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Wer viel plappert, hat nicht unbedingt viel zu sagen
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Laut der «Sonntagszeitung» sind Felix Müri und Prisca Birrer-Heimo die beiden einflussreichsten Politiker aus Luzern. (Bild: les)

So schneiden die Luzerner Nationalräte in Ratings ab Wer viel plappert, hat nicht unbedingt viel zu sagen

4 min Lesezeit 24.08.2019, 05:00 Uhr

Wie gut sind unsere Politiker? Diverse Ratings versuchen eine Antwort auf diese Frage zu liefern. Leo Müller spricht am meisten, Michael Töngi gilt als KMU-feindlich und Yvette Estermann ist am Extremsten. Doch es ist Vorsicht geboten.

Die Luzerner Delegation im Nationalrat wird bei den nächsten Wahlen von zehn auf neun Mitglieder schrumpfen. Da alle zehn Bisherigen nochmals antreten, wird mindestens jemand seinen Sitz verlieren. Besonders gefährdet sind wegen der Wähleranteile die Vertreter von SVP und CVP. Legt das linksgrüne Lager deutlich zu, könnten sogar beide Parteien einen Sitz verlieren (zentralplus berichtete).

Auf welchen Luzerner kann Bundesbern getrost verzichten? Eine Frage, die natürlich je nach politischer Verortung völlig unterschiedlich beantwortet wird. Zeit also, auf die zahlreichen Ratings über die Parlamentarier zurückzugreifen.

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Birrer-Heimo am konsumentenfreundlichsten

Gerade diese Woche veröffentlichte eine Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen eine Rangliste, die Nationalräte nach ihrer Konsumentenfreundlichkeit beurteilt. Mit Prisca Birrer-Heimo befindet sich eine Luzernerin auf dem ersten Platz. Das kommt nicht von ungefähr, schliesslich ist Birrer-Heimo die Präsidentin der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz.

Die vollständigen Platzierungen der Luzerner:

1. Prisca Birrer-Heimo (SP)
59. Leo Müller (CVP)
69. Andrea Gmür (CVP)
73. Ida Glanzmann (CVP)
103. Yvette Estermann (SVP)
126. Franz Grüter (SVP)
129. Felix Müri (SVP)
148. Albert Vitali (FDP)
152. Peter Schilliger (FDP)

Im Verlauf der Legislatur rückte Michael Töngi für Louis Schelbert nach. Rechnet man die Resultate der beiden Grünen zusammen, wären sie in der Luzerner Rangliste nach Prisca Birrer-Heimo auf dem zweiten Platz gelandet.

Töngi am KMU-feindlichsten

Ratings von Lobbyverbänden sind stets mit Vorsicht zu geniessen. Schliesslich stecken klare politische Ziele dahinter. Für Diskussionen sorgt stets das KMU-Rating des Gewerbeverbandes. Auch dort landet mit Hans-Ulrich Bigler (FDP, Zürich) der Direktor auf dem ersten Platz.

Spannend ist auch hier ein Blick auf die Luzerner. FDP-Nationalrat Peter Schilliger kommt bereits auf Platz zwei. SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo ist die gewerbefreundlichste Parlamentarierin aus dem linksgrünen Lager (Platz 146) und Michael Töngi landet auf dem 200. und letzten Platz. Dieses Ergebnis führte beim Krienser zu einem Schmunzeln – und Ärger (zentralplus berichtete).

2. Peter Schilliger
24. Albert Vitali
25. Franz Grüter
61. Felix Müri
64. Yvette Estermann
112. Leo Müller
121. Ida Glanzmann
124. Andrea Gmür
146. Prisca Birrer-Heimo
200. Michael Töngi

Nicht nur Nationalrat, sondern auch begeisterter Zugfahrer: Michael Töngi vor dem Bahnhof Luzern.

