Werden der FCL und sein Trainer Opfer der eigenen Team-Hierarchie?
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Bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung kurz vor der Pause war der Captain der schlechteste Luzerner: Christian Schwegler. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Spätestens im Sommer braucht es eine Neuordnung Werden der FCL und sein Trainer Opfer der eigenen Team-Hierarchie?

3 min Lesezeit 8 Kommentare 28.02.2021, 21:03 Uhr

Das 2:2 gegen die Young Boys machte klar: Die Teamhierarchie des FC Luzern bedarf einer dringlichen Überholung. Captain Christian Schwegler war bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung ein steter Gefahrenherd fürs eigene Tor. Aber auch sein Stellvertreter Lucas Alves ist sportlich nicht unantastbar.

Für FCL-Trainer Fabio Celestini hat sich am Sonntagabend im Spiel gegen die Young Boys kurz vor Halbzeit ein Problem in Luft aufgelöst, als Christian Schwegler nach 40 Minuten einmal mehr von einer Verletzung heimgesucht und noch vor dem Seitenwechsel ausgewechselt werden musste (zentralplus berichtete).

Getreu dem Leistungsprimat hätte Celestini seinen Captain aber auch ohne Blessur in der Pause vom Feld nehmen müssen, derart fehlerhaft war seine Vorstellung. Mal für Mal ist der 36-jährige Aussenverteidiger überlaufen worden. Seine Abwehrseite hatten die Berner schnell als Schwachstelle ausgemacht und liessen die meisten Angriffe über sie laufen.

Für einen Trainer ist der Captain der wichtigste Mann auf dem Platz. Darum nimmt er ihn nur im äussersten Notfall runter. Und der FCL führte – wenn auch glückhaft – bis weit in die zweite Halbzeit hinein 1:0.

Eingeschränkt in der Gestaltungsfreiheit

Seit seinem Startelf-Comeback im ersten Spiel dieses Jahres gegen Servette (3:0), in dem Christian Schwegler eine gute Leistung ablieferte (zentralplus berichtete), zeigte die Leistungskurve nach unten. Am späten Gegentreffer der Luzerner in Vaduz zum 1:1 trifft ihn eine Mitschuld.

Seine ärgsten Kritiker freuen sich deshalb auf den Sommer. Denn zum Saisonende hat Christian Schwegler das Ende seiner Fussballer-Karriere angekündigt.

Spätestens vor Beginn der nächsten Saison kommt Fabio Celestini nicht darum herum, die Team-Hierarchie der Luzerner umzubauen. Neben Christian Schwegler schränkt ihn zusehends auch Lucas Alves in seiner Gestaltungsfreiheit beim Aufgebot der schlagkräftigsten FCL-Startformation ein.

Welcher Coach verzichtet freiwillig auf Captain?

Zwar hat der abstiegsgefährdete FCL gegen den Meister und Leader YB gepunktet und blieb im dritten aufeinanderfolgenden Spiel ungeschlagen. Aber man darf sich schon auch fragen, ob gegen das Berner B-Team nicht mehr hätte möglich sein müssen. Mit einem mutigeren 3-5-2-System von Beginn weg und Silvan Sidler statt Christian Schwegler als Aussenläufer.

Aber eben: Welcher Trainer lässt schon seinen einsatzbereiten Captain aussen vor? Es wäre eine Demontage.

Weil Routinier Schwegler nicht mehr wie ein junges Reh auf der Seite rauf und runter hüpfen kann, lag das defensivere 4-2-3-1-System der Luzerner auf der Hand. Mit der Folge, dass der FCL vom zweiten Anzug der Berner zumeist in die eigene Platzhälfte gedrängt wurde.

Welcher Art die Verletzung von Christian Schwegler ist und ob – oder wie lange – er ausfallen wird, war nach Spielende nicht in Erfahrung zu bringen.

Problem begleitet Celestini weiter

Fabio Celestini begleitet das Problem mit seiner Teamhierarchie – er installierte Schwegler beim Jobantritt vor einem Jahr als Captain und machte sich stark für eine Vertragsverlängerung im Sommer – in jedem Fall durch den weiteren Saisonverlauf. Weil auch Lucas Alves, der Stellvertreter von Schwegler als Captain, sportlich nicht unantastbar ist.

Denn in der Innenverteidigung der Luzerner ist der Brasilianer eigentlich nur noch die Nummer 4. Stefan Knezevic und Marco Burch haben ihm den Rang abgelaufen.

Selbst Marvin Schulz, der die Seinen mit einem Last-Minute-Treffer zum 2:2 tief in der Verlängerung vor einer abermals bitteren Erfahrung bewahrte, ist in der zentralen Abwehr wertvoller als Lucas Alves. Aber aus irgendeinem Grund darf der Deutsche nur in personeller Not als Innenverteidiger ran.

Alternativen stehen Celestini zur Verfügung

Spannend zu sehen, wie Fabio Celestini das Problem bei vollem Personalbestand managt. Wird die Abstiegsgefahr der achtplatzierten Luzerner, die momentan nur je drei Punkte vor den ihn nachfolgenden Sion und Vaduz liegen, nicht wieder akut, kann er die Lösung auf die Zwischensaison schieben.

