«Wer gegen den Autoverkehr ist, sollte Ja stimmen»
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Fritz Studer, langjähriger CEO der Luzerner Kantonalbank (Mitte), hat den Lead im Initiativkomitee Parkhaus Musegg. (Bild: mbe.)

Parkhaus Musegg: Vorprojekt bis 2016 «Wer gegen den Autoverkehr ist, sollte Ja stimmen»

4 min Lesezeit 03.03.2015, 17:05 Uhr

Der frühere Kantonalbank-CEO Fritz Studer ist Präsident des Initiativkomitees Parkhaus Musegg. Eine der Hürden, die das Projekt nehmen muss, wird die Volksabstimmung sein. Sie findet voraussichtlich im Herbst 2016 statt. Wie wollen die Initianten die Bevölkerung überzeugen? Und warum sollen unmotorisierte Bürger ein Parkhaus genehmigen?

zentral+: Herr Studer, 40 Prozent der Stadtluzerner haben kein Auto. Warum sollen sie Ja stimmen zu einem weiteren Parkhaus?

Fritz Studer: Die Luzerner wollen nicht unbedingt ein weiteres Parkhaus, da haben Sie Recht. Das ist kein gewöhnliches Parkhaus, wir realisieren einen Busterminal mit Parkhaus. Drei Punkte sprechen für das Projekt: Der Schwanenplatz wird von den Cars befreit und kann als Tor zur Altstadt endlich attraktiver gestaltet werden. Zweitens bietet das Parkhaus Musegg die Chance, auch andere Teile der Innenstadt attraktiver zu gestalten. Denkbar wäre zum Beispiel, andere Parkplätze aufzuheben, wie am Mühleplatz geschehen. Drittens wird das Parkhaus die Hauptverkehrsachse Pilatusplatz – Bahnhof Luzern – Schwanenplatz – Schweizerhof wesentlich vom Carverkehr entlasten. Die Busse fahren von der Autobahn direkt in den neuen Busterminal. Das sind die Hauptpunkte, warum wir glauben, dass die Luzerner Bevölkerung Ja sagen sollte.

zentral+: Und was geschieht, wenn die Stadtluzerner Nein stimmen?

Studer: Wenn das abgehakt wird, ist die ganze Carproblematik für zehn bis zwanzig Jahre nicht gelöst. Die öffentliche Hand hat nicht die Mittel einen Busterminal zu realisieren. Wir schätzen, dass dieser 50 bis 80 Millionen Franken kosten würde.

zentral+: Die neuste Idee ist ein Parkplatz für die Busse ausserhalb der Stadt beim Mattenhof, in Autobahnnähe. Die Passagiere steigen um und gelangen mit der Bahn ins Zentrum. Wäre das nicht viel sinnvoller?

Studer: Für Gewerbe und die Uhrenindustrie ist das keine Lösung. Das ist viel zu kompliziert und klappt nicht. Einen Teil der Kundschaft würden wir damit verlieren. Dann würden die Reiseveranstalter Luzern nicht mehr anfahren und Interlaken profitiert.

zentral+: Eine erste politische Hürde für Ihr Projekt wird die Volksmotion sein, über die das Stadtparlament voraussichtlich am 26. März entscheidet. Der Stadtrat lehnt sie ab. Deren Hauptanliegen, der Schutz der Museggmauer und die Verhinderung von Mehrverkehr, seien bereits gesetzlich verankert. Doch das Parlament?

Studer: Es würde uns enorm belasten, wenn die Volksmotion vom Parlament angenommen würde. Das wäre ein voreiliger Entscheid und ein Denkverbot.

zentral+: Eine weitere Hürde ist die Volksabstimmung, die voraussichtlich im Herbst 2016 stattfindet. Worüber müssen die Stadtluzerner überhaupt abstimmen?

Studer: Es braucht eine Zonenplanänderung und ein Baurecht.

zentral+: Es gibt viele Skeptiker sowie Politiker, die immer noch das Metroprojekt als innovativere Idee betrachten. Ihre Prognose für die Abstimmung?

Studer: Wenn es uns gelingt die Vorteile unserer Lösung in den Vordergrund zu stellen, bin ich zuversichtlich, dass die Stadt Luzern Ja stimmt.

zentral+: Kostet das Projekt die Steuerzahler wirklich gar nichts?

Studer: Ja, alles wird privat finanziert und ist ohne Risiko für die Stadt. Für die mögliche Stadtverschönerung müsste Luzern natürlich Geld in die Hand nehmen, falls sie diese wünscht.

zentral+: In Luzern sind viele Bewohner gegenüber dem Autoverkehr generell kritisch eingestellt. Sie finden, dass man mit weiteren Infrastruktur-Angeboten für den motorisierten Individualverkehr noch mehr Verkehr anzieht. Was sagen Sie denen?

Studer: Die Leute, die gegen den Autoverkehr sind, sollten Ja stimmen, damit die Autos von der Autobahn weg direkt in den Berg fahren. Man kann nicht eine ruhige Stadt und gleichzeitig viele attraktive Arbeitsplätze haben. Beides geht nicht, der «Föifer und s’Weggli».

 

«Institutionelle Anleger in den Startlöchern»

 

Vor genau einem Jahr präsentierten die privaten Initianten ihre Idee das erste Mal: Ein unterirdisches Parkhaus mit Busterminal unter dem Musegghügel soll das Busparkierungsproblem Luzerns lösen. Heute ist man einen grossen Schritt weiter (siehe ersten Bericht auf zentral+). Doch das Projekt muss noch viele Hürden nehmen. Eine hat es bereits geschafft: Der Luzerner Stadtrat hat im Sommer 2014 einen Richtungsentscheid für das Parkhaus getroffen (und gegen das Metropojekt). Bis in acht bis zehn Monaten soll nun ein Vorprojekt vorliegen, erklärten die Musegg-Initianten am Dienstag an einer Pressekonferenz. Kosten würde das Projekt die Stadt nichts. Doch man wünsche sich ein kostenloses Baurecht. Zudem wird eine Zonenplanänderung nötig sein. Voraussichtlich im Herbst 2016 könnte die Volksabstimmung stattfinden.

Finanzieren wollen das Parkhaus institutionelle Anleger. Gefragt seien vor allem Pensionskassen aus der Region. Die Pensionskasse der Bucherer AG will sich beteiligen. Die anderen Interessenten hielten sich noch im Hintergrund, hiess es. Fritz Studer sagte, die gegenwärtige Tiefzinspolitik sollte ausgenützt werden. «Solange wir tiefe Zinsen haben, ist die Chance gross, dass uns die institutionellen Anleger die Türen einrennen.» Deshalb müsse man nun rasch handeln. Studer bezifferte die Kosten für die 700 Autoparkplätze auf rund 100 Millionen, diejenigen für die 36 Busparkplätze auf 50 Millionen Franken. Bei Bedarf könne man das Parkhaus um weitere Busparkplätze erweitern.

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