Wenn Wunden, Prothesen und Kratzer erstrebenswert sind
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Diese vier Zuger Monster sind an Halloween auch auf den Strassen und wollen Süsses … (Bild: woz)

Halloween: Das sind die Renner dieses Jahres Wenn Wunden, Prothesen und Kratzer erstrebenswert sind

4 min Lesezeit 31.10.2018, 12:27 Uhr

Heute Abend treiben auf den Strassen und in den Beizen wieder die Halloween-Ungetüme ihr Unwesen. Nach welcher Art von Horror-Artikeln dürstet es den Grusel-Fan in diesem Jahr? zentralplus fragte in Zug nach – und sprach dabei mit einigen «Monstern».

Wie wäre es mit einer tödlichen Kuss-Latex-Prothese? Oder mit einem zugenähten Mund aus Gummi? Noch gruseliger wäre natürlich ein Nagel, der sich durch die Hand bohrt – wiederum aus Latex. Günstiger kommt dagegen Vampir-Kunstblut in der Tube.  

Latex-Wundaufkleber

«Zu Halloween 2018 darf dein Kostüm statt blutig gerne voll Glitter, Glamour und Extravaganz strahlen. Kombiniere dazu dein Skelett-Make-up mit funkelnden Strasssteinen. Dein glamouröser Auftritt ist dir aber auch als Musikstar wie David Bowie garantiert, oder umgib dich als Mafiaboss Al Capone mit der stilvollen Aura des Bösewichts.»

So heisst es in einem Intro eines Schweizer Online-Shops voller Halloween-Artikel. «In» zu sein scheinen auf jeden Fall in diesem Jahr aufklebbare Wunden, Prothesen und Kratzer aller Art. Mit diesen Grusel-Accessoires sollen Horror-Kostüme noch schrecklicher wirken.

«Es werden Jahr für Jahr mehr Halloween-Artikel im Angebot.»

Coop-City-Verkäuferin, Zug

Wer sich im Zuger Coop-City umschaut, wo ein Riesenangebot an Halloween-Artikeln gleich hinter den Kassen des Lebensmittel-Supermarkts aufgebaut ist – Blut ist zumindest für Vampire ja ein Nahrungsmittel – staunt ob der Vielfalt.

… die vier Schüler aus dem Zuger Herti-Quartier (von links): Mikel, Adriana, Jann und Mattia.

… die vier Schüler aus dem Zuger Herti-Quartier (von links): Mikel, Adriana, Jann und Mattia.

(Bild: woz)

«Wir haben unseren Stand seit drei Wochen installiert, und es werden Jahr für Jahr mehr Artikel im Angebot, weil der ganze Hype aus Amerika kommt», sagt eine Coop-Verkäuferin. In diesem Jahr seien besonders Skelett- und Killerclownkostüme gefragt. Sie selbst mache sich allerdings nicht so viel aus Halloween. «Auf den Parties jagt einem irgendwer dann bloss einen Schrecken ein. Da ist mir Fasnacht doch lieber, da geht es zumeist lustig zu.»

Passende Monster-Maske gesucht

Neben ihr suchen vier Zuger Primarschüler gerade noch nach einer passenden Monster-Maske für die Horror-Street-Parade nach dem Motto: «Gib mir Süsses, sonst gibt’s Saures.» Die vier aus dem Herti-Quartier wollen erst um Viertel nach acht ausrücken. Aber ist das nicht ein bisschen spät, und haben sie keine Angst vor Killerclowns?

Skelette sind dieses Jahr absolut «in» an Halloween.

Skelette sind dieses Jahr absolut «in» an Halloween.

(Bild: woz)

«Ich habe schon ein bisschen Angst», gibt die elfjährige Adriana zu. Doch ihre Furcht zerstreut Klassenkamerad Jann sofort. «Diejenigen, welche mit dem Hammer heute Abend da draussen rumlaufen, sind sowieso alle Fake!»

«Meine Tochter möchte eine Hexe sein.»

Englische Expat-Mutter, Zug

Was unter den nach Kostümen suchenden Halloween-Fans im Coop-City auffällt, ist, dass die zahlreichen Horror-Liebhaber aus aller Herren Länder stammen. Man hört viel Englisch, Französisch, Spanisch. Eine koreanische Familie hat für ihren Filius gerade eine Plastiksense erworben. Der kleine Junge strahlt übers ganze Gesicht.

«Meine Tochter möchte gerne eine Hexe sein», sagt eine englische Expat-Mutter, die nach ihrem Nike-Outfit zu schliessen wohl gerade vom Workout oder vom Jogging kommt. Ihr Sprössling hat einen Hexenkessel aus Plastik entdeckt und will ihn gleich mitnehmen.

Grosser Andrang herrscht am Halloween-Stand im Zuger Coop-City.

Grosser Andrang herrscht am Halloween-Stand im Zuger Coop-City.

(Bild: woz)

Eine Zuger Mutter fotografiert mit ihrem Smartphone dagegen erst mal eine lilafarbene Spinne. «Die würde zum schwarzen Kostüm meiner Tochter hintendrauf gut passen», sagt sie mit einem mauligen Unterton. Im Grunde findet sie die Halloween-Artikel viel zu teuer, dafür, «dass man sie nur einen Tag, ja nur einen Abend, benützen kann».

«Ich liebe Blut und Teufel.»

Venezolanerin, Zug

Eine Venezolanerin, die gerade den Horror-Dschungel nach einem Schnäppchen durchforstet, erzählt, dass sie die Hälfte ihres Lebens in den USA verbracht hat und den Halloween-Brauch eigentlich ganz gern hat. «Ich liebe Blut und Teufel», sagt sie mit einem schreckeneinflössenden Grinsen. Für ihre Tochter in der Schule suche sie aber eher etwas, für das es eine literarische Grundlage gibt. Ein Harry-Potter-Kostüm zum Beispiel.

Teens und Twens zeigen sich wählerisch

Sehr wählerisch, ja geradezu mäkelig, gibt sich die Teen- und Twen-Kundschaft im Zuger Coop-City. «Ich werde wohl als Skelett gehen», sagt eine 16-Jährige, die sich gerade «Knochenhandschuhe» aus Gummi überstreift. Sie habe aber noch nichts Passendes gefunden. Sagt’s und legt die Horror-Gloves wieder weg.

Beängstigend lustig.

Beängstigend lustig.

(Bild: woz)

Eine andere Girlie-Group hat zwar den Plausch, verschiedene Masken und Hüte auszuprobieren, um dann in der Gruppe einen coolen Lacher zu ernten. Gekauft wird eher wenig. Gerade mal rote Teufelshörnchen aus Plüsch schaffen es bis an die Kasse.

Auf der Suche nach Linsen

Und da ist noch die grosse blonde Frau, die genervt und stumm in die Runde blickt: «Ich suche nach Horror-Augenlinsen, habe aber noch keine entdeckt.»

Auch bei der Wahl des Grusels herrscht offensichtlich die Qual der Wahl.

Da ist für jedes Gesicht die wahre Maske im Angebot.

Da ist für jedes Gesicht die wahre Maske im Angebot.

(Bild: woz)

 

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