Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Wer hat die Flugschau am «Eidgenössischen» abgeblasen?
  • Politik
Die Patrouille Suisse in Aktion. (Bild: zvg)

Patrouille Suisse verzichtet auf Show über Zug Wer hat die Flugschau am «Eidgenössischen» abgeblasen?

4 min Lesezeit 2 Kommentare 30.11.2018, 16:30 Uhr

Beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Estavayer 2016 donnerte die Patrouille Suisse über die Köpfe der Besucher hinweg. Gibt es nächstes Jahr beim ESAF in Zug auch gefährliche Pirouetten und Salti in der Luft? Nein – ein emsiger Leserbriefschreiber wehrte sich erfolgreich.

In Estavayer war es bei der Flugshow der Patrouille Suisse am 27. August 2016 nicht allen geheuer. Aus verständlichen Gründen. Hatten sich doch kurz zuvor, Mitte Juni beim Training einer Flugshow der Patrouille Suisse in den Niederlanden, zwei der F5-Tiger-Piloten in der Luft berührt. Der Unfall verlief glimpflich – aber der Schock sass tief bei den Kunstfliegern der Schweizer Armee.

Unterstütze Zentralplus

Der historische Horror von Ramstein

Kein Wunder. Die Horror-Bilder von der Katastrophe auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz vor 30 Jahren haben viele noch in den Köpfen. Bei einer militärischen Flugschau kam es zu dem grossen Unglück, als drei Kunstflugmaschinen in der Luft über den rund 300’000 Zuschauern auf der Air Base kollidierten und abstürzten – einer der Flieger rutschte dabei brennend ins Publikum. Verheerende Bilanz: 70 Tote und rund 1000 Verletzte.

Seit dieser Katastrophe müssen sich bis heute Veranstalter auf der ganzen Welt fragen, ob sie unbedingt eine Flugshow auf dem Programm haben wollen. Oder nicht. Auch in Zug.

Patrouille Suisse schon zu Gast beim Zuger Seefest

Zwar war die Patrouille Suisse schon zu Gast «über» dem Zuger Seefest. Doch dabei flogen die Jets, die in Emmen stationiert sind, stets über dem Zugersee. Also nicht unmittelbar über Wohngebiete oder bevölkerte Areale.

Der Austragungsort für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das 2019 in Zug stattfindet, liegt jedoch unmittelbar zwischen dem Herti- und dem Feldhof-Quartier. Nicht auszumalen, was passieren könnte, wenn ein Jet dort abstürzen würde.

Warnungen eines beharrlichen Leserbriefschreibers

Ein Zuger hat deshalb schon im März letzten Jahres das OK des Zuger Schwingfests aufgefordert, auf die Patrouille Suisse zu verzichten, wie bei zentralplus jüngst in einem Leserbrief nachzulesen war. Sogar Guy Parmelin, den für die Landesverteidigung zuständigen Bundesrat, hat er kontaktiert.

«Das Schwingfest in Zug wird direkt am Rande von zwei Siedlungen, Herti und Feldhof, durchgeführt. In diesen Wohnquartieren leben rund 5000 Bewohner», so der Leserbriefschreiber. Dies sei ein deutlicher Unterschied im Vergleich zum letzten Veranstaltungsort in Estavayer, wo es einen Flugplatz gebe und wo die Räumlichkeiten ideal gewesen seien. «Der Zuger Stadtrat verlangt für das ESAF in jeder Beziehung eine hundertprozentige Sicherheit.»

«Die Schweizer Armee hat uns mitgeteilt, dass sie am ESAF 2019 in Zug keine Flugshow durchführen will.»

Heinz Tännler, OK-Präsident

Ob der Zuger Leserbriefschreiber bei den Zuger ESAF-Veranstaltern auf Gehör gestossen ist, lässt sich nicht nachprüfen. Ebenso wenig, ob sich die Veranstalter der Gefahren selbst bewusst sind. Fakt ist, dass es beim Zuger Schwingfest Ende August 2019 keine Flugschau geben wird.

«Die Schweizer Armee hat uns mitgeteilt, dass sie am ESAF 2019 in Zug keine Flugshow durchführen will», sagt Heinz Tännler, Zuger Regierungsrat und OK-Präsident des Zuger ESAF. «Diesen Entscheid hat das Organisationskomitee zur Kenntnis genommen.»

Flugshow nie ein Thema gewesen?

