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Wenn Männer verrückt nach kitschigen Ponys sind
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Schauen sich auch Erwachsene gerne an: Eine Sequenz aus der Animationsserie «My Little Pony». (Bild: Screenshot Youtube)

«Bronies» in Luzern Wenn Männer verrückt nach kitschigen Ponys sind

5 min Lesezeit 30.07.2015, 16:21 Uhr

Eine Kindersendung begeistert weltweit Millionen. Das Schräge daran: Nicht nur junge Mädchen, sondern auch Erwachsene sind von der Animationssendung «My Little Pony» völlig angetan. Daraus hat sich ein richtiges Phänomen entwickelt, das auch Luzern erreicht hat.

Läuft im Fernsehen die Kindersendung «My Little Pony», sitzen jeweils Millionen von Kindern gebannt vor dem Schirm. Haupstächlich junge Mädchen wollen die Produzenten mit der Animationssendung, die ab jeder Altersgruppe freigegeben ist, ansprechen. Das tun sie auch – doch nicht nur. Denn: Die Sendung über Freundschaft und Harmonie mit sechs kitschigen Ponys in der Hauptrolle begeistert ebenso Erwachsene. Sie nennen sich «Bronies» und sind verrückt nach zuckersüssen «Pferdlein».

«Bronies» ist ein Kofferwort aus «brother» und «pony». Das sind Erwachsene, hauptsächlich Männer mittleren Alters, die sich öffentlich dazu bekennen, verrückt nach der kanadisch-amerikanischen Animationsserie «My Little Pony» zu sein. Und das im vollen Ernst, wie der Luzerner Michael K.* beweist. Der 19-Jährige ist einer von schweizweit rund 200 Personen, die sich zu den «Bronies» zählen. zentral+ hat den «Brony» zum Gespräch getroffen und ihm mehr über die ungewöhnliche Leidenschaft entlockt.

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Rekrutenschule und bunte Ponys

Der 19-jährige Michael K. wirkt eher zurückhaltend, ist sehr höflich und pünktlich wie die Maurer. Gerade diesen Sommer hat der Luzerner seine Lehre abgeschlossen und arbeitet im Lehrbetrieb, bis es in wenigen Wochen ab in die Rekrutenschule geht. Soweit ist Michael K. ein ganz normaler, junger Erwachsener. Nur eben ist seine Leidenschaft ungewöhnlich. Diese gilt nämlich bunten, animierten Ponys. Ein Phänomen, das in der Schweiz noch mehrheitlich unbekannt ist.

Michael K. ist etwa seit August 2012 eingefleischter «Brony». «Ich bin per Zufall auf die Sendung ‹My Little Pony› gestossen. Auf Youtube bin ich auf ein Lied aus der Sendung gestossen, das ein ‹Brony› hochgeladen hat», sagt Michael K. «Mir hat das Lied ganz gut gefallen, weshalb ich mich dann über ‹Bronies› und die Kindersendung informiert habe.» Bereits die erste Folge, die er geschaut habe, hätte es ihm angetan. «Ich fand die Sendung ganz cool – und so kam es dazu, dass ich ‹My Little Pony› regelmässig schaue.»

«Wichtig ist, dass man neutral und unvoreingenommen an ‹My Little Pony› herangeht.»

Michael K.*, «Brony» aus Luzern

Schweizweit 200 Mitglieder

Weiter reingerutscht in die Szene ist der 19-Jährige schon nach kurzer Zeit. «Zu Beginn gab es in der Schweiz ein Forum zum Thema ‹Bronies›. Nach einem Shitstorm gegen dieses hatte der Administrator keine Lust mehr, weshalb ich diese Aufgabe übernommen habe.» Allerdings sei die Diskussion dort nicht gut geregelt gewesen, worauf Michael K. mit anderen die Seite «Swissbronies United» erstellte. Rund 200 Mitglieder zählt die «Brony»-Community in der Schweiz, davon sind gegen die 50 Personen regelmässig aktiv.

