Wer jetzt noch oben ohne ist, kassiert viele böse Blicke
  • Gesellschaft
Seit diesem Samstag gilt in Luzern in allen Läden Maskenpflicht. Hier im Bild sind wir zu Besuch bei Franziska Bründler, die ihren Store «Fidea Design» an der Weggisgasse hat. (Bild: ida)

Erlebnisbericht: Maskenpflicht in Luzern Wer jetzt noch oben ohne ist, kassiert viele böse Blicke

3 min Lesezeit 4 Kommentare 17.10.2020, 17:31 Uhr

Wer seit diesem Samstag in Luzern einkaufen will, muss sich eine Maske überstreifen. Bei einem Bummel durch die Stadt zeigt sich: Wer ohne Maske in die Räume spaziert, steckt ordentlich böse Blicke ein.

Ich bin vorhin kurz zur Post gegangen. Zalando-Pakete abgeben. Nichts Besonderes, das mache ich öfters. Doch heute, heute habe ich mich für einmal wie eine Schwerverbrecherin gefühlt. Nicht, weil ich einen Überfall geplant hätte. Nein, nein. Aber weil ich es total vergessen habe, mich hier nicht mehr oben ohne blicken lassen zu dürfen.

Ohne Maske, versteht sich. Ich stand gefühlt zwei Sekunden maskenlos da. Und gefühlt haben mich 20 Menschen angestarrt. Ganz, ganz böse. Erst fragte ich mich, ob ich was im Gesicht hätte. Einen riesigen Käfer oder so. Den Blicken nach. Aber nein, es war die fehlende Maske. Schnell lange ich in die Jackentasche, greife zum Beutel und setze mir eine frische Maske auf. Ob die ältere Dame mit ihren grau gelockten Haaren gerade tief durchatmet? Es scheint so.

Ohne Maske kommt man nicht mehr weit

Wer jetzt das Haus oben ohne verlässt, kommt nicht sehr weit. Denn seit diesem Samstag gilt in Luzern in fast allen öffentlichen Gebäuden Maskenpflicht (zentralplus berichtete).

Oben mit ist jetzt nicht nur hip, sondern unsere Pflicht. Egal, ob man eben kurz nach Feierabend noch ein paar Karotten im Lebensmittelladen nebenan kaufen will, sonntags durch Museengalerien schlendern will oder nur eben Mal zur Post geht: Wer in öffentliche Räume spaziert, muss sich erst die Maske aufsetzen.

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Das obligatorische Masken-Ertasten

Zu Hause habe ich wirklich daran gedacht. Beim Zähneputzen, beim Schuhe binden. Und als ich aus der Wohnung spaziert bin und die Tür abgeschlossen habe, sind natürlich die obligaten Handabtaster quer über meinen ganzen Körper gefolgt. Portemonnaie: dabei. Handy: dabei. Schlüssel: dito. Labello: überlebenswichtig, da spröde Lippen. Vorne links in der Jeanstasche. Und seit heute muss eben auch zwingend eine Maske dabei sein.

Nach dem Postdebakel laufe ich über die Seebrücke. Anders ist es schon, denn bereits hier trifft man auf viele Maskenträgerinnen.

Variantenreiche Maskenträger

Bei einem kurzen Abstecher in den Store Fidea Design tragen alle eine Maske – und das auch korrekt. In grösseren Läden trifft man auf einige, äusserst varianten- und fantasiereiche Tragemöglichkeiten.

Masken, die an der Schnur an einem Ohr herunterhängen (vielleicht eher mal die Seele «lo bambele» als die Masken, denke ich mir), Menschen mit Masken unterhalb ihrer Nasen (das nützt nicht nur nichts, man sieht eure bebenden Nasenflügel auch von Weitem).

Weil es scheinbar ein paar Menschen noch nicht ganz kapiert haben, folgt hier eine Anleitung, wie man eine Maske richtig trägt und pflegt:

«Sie händ öppis vergässe»

In einem grossen Lebensmittelgeschäft sehe ich dann doch noch einen Mann, der es gewagt hat, ohne Maske durch den Laden zu schlendern. Schnell greift er zu den Bananen. Jetzt bin ich diejenige, die böse schaut. «Entscholdiget Sie …», spricht ihn ein älterer Herr an. «Sie händ öppis vergässe.»

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4 Kommentare
  1. Roland Grüter, 18.10.2020, 18:08 Uhr

    Es gibt immer Unbelehrbare. Traurig, dass diese Personen noch die Allgemeinheit belästigen.

  2. Silvan Studer, 18.10.2020, 12:36 Uhr

    Ja, jetzt zeigen die Propagandaopfer ihre hässliche Blockwartfratze.
    Es ist widerlich, was diese Maskenpflicht mit unserer Gesellschaft anstellt.
    Die Spaltung geht immer weiter und tiefer. Wem nutzt das?
    Danke für diesen fast schon mutigen Beitrag, Frau Dahinden.

  3. Tobias Mueller, 18.10.2020, 00:30 Uhr

    Ich entschuldige mich, dass der Grossteil meines Beitrages eine Copy-Paste-Angelegenheit ist. Aber in diesen Tagen denke ich oft an Edgar Allan Poe’s Erzählung „Die Maske des roten Todes“:

    „(…) daher kam es wohl auch, daß, bevor noch der letzte Nachhall des letzten Stundenschlages erstorben war, manch einer Musse genug gefunden hatte, eine Maske zu bemerken, die bisher noch keinem aufgefallen war. (…) Man hatte in dieser Nacht der Maskenfreiheit zwar sehr weite Grenzen gezogen, doch die fragliche Gestalt war in der Tat zu weit gegangen (…) Und nun erkannte man die Gegenwart des Roten Todes. Er war gekommen wie ein Dieb in der Nacht. Und einer nach dem andern sanken die Festgenossen in den blutbetauten Hallen ihrer Lust zu Boden und starben – ein jeder in der verzerrten Lage, in der er verzweifelnd niedergefallen war.“

    Und bald ist Halloween…

    1. Andrea Stahl, 18.10.2020, 09:45 Uhr

      Und was möchten Sie uns mit ihrem bizarren Post sagen? Dass bald Halloween ist? Dass Sie die Maskenpflicht nicht toll finden? Dass man nicht an Feste mit Maskierten soll? Oder dass unter uns ein Mörder lauert, hinter einer Maske versteck? Oder dass die Pest umgeht? Man weiss es nicht.

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