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«Wenn ich gefallen bin, dann immer auf den Rücken»
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Harold Kreis vor seiner neuen Wirkungsstätte, der Bossard Arena (Bild: Claude Hagen)

50 Fragen an Harold Kreis, Headcoach EV Zug «Wenn ich gefallen bin, dann immer auf den Rücken»

13 min Lesezeit 31.05.2014, 05:27 Uhr

Harold Kreis hat am 1. Mai sein Amt als Cheftrainer des EV Zug angetreten. Und versucht nach der misslungenen Saison 2013/14 einen Neuaufbau. Weniger Strafen und Emotionen sind das Ziel, um mit dem Klub «so bald wie möglich» den zweiten Meistertitel zu holen. Wir absolvierten mit dem Deutsch-Kanadier ein Schweiz-Quiz und sprachen über die Gründe für seinen Spitznamen, Kreissägen, Schwarzgeld und Kirschtorten.

Freitagvormittag, wir warten in der Geschäftsstelle unter dem Dach der Bossard Arena. Vor dem Stadion hatten wir Gelegenheit, mit Jürg Casalini ein paar Worte zu wechseln. Der Geschäftsführer der Kunsteisbahn Zug und frühere NLA-Spieler erlebte den heutigen EVZ-Headcoach noch als gegnerischen Spieler. Und bezeichnet ihn als Gentleman, heute wie damals.

Harold Kreis hat sich etwas verspätet. Das gibt uns Gelegenheit, das Leitbild und die Werte des EV Zug zu studieren. Über den Tribünensitzen früherer EVZ-Präsidenten wird von den Mitarbeitenden Respekt, Offenheit und Transparenz eingefordert. Die Begrüssung ist herzlich, die Suche nach einem freien Sitzungszimmer vergeblich. Die Saison ist noch jung, vieles muss sich erst noch einspielen, nicht nur auf dem Spielfeld. Wir finden einen ruhigen Platz nebenan.

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1. Harold Kreis, willkommen in der Zentralschweiz. Haben Sie sich in Zug bereits etwas eingelebt?

Harold Kreis: Ich bin noch dabei. Die Wohnung ist noch voller Kartons. Es ist mir wichtig, einen Ort zu haben, an dem ich regenerieren kann, meine Ruhe finde, lese. Darum bin ich jetzt schon dabei, die Wohnung in Unterägeri einzurichten, dass es im Juli nicht zu hektisch wird.

2. Sie ziehen alleine nach Unterägeri?

Meine Frau wird pendeln. Wir wohnen eigentlich in Ladenburg, das liegt zwischen Heidelberg und Mannheim. Sie wird nicht Vollzeit hier sein, aber so oft wie möglich. Meine Tochter ist 28-jährig, mein Sohn 23 Jahre alt. Die sind natürlich bereits selbständig. Meine Frau hat auch noch einen 17-jährigen Sohn.

3. Da darf der Golden Retriever sicher nicht fehlen…

Bei uns ist es ein Scotch Terrier. Er gehörte meiner Frau, und ich habe ihn adoptiert.

4. Sie haben Ihr Amt am 1. Mai angetreten. Das war ja eigentlich ein Feiertag.

Genau, der Tag der Arbeit. Das ist ein guter Tag zum Beginnen.
Lacht. Die Stimmung ist offen, Harold Kreis fixiert seine Gesprächspartner interessiert. Den Werten des EV Zug scheint er vorbildlich nachzuleben, auch wenn er sie als Teil des Unternehmensverständnisses vermutlich noch nicht kennt.

5. Werden Sie in Unterägeri am lokalen Leben teilnehmen?

Ich habe dieses Willkommensangebot bekommen und die haben ja diese freiwillige Feuerwehr. Da dachte ich mir, das wäre sicherlich gut. Leider finde ich wohl kaum Zeit, der Feuerwehr beizutreten. Man sollte sich aber schon ein bisschen integrieren.