Pony-Freunde im Geiste

Die deutsche Erstausstrahlung der kanadisch-amerikanischen Animationssendung «My Little Pony» war im September 2011. Die Begeisterung vieler erwachsener Männer («Bronies») und Frauen («Pegasisters») überraschte selbst die Produzenten. Wie weit verbreitet dieses Phänomen bereits – hauptsächlich in den USA – ist, zeigt beispielsweise die Dokumentation «Bronies: The Extremely Unexpected Adult Fans of My Little Pony».

«Es ist etwas sehr fröhliches und farbenfrohes. Die Sendung macht einfach glücklich», sagt Michael K. auf die Frage, weshalb er die Kindersendung empfehlen würde. Allerdings wolle er keinesfalls jemandem etwas aufzwingen. «Wichtig ist, dass man neutral und unvoreingenommen an ‹My Little Pony› herangeht. Aber es gibt halt viele, die die Sendung verabscheuen, ohne sie jemals zuvor gesehen zu haben, weil es eine Kindersendung ist.»

Regelmässige Treffen von «Bronies» finden in Basel, Zürich oder eben auch Luzern statt. «Dieses Wochenende findet die ‹GalaCon› in Deutschland statt. Ein grosse Convention, an der bis zu 1’000 ‹Bronies› und ‹Pegasisters›» – so nennen sich die weiblichen Fans von «My Little Pony» – «teilnehmen.» Auch eine Auswahl der Schweizer Delegation inklusive seiner Person werden dort anwesend sein. Die wahrscheinlich grösste Community findet sich in den USA.

Umfeld zeigte Akzeptanz

Die Skepsis vieler Menschen mache ein «Outing» als «Brony» nicht wirklich einfach. «Mein enges Umfeld, dem ich über meine Leidenschaft erzählt habe, hat das nicht gross gestört. Sie waren zwar überrascht, aber haben locker reagiert», so der Luzerner. Allerdings gebe es schon gewisse Personen in seinem Umfeld, denen er dies nicht unbedingt erzählen würde. «Manche sind halt extrem offen, andere wieder nicht.» Auch ein Grund, der ihn dazu bewogen hat, im Artikel anonym zu bleiben. «Aus Schutz vor persönlichen Angriffen und aufgrund meiner politischen Karriere», wie der 19-jährige «Brony» sagt.

Obwohl die Begeisterung für die Animationsserie gross ist, dreht sich im Alltag von Michael K. nicht alles nur um bunte Ponys. Das ist auch bei den anderen «Bronies» der Fall. «Ich treibe viel Sport, schwimme und jogge. Zudem spiele ich Klavier, programmiere und fotografiere in meiner Freizeit. An einem Treffen dreht sich nicht nur alles um Prinzessin ‹Celestia› oder ‹Twilight Sparkle›», wie zwei der Hauptfiguren heissen. «Es bilden sich dann meist kleinere Kreise mit ähnlichen Interessen. Da plaudern die Gamer über neue Spiele oder Informatiker über PC-Sachen.»

«Wir haben uns durch die gemeinsame Leidenschaft kennengelernt.»

Michael K., zu seiner Freundin

Nachhaltige Leidenschaft

Von einem «Hype» will Michael K. bewusst nicht sprechen. «Die Interessen jedes Menschen ändern sich stetig. Einige bleiben sehr lange in der Community, andere sind nach wenigen Monaten wieder raus.» Bei sich persönlich denke der 19-Jährige, dass die Leidenschaft noch lange anhalten könnte. Ansonsten würden seine Pony-Plastikfiguren, die Aufkleber und Ansteckpins, sowie die «My Little Pony»-Version von Monopoly schnell im Abfall landen. Oder aber er könnte es seiner Freundin schenken.

«Meine derzeitige Partnerin war schon vor mir ein riesen ‹My Little Pony›-Fan. Wir haben uns durch die gemeinsame Leidenschaft kennengelernt», so der Luzerner. Und auch sonst habe er viele neue Freunde in dieser Gemeinschaft kennen gelernt. «Das Phänomen ist in der Schweiz noch nicht wirklich verbreitet. Ich wünsche mir, dass die Community wächst und lange hält», so Michael K.

*Name der Redaktion bekannt

Eine bunte Truppe: «Bronies» und «Pegasisters» bei einem Treffen.

Eine bunte Truppe: «Bronies» und «Pegasisters» bei einem Treffen.

(Bild: zvg)

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