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Wenn Luzerner, dann aber richtig!
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Die Famile Galliker lebt schon seit rund 20 Jahren in der Stadt. Nun hat sie auch das Stadtbürgerrecht erworben. (Bild: zvg)

Warum sich Schweizer einbürgern lassen Wenn Luzerner, dann aber richtig!

4 min Lesezeit 25.06.2015, 12:11 Uhr

Es kostet und bringt keinen konkreten Nutzen − der Erwerb eines Bürgerrechtes. Trotzdem liegt es vielen am Herzen, sich offiziell als Stadtluzerner bezeichnen zu können. zentral+ hat mit einigen Neuluzernern gesprochen. Und vor allem emotionale Gründe erfahren.

Die Bürgerrechte eines neuen Ortes anzunehmen, bringt im Grunde nichts − aber es kostet (siehe Box). Trotzdem wollen jährlich bis zu hundert Schweizerinnen und Schweizer Stadtluzerner werden. Darunter befinden sich auch die Familien Galliker und Berger. Sie dürfen sich seit gut einem Monat offiziell als «Stadtluzerner» bezeichnen. Was hat sie zu diesem Schritt bewogen?

«Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür», lacht Daniel Galliker. Sein bisheriger Heimatort war Emmen, dort ist er auch geboren und aufgewachsen. Niemand aus seiner Familie wohne mittlerweile mehr dort und auch sonst verbinde ihn nicht mehr viel mit dem Vorort von Luzern. «Wenn ich durch Emmenbrücke fahre, dann bekomme ich zwar ein vertrautes Gefühl, aber heimatlich fühle ich mich dort nicht.»  Vor rund 20 Jahren hat es ihn mit seiner Frau Sandra in die Stadt gezogen. Vom urbanen Leben habe er sich schon immer angezogen gefühlt, sagt Galliker, die überschaubare Grösse der Stadt sei ihm gerade recht.

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«Es hat etwas mit Lokalpatriotismus zu tun und ist ein Bekenntnis zu Luzern.»
Daniel Galliker, «Neuluzerner» 

Alten Heimatort behalten

Zudem seien die beiden Kinder in der Stadt geboren. «Wenn wir schon hier leben, wollen wir auch Bürger dieser Stadt sein», begründet er den Entscheid. «Es hat etwas mit Lokalpatriotismus zu tun und ist ein Bekenntnis zu Luzern.» Da habe es ihm auch nichts ausgemacht, als ihm die Behörden seine beiden alten Heimatorte, neben Emmen noch Beromünster, gestrichen hatten — obwohl er sie eigentlich hätte behalten wollen. Seiner Frau Sandra hingegen sei es jedoch wichtig gewesen, ihren alten Heimatort Dallenwil NW behalten zu können. «Es sind sentimentale Gründe», erklärt Galliker den Hintergrund. «Es ist eine Erinnerung an ihren verstorbenen Vater.»

Vor gut 16 Jahren kamen die Bergers nach Luzern und haben in der Stadt ein neues Zuhause gefunden.

Vor gut 16 Jahren kamen die Bergers nach Luzern und haben in der Stadt ein neues Zuhause gefunden.

(Bild: zvg)

Ähnlich sieht es bei Lukas Berger aus. Dem Vater der sechsköpfigen Familie war es aus emotionalen Gründen wichtig, seinen alten Heimatort beizubehalten. «Er ist da eher traditionell», lacht seine Frau Anja. Die Initiative, das Luzerner Stadtbürgerrecht anzunehmen, kam von ihr. «Ich hätte früher nie gedacht, dass ich so lange an einem Ort leben würde», erzählt sie. Seit gut 16 Jahren nennt die Familie die Stadt Luzern ihr Zuhause. Vorher seien sie viel unterwegs gewesen, ihr erstes Kind sei sogar in England geboren.

«Von totalem Unverständnis bis hin zu Gratulationen haben wir alles erfahren.»
Anja Berger, Neuluzernerin

Als sie vom Ausland wieder in die Schweiz zurück wollten, suchten sie nach einem neuen Wohnort. «Wir wollten einen Neuanfang und die Wahl fiel dabei eher zufällig auf Luzern», so Anja Berger. Die beruflichen Perspektiven ihres Mannes seien in erster Linie massgebend gewesen. «Bereut habe ich diesen Entscheid nie, ich fühle mich nach wie vor sehr wohl hier», sagt sie weiter.

Unterschiedliche Reaktionen

Wie hat ihr Umfeld auf die «Neuluzernerin» reagiert? «Das war sehr unterschiedlich», so Berger. «Von totalem Unverständnis bis hin zu Gratulationen haben wir alles erfahren.» Dabei sei der Erwerb des Stadtbürgerrechts eigentlich gar keine so grosse Sache für die Familie. «Wir waren doch schon immer Stadtluzerner», hätten die Kinder gesagt, als sie gefragt wurden, ob sie einverstanden wären, dies offiziell zu machen − denn zu Oensingen SO hat die Famile längst keinen Bezug mehr.

«Der Heimatort hat vor allem eine emotionale Bedeutung.»
Ludwig Peyer, Präsident Verband Luzerner Gemeinden (VLG)

Was bringt der Heimatort?

Wie werde ich Stadtluzerner?

Um als Schweizer das Gemeinde- oder Kantonsbürgerrecht zu erhalten, muss ein entsprechendes Gesuch gestellt werden. Es gibt jedoch Voraussetzungen, um dieses überhaupt einreichen zu können: Man muss von den letzten fünf Jahren mindestens drei Jahre in der Stadt Luzern gewohnt haben, ein Jahr davon unmittelbar vor der Gesuchseinreichung. Zudem wird ein «guter Ruf» benötigt. Das heisst, es dürfen keine Betreibungen, Verlustscheine oder Steuerschulden vorliegen. Der Strafregisterauszug sollte ebenfalls leer sein.

Erfüllt man diese Bedingungen und ist bereit, alle Gebühren für die erforderlichen Dokumente zu bezahlen − plus zusätzlich 150 Franken pro erwachsene Person für die Bearbeitung des Gesuches − darf man sich drei Monate später offiziell Stadtluzerner nennen.

Vielfach war man noch nie in seinem Heimatort und hat keinerlei Bezug zu ihm − trotzdem steht er in jedem Ausweis. Was bringt das heute überhaupt noch? «Eigentlich wenig», erklärt Ludwig Peyer, Präsident des Verbands Luzerner Gemeinden (VLG). Jeder Schweizer ist im Register seines Heimatortes eingetragen, so verlangt es das Gesetz. Im Heimatregister werden alle Ereignisse innerhalb der Familie eingetragen, so etwa Heirat, Geburten oder Scheidungen.

«Der Heimatort ist eine Verbindung zu den eigenen Wurzeln und hat somit vor allem eine emotionale Bedeutung», so Peyer weiter. «Vor der Auflösung der Bürgergemeinden hatte man noch einen Anspruch auf einen Platz im Altersheim in seinem Heimatort.»

Heute sei jedoch der Wohnort für fast alles zuständig: von der Pflegefinanzierung über das Stimm- und Wahlrecht bis hin zu den Sozialleistungen. «Die Bürgergemeinde hat eigentlich keine Verpflichtungen mehr − ausser in sehr speziellen Ausnahmen», erklärt Peyer.

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