5. Uns fällt auf: Ihr Dialekt klingt wie ein Bayer, der lange in den USA gelebt hat.

Überlegt. Nein, ich versuche immer dialektfrei zu reden. Ein paar Sätze kann ich schon auf Bayrisch. Auch auf Schweizerdeutsch, aber ich lasse das jetzt lieber.

Schade. Wir hätten die Tonaufnahme gerne verwendet.

6. Womit haben Sie sich seit Ihrem Ausscheiden bei den Adlern Mannheim Ende 2013 beschäftigt?

Zuletzt waren wir in Spanien in den Ferien. Dazwischen habe ich mich in Selbstreflexion geübt, Eishockey für einmal nur am Rande mitverfolgt und stattdessen meine Person etwas hinterfragt.

7. Spannend. Und zu welcher Erkenntnis sind Sie gelangt?

Schmunzelt über soviel Unverfrorenheit gleich zu Beginn.
Ich habe gemerkt, dass ich noch entwicklungsfähig bin, beispielsweise in der Kommunikation. Aber auch, dass ich wohl nicht so ein schlechter Kerl bin.

8. In Mannheim hätten sie bis Ende letzter Saison bleiben wollen. Ende Dezember wurde eine einvernehmliche Trennung vereinbart. Kein schönes Ende nach dreieinhalb Jahren…

Spitzensport ist kein Wunschkonzert. Der Klub wird immer im Dienste des Klubs handeln und seine Zukunftsperspektiven wahrnehmen. Als Trainer kann ich dies sehr gut nachvollziehen. Natürlich steigt man nicht gerne während des Rennens vom Pferd, aber ich glaube wir haben uns professionell getrennt.

(Bild: Christian Hug)

9. Der EV Zug war letzte Saison erstmals seit Langem nicht mehr in den Playoffs. Ist es einfacher, ein Team auf dem Höhepunkt zu übernehmen oder wenn es mal nicht so gut lief?

Einfach ist vielleicht das falsche Wort. Man kann optisch womöglich ein bisschen mehr bewirken, auch die Bereitschaft und der Wille zur Veränderung ist ausgeprägter, wenn es einem Team zuletzt nicht so gut lief. Wir planen klar einen Neuanfang, schauen nach vorne.

10. Chefs bestimmen ihr Team oder die Mitarbeiter gerne selbst. In Zug wurden die wichtigsten Transfers noch vor ihrer Zeit verpflichtet. Ist es nicht auch eine Hypothek, sein Team nicht selbst zusammenstellen zu können?

Ja, das ist manchmal gar nicht so einfach. Mit Tobias Stephan, Robin Grossmann und Dario Bürgler hat Zug hervorragende Spieler verpflichten können. Seit meinem Antritt als Trainer werden die Verpflichtungen besprochen, insbesondere die Ausländer. Ich hoffe, dass die weiteren Zuzüge mit meiner Mitsprache genauso gut werden.

11. Als Trainer haben Sie in drei Saisons in der höchsten Schweizer Spielklasse zweimal den Meistertitel geholt. Da fragt man sich natürlich: Wann wird dies mit Zug der Fall sein?

Lacht. Ich würde am liebsten spontan antworten: So schnell wie möglich. Wir arbeiten daran und ich weiss, dass die Erwartungen – eigentlich wie in jedem Klub – sehr gross sind. Unser Ziel ist es, immer näher an diese Meisterschaft zu rücken. Vielleicht ist die Aussage so bald wie möglich gar nicht so falsch.

«Ich bin kein Zocker und daher habe ich mich für die sicherere Variante entschieden.»

Wir versuchen es mit etwas schwierigeren Fragen.

12. Gleichzeitig haben Sie immer, wenn Sie den Meistertitel geholt haben, den Verein auch gleich wieder verlassen.

Zögert. Unfreiwillig. Ich war zum Zeitpunkt meiner Entscheidungen durchaus überzeugt, dass wir gewinnen könnten. Da haben sich einfach andere Gelegenheiten ergeben. Ich bin kein Zocker und daher habe ich mich für die sicherere Variante entschieden.

