Gesellschaft

Initiative gegen die Knallerei geplant
Laute Silvesternächte in Zug: Jetzt regt sich Widerstand

  • Lesezeit: 5 min
  • Kommentare: 3
Was von der Nacht übrig blieb: Eine Menge Feuerwerks-Abfall. Immerhin auf einem Haufen.
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Was von der Nacht übrig blieb: Eine Menge Feuerwerks-Abfall. Immerhin auf einem Haufen. (Bild: wia)

Während sich viele Familien an Silvester mit einer Tischbombe zufriedengeben, holen andere an diesem Tag die grossen Geschütze hervor. So wurde es in der Silvesternacht in den Zuger Gemeinden teilweise sehr laut. Lauter als in den vorhergehenden Jahren, behaupten einige. Produzenten und Grossverteiler widersprechen nicht.

Das neue Jahr ist schon beinah wieder kalter Kaffee, trotzdem hört man in Zug immer noch die eine oder andere schockierte Person, die sich kopfschüttelnd enerviert: «So schlimm wie dieses Jahr war es noch nie mit der Böllerei!» Insbesondere empören sich diese Menschen darüber, dass sich das Zünden von Feuerwerk nicht nur auf den Silvesterabend beschränkte, sondern schon am 30. Dezember begann und vereinzelt sogar noch bis am Abend des 3. Januars andauerte. Für Haustiere sowie deren Halterinnen ein Graus.

Auch in Zuger Facebook-Foren wird heuer über das Thema diskutiert. «Ich habe leider vor lauter Knallerei keinen einzigen Glockenschlag gehört, als die Kirchenglocken das neue Jahr einläuteten», enerviert sich eine Baarerin in der Gruppe «Du bisch vo Baar wenn …». Sie bedauert, dass die alten Traditionen versanden würden. Denn früher, so beteuert sie, sei die «Knallerei» nur am 1. August zu hören gewesen. Die Worte der Userin finden von vielen Seiten Zuspruch.

Verstörte Tiere, viel Abfall

«Nach dem, was an Silvester los war, muss dringend etwas unternommen werden», fordert eine weitere Person in der Gruppe «Zuger Tierfreunde». Mitten im Dorf sei geballert worden, und das während dreier Tage, ärgert sich eine weitere Nutzerin. Ihre Tiere seien völlig verstört und überall liege nun Feuerwerksabfall (zentralplus berichtete). Nur wenige Kommentierende empfinden die Feuerwerksgeschosse als unproblematisch und plädieren für Toleranz.

«Die Migros Luzern verzichtet schon seit 2019 auf den Verkauf von Feuerwerk.»

Lisa Savenberg, Medienverantwortliche Migros Luzern

Dass es in der Region um den Jahreswechsel herum ziemlich laut wurde, ist sowieso unbestritten. Doch wird das Abfeuern von Böllern und Raketen tatsächlich immer extremer?

Detailhändler geben sich bedeckt, aber «sehr zufrieden»

Einen Hinweis darauf geben die Antworten von Detailhändlern auf unsere Anfrage. Zwar setzen nicht alle Grossverteiler auf dieses laute Pferd. «Die Migros Luzern verzichtet schon seit 2019 auf den Verkauf von Feuerwerk. Damit möchten wir einen Teil zur Entlastung von Umwelt, Mensch und Tier beitragen», erklärt Sprecherin Lisa Savenberg gegenüber zentralplus.

Anders sieht es bei Coop aus. Zwar hält man sich dort aus Konkurrenzgründen bedeckt. So viel jedoch verrät die Medienverantwortliche Mirjam Arnold: «Generell können wir sagen, dass wir mit dem Feuerwerksverkauf sehr zufrieden sind, auch im Vergleich zum Vorjahr.»

Hersteller freut sich

Und wie sieht es an der Quelle aus? Die Firma Bugano im Luzernischen Neudorf hat sich der Produktion und dem Vertrieb von Feuerwerk verschrieben. Geschäftsführer Daniel Bussmann erklärt auf Anfrage: «Wir sind sehr zufrieden mit dem Handel vor Silvester. Der Verkauf lief besser als in den Jahren davor.» Anders sehe es aus beim Geschäft mit dem Grossfeuerwerk. «Diese fanden in den letzten zwei Jahren aufgrund der Pandemie kaum statt.»

Die Aussagen von Coop und Bugano deuten darauf hin, dass in der Silvesternacht tatsächlich mehr Feuerwerke gezündet wurden als in den vergangenen Jahren. Dies wiederum unterstützt die Behauptung, dass es in Zug an Silvester immer lauter wird.

Fakt ist, dass man sich nicht nur in Zug über das Ablassen von Feuerwerk ärgert. Derzeit steckt auf nationaler Ebene eine Volksinitiative mit dem Titel «Für eine starke Einschränkung von Feuerwerk» in den Startlöchern. Diese fordert, dass der Verkauf und die Verwendung von Feuerwerkskörpern, die Lärm erzeugen, grundsätzlich verboten wird.

