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Werke der Aborigines  anders als gewohnt
  • Kultur
  • Rezension
Angelina Luck Apetyarr, Kelo, Acryl auf Leinwand. (Bild: Marinella Polli)

«My mother country»: Australien im Kunsthaus Zug Werke der Aborigines anders als gewohnt

4 min Lesezeit 28.09.2019, 13:16 Uhr

Seit diesem Samstag zeigt das Kunsthaus Zug eine Ausstellung australischer Werke. Zu sehen ist eine Sammlung mit rund 50 zeitgenössischen Aborigines-Malereien, die ein Zuger Ehepaar während Reisen auf dem fünften Kontinent erworben hat. Ergänzt wird die Sammlung durch eine Einzelausstellung der Malerin Emily Kame Kngwarreye. Im Mittelpunkt stehen jedoch nicht die den meisten Australienreisenden sattsam bekannten kunsthandwerklichen Produkte wie Speere, Masken, Totems oder Werkzeuge.

Die Kunst der Aborigines, bekannt auch als «Aboriginal Art», ist sicher eine der ältesten ununterbrochen bestehenden Kunsttraditionen und umfasst, von den archaischen Felsmalereien bis zu den heutigen Kreationen, eine stolze Zeitperiode von 40’000 Jahren.

Für die meisten von uns ist die Kultur der australischen Ureinwohner fast exklusiv aus dem anthropologischen Gesichtspunkt von Interesse gewesen. Andere kennen eher die eben erwähnten Felsmalereien oder aber die (nur selten authentischen) oben erwähnten kunsthandwerklichen Produkte, die in Australien in den Touristenläden in Hülle und Fülle erhältlich sind.

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Die heutige Kunst der Aborigines

Die moderne Kunst der Aborigines ist hingegen fast nur Kunsthistorikern, Spezialisten und Kunstsammlern bekannt. Was nun in der von Matthias Haldemann kuratierten Ausstellung im Kunsthaus Zug zu sehen ist – die erste thematische Präsentation von moderner Aborigines-Malerei überhaupt in einem Schweizer Museum –, birgt deswegen grosses Überraschungspotenzial.

Beim Betreten der neu eröffneten Exposition merkt man in der Tat in ein paar Sekunden, dass es sich hier nicht um dekorative oder folkloristische Objekte handelt, nicht um farbige Reihenfolgen von Punkten, Kreisen, Linien, Flecken, sondern um hochkarätige Kunstwerke, die einen Sinn und ihre eigene Botschaft beinhalten.

Zu sehen sind Werke, die durchaus eine Reflexion erlauben und somit einen höheren künstlerischen Anspruch an sich selbst haben. Meist mit Acrylfarbe auf Leinwand realisierte abstrakte Bilder, in welchen nichts zufällig ist: weder die Labyrinthe aus farbigen, filigranen Netzen von Linien und Kreisen noch – wenn es sich um Dot-Painting (Punktmalerei) handelt, wie es oft der Fall ist, – die Tausenden Punkte und ihre Aneinanderreihung. Last but not least, Kunstwerke, welche heute in wichtigen Kunstmuseen und Galerien Australiens und der ganzen Welt gezeigt werden, in Kunstkreisen sehr geschätzt sind und bei Auktionen hohe Preise erzielen.

Bedeutende Sammlung eines Zuger Ehepaars

«My Mother Country – Malerei der Aborigines» ist der Titel der ergreifenden Zuger Ausstellung. Sie umfasst rund 80 Werke von 50 Künstlerinnen und Künstlern (die Mehrheit der Werke stammt von Frauen) aus der Zeitspanne von 1998 bis 2008 aus der Sammlung von Pierre und Joëlle Clément sowie weitere Werke australischer Privatsammlungen.

Das Ehepaar Joëlle und Pierre Clément, wohnhaft im Kanton Zug, reiste oft in die Gebiete der Aborigines im Northern Territory von Australien, um so viel wie möglich persönliche Kontakte mit den Künstlern anzuknüpfen. Wie das sichtlich passionierte Sammler-Ehepaar erzählt, «nur wenn man sich Zeit nimmt, um den Künstlern zuzuhören, versteht man wirklich ihre Kunst». Nur dann sieht man die hohe Dichte der verborgenen Geheimnisse, welche diese oft aus der Vogelperspektive dargestellten Bilder beinhalten, sowie wie viel sie symbolisieren.

Michele Holmes Apweil, Atnaw and Ilwemo, Waterhole and Ghost, 2003, Acryl auf Leinwand

Mal ist es das Wasser, mal sind es die Lebensbäume, mal schwierige, mal fröhliche Situationen, mal die wichtigen Ereignisse in der Geschichte ihrer Vorfahren oder ihre individuellen Wertvorstellungen, Gefühle und Empfindungen. Dazu kommen ihre Wurzeln und ihre Identität sowie auch ihre grosse Verbundenheit mit der Natur und ihre Weise, mit ihr zu kommunizieren. Mal sind es auch Legenden, Mythen, Zeremonien, Rituale und der Bezug auf die Ahnengeister, die in den Werken verarbeitet sind. Diese stehen natürlich in Verbindung mit der sogenannten «Dreamtime» und werden oft einfach als «Dreamings» bezeichnet. Immer ist es erstaunlich, wie modern, zeitlos und universell diese Werke jedoch wirken.

Werke von Emily Kame Kngwarreye

In Kooperation mit den Privatsammlern Janet Holt und Peter de Campo ist eine zweite Schau speziell 20 Werken von Emily Kame Kngwarreye aus australischen Sammlungen gewidmet. Das heisst, einer bedeutenden und heute international gefeierten Künstlerin (1910–1996), die in der Region Alice Springs aufgewachsen ist.

Sie wurde erst im Alter von 80 Jahren dank ihres sehr persönlichen Stils, einer Mischung aus Tradition und zeitgenössischer Malerei, als Kunstmalerin anerkannt, wenn auch nicht immer von allen Kunstkritikern. Ihr Schaffen wurde in den Biennalen von Venedig in den Jahren 1997 und 2015 gezeigt und ist in wichtigen Sammlungen australischer und amerikanischer Kunstmuseen vertreten.

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