13. Mannheimer Fans warfen Ihnen teilweise vor, ihr Coaching sei zu passiv. Da fragt man sich: Geht das mit Josh Holden zusammen?

Für mich heisst passiv emotionslos, was natürlich nicht der Fall ist. Nur trage ich meine Emotionen nicht zur Schau. Wie will ich sonst von meinen Spielern verlangen, ihre Emotionen unter Kontrolle zu haben, wenn mir dies selber nicht gelingt.

14. Doch Eishockey bleibt ein emotionaler Sport, und dies wird in Zug ja auch kultiviert.

Natürlich. Doch ich mache nicht den Kasper. Das ist womöglich auch ein Fehler, weil man so den Eindruck gewinnen könnte: Der ist untätig und passiv. Die Spieler spüren schon auch Emotionen. Ich aber muss Entscheidungen treffen, die auf einem klaren Kopf beruhen.

15. Ihre Vorgänger konnten das Temperament von Holden nicht immer zügeln. Sie trauen es sich zu?

Ich kenne Josh nur aus ein paar Gesprächen. Ich denke, als Erstes muss er sich unter Kontrolle bringen. Lacht. Wir wollen dasselbe Ziel erreichen.

16. Mit Jakub Horak und Reto Kläy hat der EV Zug ja derzeit gleich zwei Sportchefs. Mit wem sprechen Sie sich ab, mit beiden?

Nicht wirklich. Horak hat nach wie vor Aufgaben im Klub, aber die berühren mich und die erste Mannschaft kaum. Bisher arbeite ich ausschliesslich mit Reto Kläy zusammen.

Vorerst genug Sport. Und interessiert auch noch anderes.

17. Welchen Eindruck haben Sie von Zug, einer Kleinstadt mit Hochhäusern und einer putzigen Altstadt?

Ich war schon ein paarmal hier, kannte Zug aber immer nur aus der Perspektive des Bordsteinpflasters. Wenn ich aber von Unterägeri runter fahre und Zug von oben sehe, macht das einen viel grösseren und kosmoplitischen Eindruck. Da sind die Häuser, daneben markante Hochhäuser und der See, das weckt fast schon Romantik in mir. lacht

18. Sie sprechen von Romantik. Dann gefällt Ihnen die Schweiz?

Spontan erinnert mich die Schweiz an Kanada. Sie ist nur viel kompakter. Ich kann in wenigen Stunden alle Regionen erreichen, habe Berge, Seen, Städte. In Kanada musste ich dafür immer 25 Autostunden fahren.

19. Wird man Sie im Anzug an der Bande sehen oder eher sportlich?

Wir haben ja Bekleidungssponsoren. Wie Sie sehen, sieht das sehr schick aus. Ich kann natürlich eine Kravatte tragen, aber es geht auch gut ohne. Der professionelle Auftritt gehört einfach dazu.

20. Sie haben die Diskussion um das Bankgeheimnis sicherlich mitverfolgt. Haben Sie ihr Schwarzgeld bereits in Sicherheit gebracht?

Lacht laut los. Das Wort Schwarz in Verbindung mit Geld sollte man nicht benutzen, denken Sie an die NSA! Nein, Spass beiseite, da gibt es nichts, das ich in Sicherheit bringen müsste.

21. Sie kennen ja sicher auch andere Zuger Spezialitäten wie tiefe Steuern…

Zur Person

Harold Kreis wurde am 19. Januar 1959 im kanadischen Winnipeg geboren. Seine ersten Eishockeyspiele absolvierte der Kanadier mit deutschen Wurzeln von 1975 bis 1977 für die West Kildonan North Stars in der Manitoba Junior Hockey League. Danach kam ein einjähriger Abstecher in die Western Canada Hockey League bei den Calgary Wranglers, ehe Kreis 1978 nach Deutschland geholt wurde. Dort spielte er ganze 19 Saisons als Verteidiger und wurde mit dem ERC Mannheim, der später in Adler Mannheim umbenannt wurde, zweimal Meister.