Hingegen muss Fabio Celestini wohl noch ein Machtwort sprechen und volles Risiko gehen, sollte die aktuelle Teamhierarchie die Mission Ligaerhalt durch unnötige Punktverluste in Gefahr bringen.

Mit Goalie Marius Müller, Stefan Knezevic und Marvin Schulz hätte er Alternativen für die Rolle eines neuen Luzerner Teamleaders.

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8 Kommentare
  1. Beat Keiser, 01.03.2021, 20:23 Uhr

    Zentralplus und Andreas Ineichen herzlichen Dank für die positive Berichterstattung zum Spiel FCL-YB vom Sonntag 28.02.2021. Zentralplus und Andreas Ineichen verstehen es ausgezeichnet, dem FCL positive Impulse zu geben und ihn moralisch in jeder Situation zu unterstützen. Es ist deshalb unverständlich warum der FCL trotz der dauernden moralischen Unterstützung der einzelnen Spieler, Trainer und Aktionäre nur auf dem 3. letzten Platz liegt. Bei so viel Lob von Zentralplus muss das Selbstvertrauen doch ins unermessliche steigen.

    1. Redaktion Andreas Ineichen, 02.03.2021, 08:07 Uhr

      Besten Dank, Herr Keiser, für die ironische Rückmeldung. Es ist nicht so, dass wir nur den geringsten Einfluss auf die sportliche Entwicklung beim FC Luzern hätten. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, diese zu verfolgen und zu beurteilen.

  2. Susanne M., 01.03.2021, 19:54 Uhr

    Schwegler hat lange gebraucht, bis er in Luzern angekommen ist. Meiner Meinung nach spielt er aber momentan einen soliden Part. Klar ist er nicht der schnellste, aber er holt durch seine Schlitzohrigkeit auch oft Freistösse heraus und seine Einwürfe sind eine Waffe. Hingegeben fand ich Sidler in den letzten Spielen alles andere als überzeugend. Wenn Schwegler fit ist, würde ich ihn also momentan Sidler vorziehen.
    Schulz spielt meiner Meinung im defensiven Mittelfeld besser als in der IV. Nach vorne hat er gute Impulse, bei vielen der letzten Gegentoren war er aber zu weit weg vom Gegenspieler. Zudem bevorzugt er das DM seiner Meinung nach auch. Aber klar ist, der beste IV ist momentan Burch, der macht das genial

  3. Max, 01.03.2021, 12:27 Uhr

    Ohne das gestrige Spiel verfolgt zu haben: Bei Blick Online ist Schwegler im Team der Runde 😉 und das mit einem 44min Einsatz…

    Generell würde ich aber den Zentralplus Eindruck bestätigen….

  4. Ivan W, 28.02.2021, 21:25 Uhr

    Mag ja sein, dass die Zeit von Schwegler abgelaufen ist und Alves nicht mehr der sichere Wert ist. Aber Herr Ineichen, auch Ihr Lieblingsverteidiger Knezevic ist seit seiner Kreuzbandverletzung ein Unsicherhheitsfaktor. Ihn als Teamleader zu sehen ist etwas weit her geholt. Da gibt es mit Müller und Schulz wesentlich bessere Leistungsträger, die voran gehen.

    1. Redaktion Andreas Ineichen, 28.02.2021, 21:37 Uhr

      Besten Dank für Ihre Rückmeldung. Wie Sie darauf kommen, dass Stefan Knezevic mein Lieblingsverteidiger sein soll, ist für mich nicht zu eruieren. Aber Sie haben recht damit, dass er sein bestes Niveau von vor der Kreuzbandverletzung noch nicht erreicht hat. Aber grad als Unsicherheitsfaktor würde ich ihn deshalb nicht bezeichnen. Für die Bestellung eines neuen Captains ist sportliche Unantastbarkeit ein entscheidnder Gesichtspunkt. Aber man muss dem Job auch mental gewachsen sein. Zudem sind auch die Position, die der Spieler spielt, und seine berufliche Perspektive im FCL bedeutsame Faktoren.

    2. Ivan W, 01.03.2021, 17:05 Uhr

      Herr Ineichen, ich mag Ihre Art der Berichterstattung, freue mich über die Storys rund um den FCL. Mir ist nur schon aufgefallen, dass Sie sehr wohlwollend über Knezevic schreiben, daher meine etwas provokative Aussage. Aber für mich hat er lange nicht mehr die Stilsicherheit, vor allem die Spielauslösung lässt sehr zu wünschen übrig. Hoffen wir, dass Knezevic wieder der Alte wird und unseren FCL nach vorne bringt. Hopp Lozärn!

    3. Redaktion Andreas Ineichen, 01.03.2021, 17:22 Uhr

      Es freut mich, dass Sie meine Berichterstattung über den FCL mögen. Und ich bin ganz bei Ihnen, was Ihre Einschätzung der Leistungen von Stefan Knezevic über die letzten Wochen und Monate angeht.

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