Eine Flugshow am ESAF 2019 in Zug sei nie ein offizieller Programmpunkt des Organisationskomitees gewesen, versichert Tännler. «Wenn die Armee mit einem entsprechenden Wunsch, eine Flugshow zu veranstalten, an uns gelangt wäre, hätte das OK einen entsprechenden Entscheid fällen müssen», so der OK-Präsident gegenüber zentralplus. Die Armee sei offizieller Partner des ESAF und habe gesagt: «Wir machen keine Flugshow.»

«Wo Flugshows stattfinden, müssen grundsätzlich die jeweiligen Veranstalter entscheiden und letztlich auch die Verantwortung dafür übernehmen», sagt Tännler. «Für uns, das OK ESAF 2019 Zug, hat sich diese Frage gar nicht gestellt.»

Es habe deshalb auch keinen Sinneswandel in Sachen Flugshow geben können, weil, wie gesagt, die Patrouille Suisse im OK zu keinem Zeitpunkt ein Programmpunkt gewesen sei. Aus diesem Grund sei auch eine Flugshow über dem Zugersee während des Schwingfests kein Thema.

Zug kann also aufatmen. Fluglärm und Gefahren aus der Luft bleiben den Schwingfestzuschauern erspart. Das ist die Hauptsache.

Die Sache mit dem Brief

Was Heinz Tännler allerdings verschweigt: In einem Antwortbrief an den besagten Zuger Leserbriefschreiber, der sich Sorgen macht, dass es doch noch zu einer Flugshow beim Schwingfest kommen könnte, schrieb der ESAF-OK-Präsident am 20. März 2017, dass er sich sehr wohl mit dem Thema Flugshow auseinandersetzen musste.

Wörtlich heisst es nämlich in dem Brief, der zentralplus vorliegt: «An den letzten Eidgenössischen Schwingfesten (in Estavayer und in Burgdorf, Anmerkung der Red.) wurde jeweils eine Flugshow der Schweizer Armee gezeigt. Wir haben deshalb in der Zwischenzeit die Thematik mit der Schweizer Armee besprochen …»

Hat möglicherweise also der Verteidigungsminister und SVP-Parteifreund Guy Parmelin höchstpersönlich über das Zuger «Flugshow-No-Go» entschieden? Auf dem «grossen» Dienstweg sozusagen?

Denn richtig ist: «Im Fall Zug hat die Luftwaffe gar keine Anfrage für einen Demo-Flug am ESAF 2019 erhalten», versichert Delphine Allemand, Sprecherin der Armee, auf Anfrage von zentralplus.

Veranstalter werden jeweils schriftlich informiert

Grundsätzlich sei das Prozedere für die Flugvorführungen jedes Jahr dasselbe. «Alle Anfragen mussten bis Ende Oktober 2018 eintreffen und werden nun bis Ende Januar 2019 geprüft», so Allemand. Danach werde entschieden, an welchen Veranstaltungen und mit welchen Mitteln die Luftwaffe teilnehme. «Selbstverständlich werden die Veranstalter danach über den Entscheid schriftlich informiert.»

Tännler dazu nochmals abschliessend: «Wie bereits ausgeführt: Die Armee hat uns mitgeteilt – und dies ohne Zutun von OK-Seite –, dass sie keine Flugshow mache.»

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 28.08.2019, 16:04 Uhr

    fluglärm blieb den BewohnerInnen des Kantons während des ESAF trotzdem nicht erspart. Während der beiden Tage waren ununterbrochen Helikopter am Himmel und deckten die Landschaft mit einem Lärmteppich zu. Eine Filmequippe im Auftrag von Heinz Tännler? Das Taxi von Büezer Gölä? Oder doch eher ein paar Egomane aus dem Villenviertel? Auf jeden Fall wurde ich nicht angefragt, ob meine Ohren mit Lärm und meine Lungen mit Abgasen abgefüllt werden dürfen.

  2. Hans Peter Roth, 28.08.2019, 15:56 Uhr

    Fluglärm blieb den Bewohnerinnen des Kantons während des ESAF trotzdem nicht erspart. Ununterbrochen waren Helikopter am Himmel und breiteten ihren Lärmteppich über der Landschaft aus. Wozu? Eine Filmequippe im Auftrag von Heinz Tännler? Das Taxi von Büezer Gölä? Oder doch ein paar Egomane aus dem Villenviertel? Auf jeden Fall wurde ich nicht angefragt, ob meine Ohren mit Lärm und meine Lungen mit Abgasen abgefüllt werden dürfen.