Nebst mehreren Trainerposten in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fungierte Kreis auch als Trainer vom HC Davos und dem EHC Chur, wobei er 2006 mit dem HC Lugano den Schweizer Meistertitel gewann. Zwei Jahre später gelang ihm dies mit den ZSC Lions erneut. Zuletzt war er als Trainer der Adler Mannheim sowie als Co-Trainer des deutschen Eishockey-Nationalteams tätig. Seit dem 1. Mai ist er Head-Coach beim EV Zug und wohnt in Unterägeri. Kreis ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Ich weiss, dass Zug ein Tiefsteuerkanton ist. Schwyz und Zug, glaube ich. Ich schätze Eigenverantwortung. Wenn es diese Steuerkonkurrenz innerhalb der Schweiz gibt, dann finde ich das nicht schlecht. Es ist ja nicht so, dass man sein ganzes Hab und Gut aufgibt, um irgendwo hinzuziehen, wo die Steuern niedrig sind. Jeder trifft seine eigenen Entscheidungen. Auch der Kanton Zug, der damit Vor- und Nachteile in Kauf nimmt.

22. Wird man Sie auch häufig auf dem Golfplatz antreffen?

Schmunzelt. Es ist ja immer saisonbedingt. Wenn ich die Möglichkeit habe, spiele ich gerne. Manchmal sind es nur 9 Löcher, manchmal 6 oder 12. Golf ist für mich Entspannung.

23. Küssnacht oder Public Golf in Holzhäusern?

Da muss ich Elite-Headcoach Leo Schumacher fragen. Es gibt ja einen Platz in Luzern, glaube ich, wo er spielt. Er meint Dietschiberg. Ziemlich elitär. Dann gibt es auch einen in Holzhäusern. Rettet sich gerade noch mit dem Hinweis zum Public Golf der Migros.

24. Welches ist der höchste Berg, den Sie je bestiegen haben?

fragt ungläubig: Bestiegen? Sie meinen also zu Fuss?

Ja, klar. Wandern nennt sich das bei uns.

lacht. Noch keinen.
Nun gut, Sport hat er täglich genug. Schnell zur n
ächsten Frage.

25. Welches ist Ihr Lieblingsrestaurant in Zug?

Die Frage kommt ein bisschen früh, ich war leider noch nicht so viel unterwegs in Zug. Wo es mir sehr gut gefallen hat, ist das Restaurant Kreuz. Das wäre dann in Oberwil.

26. Wo wurden Sie engagiert? Die Gespräche verlaufen in der Regel ja ziemlich konspirativ.

Sondiert das Terrain. Also für das erste Gespräch musste ich keine Autobahnvignette kaufen.
Aha. In Deutschland also.

(Bild: Christian Hug)

27. Sie geben uns das Stichwort: Autofahren. Die Offroader-Dichte in Zug ist ja legendär…

Unterbricht. Wir scheinen einen Nerv getroffen zu haben. Jaja, das ist bekannt. Da gab es doch mal eine Initiative, Offroader mehr zu besteuern oder gar ganz zu verbieten. Ging wohl ein bisschen gegen den Trend.

28. Wir nehmen mal an, Sie wären von einem Verbot ebenfalls betroffen gewesen?

Unschuldig blickend. Ähm, ja. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich betroffen gewesen. Und heute auch.

29. Haben sie im Stadion einen eigenen Parkplatz?

Noch nicht. Aber Mirjam (er meint Miriam Strebel, die uns so nett empfangen hat) hat gesagt, dass mir eigentlich einer zustünde. Es ist natürlich recht angenehm, von der Tiefgarage direkt ins Büro zu gelangen.

30. Sie sind auch auf sozialen Netzwerken recht aktiv.

Ja, auf Xing und Linkedin. Ich bin angemeldet dort, aber nicht so aktiv. Meinen Facebook-Account habe ich deaktiviert. Manchmal folge ich auch meinen Spielern auf Twitter, damit ich weiss, was die gerade machen. Aha. Das werden sich die Spieler merken müssen.