Umweltpolitik ist nichts für Felix Müri

Die Luzerner Kantonsratswahlen im Frühling standen ganz im Zeichen des Klimas. Grüne und Grünliberale gehörten zu den klaren Wahlsiegern. Von Interesse ist daher auch das Rating der Umweltverbände. Diese haben untersucht, wie umweltfreundlich die Luzerner Politiker im Jahr 2018 abstimmten.

Prisca Birrer-Heimo: 95,5 % umweltfreundlich
Ida Glanzmann: 50 %
Andrea Gmür und Leo Müller: 45,5 %
Albert Vitali: 22,7 %
Peter Schilliger: 18,2 %
Yvette Estermann: 13,6 %
Franz Grüter: 4,5 %
Felix Müri: 0 %

Die beiden Grünen Nationalräte dieser Legislatur erscheinen in der Statistik nicht. Da sie sich die ökologische Politik aber auf die Fahne geschrieben haben, würden sie im Rating wohl ganz vorne landen. Louis Schelbert erreichte im Jahr 2017 glatte hundert Prozent.

SVPler reden am wenigsten

Bewerten kann man praktisch alles. Wer modisch daherkommt oder wer witzig ist, hat jedoch wenig mit der realen Politik unter der Bundeshauskuppel zu tun. Viel spannender ist es, einen Blick auf die Redezeit der Politiker zu werfen. Wer ist ein Vielredner und wer hockt lieber aufs Maul? Der «Beobachter» hat eine Auswertung der ersten drei Jahre der nun endenden Legislatur erstellt. Die Grünen Schelbert und Töngi fehlen wiederum.

6. Leo Müller (8,44 Stunden)
13. Prisca Birrer-Heimo (6,1 Stunden)
42. Albert Vitali (4,03 Stunden)
62. Andrea Gmür (3,16 Stunden)
84. Peter Schilliger (2,42 Stunden)
107. Ida Glanzmann (2,22 Stunden)
111. Franz Grüter (2,18 Stunden)
158. Yvette Estermann (1,10 Stunden)
168. Felix Müri (40 Minuten)

FDPler mit wenig Einfluss

Viel reden heisst noch lange nicht, dass man auch grossen Einfluss hat. Die «Sonntagszeitung» ermittelt jedes Jahr anhand von mehreren Faktoren die einflussreichsten Politiker im Bundeshaus. Die Luzerner, welche die ganze Legislatur machen, schaffen es nicht wirklich in die Kränze.

46. Felix Müri
66. Prisca Birrer-Heimo
75. Ida Glanzmann
90. Leo Müller
110. Franz Grüter
115. Albert Vitali
153. Andrea Gmür
163. Peter Schilliger

Yvette Estermann ist die Extremste

Statt einer Rangliste aufgrund von verschiedenen Faktoren macht die «NZZ» jeweils eine Auswertung, wer auf der Links-rechts-Skala wo steht. Hier ist das Spektrum der Luzerner sehr breit. Ein Wert von minus zehn bedeutet ganz links, einer von plus zehn ganz rechts.

-9,4: Prisca Birrer-Heimo
-9,3: Michael Töngi
-0,6: Andrea Gmür
-0,4: Ida Glanzmann
-0,2: Leo Müller
2,8: Albert Vitali
3,1: Peter Schilliger
8,9: Felix Müri
9: Franz Grüter
9,6: Yvette Estermann

Ein Fazit aus den unterschiedlichen Ratings zu ziehen, fällt schwer. SVP-Nationalrat Felix Müri sagt auf Anfrage: «Bei solchen Ranglisten ist immer Vorsicht geboten.» Müri redet von allen Luzernern am wenigsten, hat aber offenbar am meisten Einfluss. Er selber relativiert: «Das Ergebnis ist erklärbar.» Früher war er Präsident der Bildungskommission, heute amtet Müri als Vize in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. «Dadurch rede ich weniger, mein Einfluss wird jedoch höher bewertet.»

Nicht überrascht ist Müri übrigens über sein schlechtes Abschneiden im Öko-Rating. «Das kann gut sein», sagt er achselzuckend.

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