommen Werbe- und Modefotografien sowie Naturaufnahmen. Über zwei Jahre ist er als Reporter im Aktivdienst.

Ab 1942 wird Bischof ständiger Mitarbeiter der Monatszeitschrift «Du», wo unter anderem grossangelegte Fotoreportagen über das zerstörte Europa veröffentlicht werden. Denn kaum werden nach Kriegsende die Grenzen geöffnet, bricht Werner Bischof mit Fahrrad und Kamera auf nach Süddeutschland.

Die grosse Not lässt Bischof nicht kalt, in Polen schreibt er in sein Tagebuch: «Wenn es mir gelingt diese [grossen Probleme] in und mit den Kindern zu schildern, dann mache ich eine rein soziale und gleichzeitig europäische Arbeit.» 1949 tritt Bischof der Kooperative Magnum Photos in Paris bei, für welche er 1951 die grosse Hungersnot in Indien dokumentiert.

Mit dieser Reportage für das  amerikanische Magazin «Life»  gelingt ihm der internationale Durchbruch. Seine letzte Reise führt ihn 1954 von den USA über Mexiko nach Südamerika. Auf all seinen Reisen entstehen Ikonen, wie etwa die im Schnee spazierenden Priester in Tokio, «Shinto Priester im Hof des Meiji-Schreins» oder der Knabe mit der Flöte «Auf dem Weg nach Cuzco»; beide sind im Bellpark ausgestellt.

Internationaler Durchbruch führt zu Zweifeln

1951 hält sich Bischof im Auftrag von «Paris Match» in Indochina (heute Laos, Vietnam und Kambodscha) auf. Sein Auftrag heroische Bilder der französischen Kriegstruppen zu liefern führt Bischof in eine tiefgreifende Krise. So schreibt er 1952 an seine Frau Rosellina: «Ich zweifle viel in letzter Zeit,.[…] Ich bin irgendwie am Ende.

Im selben Jahr schreibt er aus Korea über die «Schlachthof-Hyänen», die Kriegsreporter: «Die meisten sehen nur, was die Weltpresse schockieren könnte, sie vergessen, dass noch menschliche Seelen ohne Uniform existieren.»

Marco Bischof erzählt, wie sein Vater in dieser inneren Zerrissenheit aus dem Zug springt um zwei Wochen im kleinen Dorf Barau in Indochina zu verbringen: «Um das Vertrauen der Dorfbewohner zu gewinnen, begann mein Vater zu zeichnen und die Kinder waren die Ersten, die sich in die Nähe des Fremden wagten.»

Gerade die Bilder, Notizen und und Skizzen aus diesem Dorf zeigen Bischofs sozial engagiert dokumentarischen Ansatz. Die Asienbilder, auch über Korea, Hongkong und Japan, wo Bischof eine geistige Heimat fand, wie Stadler in seiner Eröffnungsrede sagt, sind im Obergeschoss versammelt.

Im Untergeschoss schliesslich sind die farbigen und einzig neu erstellten Prints aus den USA und aus Peru ausgestellt. Während er in den USA die pulsierende Modernität, die Massenanfertigung von Autos, die Autobahnen und das Leben in der Grossstadt mit seiner Kamera einfing, faszinierte ihn in Peru die Kultur der Inkas. Stadler sagt es so: «Werner Bischof war ein Mensch auf der Suche nach der Harmonie zwischen Mensch und Natur.»

Sehen Sie weitere Bilder in der Bildstrecke:

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