31. Uns interessiert Ihr Vorname. Weshalb Harold?

Da musst du meine Eltern fragen. Ich habe darauf nie eine befriedigende Antwort erhalten. Ich kann nur vermuten, dass sie mir mit einem englischen Vornamen das Leben in Kanada ein bisschen einfacher machen wollten. Vermutlich hatten Sie als Deutsche nach dem Krieg etwas Hemmungen. Dabei haben sie aber vergessen, den Familiennamen mit zu ändern. Lacht laut.

Harold hat schon vor längerem zum vertraulichen Du gewechselt. Die Gesprächsatmosphäre ist offen und angenehm.

«Wenn ich gefallen bin, dann immer auf den Rücken. So habe ich den Spitznamen Turtle bekommen.»

32. Sie haben einen Hund adoptiert. Haben Sie auch Schildkröten?

Nein. Nie gehabt und auch nie gewollt.

33. Aber sie haben eine Beziehung zu Schildkröten?

Turtle, ja genau, mein Spitzname. Ihr habt gut recherchiert, Jungs. Er lacht. Und wir freuen uns über das Lob. Wenn ich gefallen bin, dann immer auf den Rücken. So habe ich den Spitznamen Turtle bekommen.

34. Wie schmeckt einem Deutschen das Baarer Bier?

Baarer Bier? Hier aus der Gegend?

Erwischt. Sonst weiss er ja schon schon viel…

35. Ja, das ist hier aus der Gegend. Wir überlegten uns, ob wir zum Interview eines mitbringen sollen. War aber etwas früh vor dem Mittag. Sie trinken also Millers?

Wenn ich ein Bier trinke, dann kein amerikanisches. Ich konnte nie verstehen, dass Nordamerikaner nach Deutschland kommen, wo die Bierkultur so ausgeprägt ist, und dann ein Millers, Bud light oder Coors bestellen. Auch hier werde ich das regionale Bier trinken, wie immer das heissen mag.

36. Zug hat noch mehr zu bieten. Wie schmeckt Ihnen die Kirschtorte?

Die habe ich noch nicht probiert. Die Kirsche ist keine Frucht, die mich aus dem Sessel reisst.

Aha. Eine Bildungslücke. Sie enthält keine Kirschen, sondern den Brand. Und ist eine Zuger Spezialität.
Wir machen gleich weiter mit dem Swissness-Quiz.

37. Wissen Sie, wer der derzeitige Schweizer Bundespräsident ist?

Nein.

38. Womit schoss Wilhelm Tell?

Pfeil, oder?

39. Ja, Armbrust. Kennen Sie unsere vier Landessprachen?

Deutsch, Italienisch, Französisch und Romanisch. Ha, es hat geholfen in Graubünden zu leben. Lacht. Und wir ziehen beeindruckt den Hut.

40. Wissen Sie, welches der kleinste Schweizer Kanton ist?

Zögert. Ich sehe die Landkarte vor mir, aber nein, das weiss ich nicht.

Es wäre der Kanton Zug. Sie haben über 50 Prozent der Fragen richtig beantwortet. Gar nicht schlecht (ein kleines Kompliment hilft für die folgenden Fragen).

41. Das Ja zur Einwanderungsinitiative vor rund zwei Monaten hat europaweit hohe Wellen geworfen. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Ich glaube, vielen Kritikern ist nicht bekannt, dass die Schweiz wohl den höchsten Ausländeranteil in Europa hat. Ich kann die Auswirkungen nicht beurteilen, aber ich fand das nicht so dramatisch, auch nicht diskriminierend.

42. Hat sich Ihr Bild der Schweiz durch dieses Votum verändert?

Setzt eine ernste Miene auf. Ich habe gleich auf der EVZ-Geschäftsstelle angerufen und gefragt, ob mich das auch betrifft. lacht. Nein, eigentlich nicht.

