Werkschau macht Home-Schooling
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«Sweet Nothing» von Marie Kenov und Joana Fischer an der Werkschau 2020. (Bild: HSLU Design & Kunst)

Arbeiten der Hochschule Luzern online ausgestellt Werkschau macht Home-Schooling

3 min Lesezeit 24.06.2020, 11:05 Uhr

Aufgrund der Corona-Einschränkungen musste die diesjährige Werkschau der Hochschule Luzern Design & Kunst ganz in den digitalen Raum verlegt werden. Dies hat Vor- und Nachteile. Zwar sind die Bachelor- und Masterarbeiten von überallher zugänglich. Sie verlieren durch diese Ausstellungsform jedoch an Individualität.

Nachdem die HSLU Design & Kunst ihren Standort vollständig in die Viscosistadt in Emmenbrücke verlegt hat, sollte die Werkschau nun erstmals an der Hochschule selbst und weiteren Orten in der Stadt Luzern stattfinden. Aufgrund der Corona-Pandemie folge nun stattdessen eine andere Premiere: Die wwwerkschau findet dieses Jahr ausschliesslich online statt. Auf ihrer Webseite findet man neben den Arbeiten der Studierenden auch Zugang zu zahlreichen Online-Veranstaltungen.

wwwerkschau HSLU 2020

Das Online-Festival der Werkschau der HSLU Design & Kunst 2020 dauert noch bis 27. Juni. Danach bleiben die Veranstaltungen und Arbeiten noch eine Weile abrufbar.

Digitale Ausstellung Hauptelement

Mit einem Weblaunch wurde die Werkschau zum Thema «Kunst.Macht.Schule» eröffnet. Unter anderem beantworteten die Studiengangsleiterin Sabine Gebhardt-Fink und Peter Spielmann, der Projektleiter des Masterabschlusses Kunst 2020, in einer live übertragenen Veranstaltung, ähnlich einer Talkshow, die Fragen des Moderators. Auf die Gespräche folgte eine virtuelle Tour durch die Ausstellung.

In dieser virtuellen Vernissage, unterbrochen von mehreren technischen Schwierigkeiten (nicht nur Kunst, sondern auch Technik macht Schule) präsentierten einige Studierende ihre Arbeiten über Videotelefonie. Auf dem Stundenplan – ganz im Sinne von Kunst macht Schule – stehen verschiedene Fächer wie Natur- und Menschenkunde oder Wahrnehmungskunde, zu welchen Referate und Gespräche geführt werden. Den grossen Teil der Werkschau macht jedoch die digitale Ausstellung aus. Alle Abschlussprojekte der Studierenden können abgerufen und virtuell betrachtet werden. In einem Newsfeed wird der Fokus auf ausgewählte Arbeiten gerichtet, die von Studierenden in kurzen Videos vorgestellt werden.

Vielfältige Arbeiten

Unter den Arbeiten findet sich etwa der Abschlussfilm von Marion Täschler. Sie hat Animation studiert und trifft mit ihrem Film «Alleswasichberühre» ungeplant den Puls der Zeit. C, der Protagonist ihres Animationsfilms, begibt sich auf die Suche nach Nähe. Auf seine Berührungen reagiert sein Umfeld jedoch mit Ablehnung. Mit einem skizzenhaften Strich und einem undeutlich bleibenden Hintergrund erzählt Marion Täschler eine Geschichte von Einsamkeit und der Suche nach Geborgenheit.

«Alleswasichberühre» von Marion Täschler

Die Objektdesign-Studentin Paula Caviezel hat sich ebenfalls mit einem sehr aktuellen Thema auseinandergesetzt. Ihr Projekt «Unknown» beinhaltet drei Objekte, die das Erkennen von Gesichtern durch Gesichtserkennungssoftwares verhindern. Ihr Ziel war es, das Gesicht mit Hilfe von Masken so zu verändern, dass es durch ein System nicht mehr erkannt werden kann. Mit ihrer Arbeit betont sie unser Recht auf Privatheit, auch im öffentlichen Raum.

«Unknown» von Paula Caviezel

Alle Arbeiten der 192 Design-, Film- und Kunststudierenden werden auf einer übersichtlichen Plattform mit Bildern, kurzen Texten und vereinzelt auch Videos vorgestellt. Die Studierenden geben nicht nur Einblick in ihre persönlichen Schaffens- und Denkprozesse, sondern lösen auch bei Betrachtern Denkanstösse aus. Die sehr unterschiedlichen und vielfältigen Arbeiten greifen verschiedene Themen auf, wobei immer auch der ästhetische Charakter der Projekte einen besonderen Wert hat.

Eine angemessene Alternative

Wer einmal an der Werkschau in der früheren Austragungsstätte Messe Allmend war, weiss, wie diese durch die Arbeiten der Studierenden zu einem riesigen Raum voller Kreativität verwandelt wird. Diese Wirkung schafft es die digitale Werkschau nicht zu erreichen. Die Arbeiten, die alle ähnlich strukturiert vorgestellt werden, verlieren etwas an Individualität.

Doch angesichts der Situation ist diese Lösung wohl der beste Weg, den Arbeiten der Studierenden trotz den besonderen Umständen ihre verdiente Wertschätzung zu geben. Und die Ausstellung hat den Vorteil, dass sie immer und überall zugänglich ist.

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