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Wer ist der mysteriöse Retter in der Not?
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Der Nebel ist weg: In finanzieller Hinsicht ist die Stadt auf gutem Weg. (Bild: zvg Stadt Zug )

Zug: 33 Millionen Franken «aufgetaucht» Wer ist der mysteriöse Retter in der Not?

4 min Lesezeit 25.11.2016, 18:07 Uhr

Überraschte Gesichter: Kurz vor der Budgetdebatte des Kantons Zug sind 33 Millionen Franken unversehens aufgetaucht. Noch besser: Sie sollen jährlich wiederkommen. Aber wer steckt hinter dieser dringend nötigen Finanzspritze? Indizien deuten auf eine spezielle Firma.

Noch mal Glück gehabt. Pünktlich kurz vor der Abstimmung übers Entlastungspaket lässt Finanzdirektor Heinz Tännler gut gelaunt eine kleine Bombe platzen: Seit eineinhalb Wochen sei klar, dass der Kanton Zug von einem Sondereffekt profitieren würde. Im Klartext: Dass der Kanton einen neuen Steuerzahler begrüssen darf. Oder einen alten, der nun plötzlich viel mehr bezahlt. Oder etwas ganz anderes.

Richtig klar wurde das nicht. Ein «wundersames» Ereignis, nannte Tännler am Donnerstag den Vorfall, der dem Kanton Zug einen Sondereffekt von 20 Millionen Franken im Jahr 2016 und ab 2017 jährlich rund 33 Millionen Franken in die Tasche spülen soll. Wer nun hinter dem Wunder steckt, ist geheim. «Wir dürfen dazu nichts sagen», sagt Heinz Tännler, «das Steuergeheimnis verpflichtet uns zu Stillschweigen.»

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Biotechfirma für den Aufschwung verantwortlich?

Allerdings bietet sich eine Kandidatin für die spontane Rettung der Kantonsfinanzen an: Es könnte sich dabei um die Biotech-Firma Tesaro handeln, die am 11. Oktober ihren Europa-Hauptsitz in die Stadt Zug verlegt hatte – mit einer Einstandsfeier, bei der neben den Unternehmensgründern und Botschaftsmitarbeitern der USA auch Finanzdirektor Heinz Tännler offiziell zugegen war, wie die «Bilanz» berichtete.

Für diese Spekulation gibt es folgende Gründe: Die Firma steht kurz vor der Einführung zweier Medikamente zur Behandlung von Krebspatienten. «Rolapitant» und «Niraparib» sollen im Frühjahr 2017, respektive im zweiten Semester 2017 in Europa eingeführt werden. Für das Eierstockkrebs-Medikament Niraparib könnte bis Sommer 2017 eine Bewilligung vorliegen – was dessen Markteinführung erlauben würde. Von Zug aus will die Firma neue Ländergesellschaften in Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien einrichten.

Kursrakete «made in» Zug

Und das mit Aussicht auf Erfolg. Zumindest die Anleger der Firma hoffen offenbar auf einen sehr guten Geschäftsgang. «Kursrakete ‹made in› Zug», titelte die «NZZ». Das Unternehmen weise einen Börsenwert von über 6 Milliarden Franken aus, obwohl noch kein Medikament auf dem Markt ist. Zuletzt hatten erfolgreiche Tests eines Medikaments gegen Eierstockkrebs zu rasanten Kurssprüngen geführt – nach oben. Zur Theorie passt: Die  Firma hat am 14. November bekanntgegeben, dass sie weitere Aktien verkaufen und damit das Kapital aufstocken will.

Rund 236 Millionen Dollar hat die Tesaro durch diesen Aktienverkauf im November laut einer Mitteilung eingenommen. Da würden, falls die Firma deshalb nun Gewinn schreibt, auch Steuern fällig – die möglicherweise zum beschriebenen Sondereffekt von 20 Millionen Franken ausserordentlichem Steuerertrag beigetragen haben könnten. Der 14. November ist nun eineinhalb Wochen her.

Gemeinden wissen nichts vom Sondereffekt

Die Firma allerdings dementiert: «This reference was not to Tesaro», sagt die Mediensprecherin der Tesaro, Jennifer Davis, über Tännlers Ankündigung des Sondereffekts. Dagegen spricht auch der Fakt, dass man bei der Stadt nichts von einem Sondereffekt weiss. «Wir gehen davon aus, dass die Stadt Zug nicht von dem Sondereffekt betroffen ist», sagt Karl Kobelt, der Finanzchef der Stadt. «Wir werden in solchen Fällen jeweils vom Kanton Zug in Kenntnis gesetzt. Die Stadt Zug hat über den aktuellen Sondereffekt keine Informationen erhalten.»

Dasselbe gilt allerdings auch in anderen Gemeinden: In Rotkreuz rechnet man beim Finanzamt ebenfalls nicht mit einer Überraschung. In Cham weiss man von einem Sondereffekt nichts, sagt Gemeindeschreiber Martin Mengis. Und auch in Steinhausen ist man überrascht von der Ankündigung Tännlers. «Wir sind genauso überrascht wie die Kantonsräte», sagt die Steinhause Finanzchefin Carina Brüngger. «Für Steinhausen rechnen wir jedenfalls nicht mit einem Sondereffekt, und wir haben vom Kanton auch nichts gehört.»

«Ob das dieselbe Firma ist, die Finanzdirektor Heinz Tännler meint, weiss ich nicht.»

Hans Steinmann, Finanzchef Baar

In Baar hat man zwar einen kleinen Sondereffekt erlebt – allerdings schon viel früher im Jahr kommuniziert. «Eine Firma hat ein besseres Ergebnis als geplant», sagt der Baarer Finanzchef Hans Steinmann. «Dabei handelt es sich um einen Effekt in der Grössenordnung von 4,5 Millionen Franken. Ob das dieselbe Firma ist, die Finanzdirektor Heinz Tännler meint, weiss ich nicht.»

Ob das Steueramt des Kantons die betreffende Gemeinde über einen möglichen Sondereffekt tatsächlich schon informiert hat, ist nicht klar. Auf die Frage, ob die betreffende Gemeinde vom Sondereffekt schon weiss, schreibt Finanzdirektor Heinz Tännler: «Die Informationen, die ich auch im Namen des Regierungsrats absetzen konnte beziehungsweise abgesetzt habe, können und werden nicht erweitert. Somit kann ich auf Ihre zusätzliche Frage keine Antwort geben.»

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