(Bild: Christian Hug)

43. In Deutschland wurden Sie als Trainer ja zweimal Vizemeister. Weshalb hat es in der DEL nie ganz zum Meistertitel gereicht?

Das ist eine sehr gute Frage. Lacht. Wir waren gut, aber einfach nicht gut genug. Wir führten zuhause mit 5:2 und sind von einer Lawine, einem Tsunami, überschwemmt worden. Aber wenn ich sehe, dass der FC Liverpool nach einer 3:0-Führung auch 3:3 spielt, dann muss ich sagen: Das kann im Sport passieren. Lacht. Shit happens!

44. Sie waren 3 1/2 Jahre als Trainer in Mannheim und haben ganze 19 Saisons bei den Adlern gespielt. Was verbindet Sie noch heute mit diesem Verein?

Mannheim war 19 Jahre lang mein Lebensmittelpunkt. Meine Kinder wurden dort geboren, viele meiner Freunde leben noch dort.

45. Nur ein Lebensmittelpunkt oder auch Heimat?

Da ich aus Kanada eingewandert bin, fragen mich immer viele Leute, wo meine Heimat sei. Gerade jetzt, wo ich nach Jahren im Ausland wieder mehrere Jahre in Mannheim war, trifft dies wohl auf die Stadt zu.

46. Wo sonst wären Sie gerne mal tätig gewesen?

Als Kanadier wollte ich natürlich in der NHL spielen. Dazu haben aber einfach die Fähigkeiten gefehlt. Ich hätte auch gerne ein Stipendium an einer Universität in den USA bekommen, aber auch das hat nicht geklappt. Als ich dann nach Deutschland kam, gab es für mich neben Mannheim keinen Klub, der mich in gleichem Masse gereizt hätte.

47. Relativ früh in Ihrer Karriere kam es zu einem Unfall, bei dem Sie sich schwere Gesichtsverletzungen zuzogen. Wie hat sich dieses Ereignis von 1980 auf Ihre weitere Spielerkarriere ausgewirkt?

Zögert, ein schwieriges Thema. Ich bin bescheidener geworden. Man kommt hierher, ist voller Tatendrang und denkt, die Europäer spielten sowieso kein hartes Eishockey. Damals habe ich einfach oft zu viel Risiko genommen. Ich habe verstanden, dass man als Spieler nicht unzerstörbar ist, Demut und Bescheidenheit gelernt.

48. Sie galten als sehr fairer Spieler. 628 Strafminuten in einer ganzen Karriere sind ausgesprochen wenig, insbesondere als Verteidiger. Zug ist ja diesbezüglich eher das Gegenteil, was die Strafenquote betrifft.

Lacht. Ich war ja kein harter Spieler. Aber das ist Zugs Vergangenheit. Die Zukunft wird anders aussehen, was die Strafen anbelangt.

«Mit meinem Namen kann man ja sehr gute Sachen machen».

49. Welches war Ihr bisher schlimmstes Erlebnis mit den Medien?

Überlegt, wirkt ernst: Als wir in Zürich die Meisterschaft gewonnen haben, da gab es während der Saison ein paar Vorfälle, die mich getroffen und aufgeregt haben. Aber gleichzeitig war der schönste Abend der Saison eben auch mit diesen Presseleuten. Das hat mich gelehrt, dass jeder nur seinen Job macht.

Er holt mit den Armen aus: Mit meinem Namen kann man ja sehr gute Sachen machen: «Wann kommt die Kreissäge raus?» oder «Zürich dreht sich im Kreis» und so. Trotz allem lacht er. Im Nachhinein muss ich schmunzeln, die sind erfinderisch. Der Spruch ist gut.

50. Gibt es etwas, das Sie den Zuger Fans sagen möchten?

Gerne. Ich bedanke mich für das Vertrauen und freue mich auf die kommende Saison und hoffe, dass wir gemeinsam auf die Mannschaft stolz sein können. 

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