Einschränkung reiche nicht, finden Initianten

Tatsächlich sei das Ablassen von Feuerwerk in den meisten Gemeinden zwar nur am Nationalfeiertag und an Silvester gestattet, äussert sich Judith Aklin, die Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei. «An den übrigen Tagen darf nur ein Feuerwerk zünden, wer über eine Bewilligung dazu verfügt.» In der Realität sieht die Sache bekanntlich anders aus. Das kritisieren auch die Initianten der Initiative. Sie sind der Ansicht, dass eine Einschränkung allein nicht reicht, weil diese niemanden kümmere.

«Die angenommene Initiative würde das Ende unserer Firma bedeuten.»

Daniel Bussmann, Geschäftsleiter Bugano

Das vermutlich bekannteste Gesicht hinter der Initiative ist Mister Corona Daniel Koch. Das ist kein Wunder, Koch ist selbst Hundehalter und sogar ausgebildeter Hundetrainer.

Produzent ist besorgt

Zur geplanten Initiative findet Daniel Bussmann von der Feuerwerksfirma Bugano naturgemäss klare Worte: «Das würde das Ende unserer Firma bedeuten und auch, dass wir alle Mitarbeiter entlassen müssten.» Entsprechend verfolge er das Geschehen genau. 

«Ich verstehe jeden Tierhalter, wenn er dem Feuerwerk nichts abgewinnen kann, auch wenn meine eigene Katze überhaupt nicht gestresst reagiert darauf. Ausserdem bin ich auch dagegen, dass mitten in der Nacht Feuerwerk abgelassen wird. Doch glaube ich, dass ein Verbot der falsche Weg ist.» 

Bussmann betont: «Gerade in den letzten Jahren wurde die Forderung nach Schweizer Produktionen laut. Wir machen das. Unsere Vulkane werden allesamt in Neudorf im Kanton Luzern hergestellt.»

Keine Auffälligkeiten bei der Zuger Polizei

An Silvester, zwischen 20 und 6 Uhr morgens, gingen bei der Einsatzleitzentrale der Zuger Polizei rund ein Dutzend Meldungen im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten in der Silvesternacht ein. «Mehrheitlich handelte es sich dabei um Lärmklagen im privaten sowie öffentlichen Bereich», erklärt der Zuger Polizeisprecher Frank Kleiner. Die Beteiligten hätten sich beim Eintreffen der Einsatzkräfte einsichtig gezeigt und sich anschliessend ruhig verhalten. Die Meldungen hätten sich im Rahmen der Vorjahre bewegt.

Ebenfalls für Ärger habe mancherorts das Abbrennen von Feuerwerk gesorgt. «Auch in diesem Bereich konnten die Einsatzkräfte vermitteln oder trafen niemanden mehr an.» In zwei Fällen musste zudem die örtliche Feuerwehr aufgeboten werden. In der Gemeinde Steinhausen sei es bei einem Baumstrunk zu einem Mottbrand gekommen und in der Gemeinde Hünenberg sorgte eine Feuerwerksbatterie für eine Rauchentwicklung. In beiden Fällen habe die Feuerwehr die Situation sehr schnell bereinigen können.

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3 Kommentare
  1. JR, 06.01.2022, 08:23 Uhr

    Ich finde, wir sollten auch die Kirchenglocken verbieten. Die stören meinen Schlaf. Und das Geislechlöpfe mögen meine Katzen überhaupt nicht. Und generell: Verbietet doch einfach Lebensfreude, dann sind alle ruhig und bleiben zuhause. Da freut sich auch unser Herr Berset drüber!

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  2. Tell, 06.01.2022, 05:38 Uhr

    Die Knallerei und Raucherei ist aus Umwelt- und Tierwohlgründen nicht mehr zeitgemäss und belästigt die Mehrheit des Volkes. Abschaffen. Punkt. Der Erhalt der Branche ist unnötig. Bravo Migros, bravo Volksinitiative!

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  3. Hegard, 05.01.2022, 01:51 Uhr

    Ich war als Kind auch ein begeisterter Feuerwerkerker,habe mich aber an die Ruhestunden gehalten.Es ist leider so das immer wieder das Ganze Jahr Böller losgelassen werden und um vorsätzlich die Ruhe der Anwohner zu stören.solch Buber
    tierende Erwachsene geniessen es.Es braucht immer vereinzelte die es übertreiben und damit auch andere Bestrafen.Für Private Verkäufe sollten nur noch Feuerwerke ohne Knallefekt verkauft werden.Das würde den Bubertierende den Spass verderben.Es würde den Verkauf nicht ganz einschränken,aber das Wesentliche beheben.Tierwohl?
    und keine Ruhestörung

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