«Wenn ich euch 50’000 Franken gebe, darf ich dann die Hauptbühne nach mir benennen?»
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Das aktuelle, erweiterte Leitungsteam in ihrem Sonnenberg-Büro: Jennifer Jans, Marius Disler (sitzend) und Marcel Bieri.  (Bild: jwy)

Die wichtigsten Antworten vor dem B-Sides-Festival «Wenn ich euch 50’000 Franken gebe, darf ich dann die Hauptbühne nach mir benennen?»

8 min Lesezeit 15.06.2016, 13:53 Uhr

Trotz des Dauerregens ist fast alles parat auf dem Sonnenberg für das B-Sides. Obwohl bis am Wochenende nicht weniger 250 Helfer im Einsatz sein werden, steigt die Nervosität bei den Organisatoren, denn: zwei der drei Mitglieder der Festivalleitung sind neu. Und sie haben auch schon ein wichtiges Thema gefunden, wo es zukünftig Nachholbedarf gibt.

Seit Donnerstag letzter Woche – eine Woche vor Festivalstart – sind sie auf dem Sonnenberg: all die fleissigen Helferhände, die das B-Sides-Festival aufbauen, das Gelände herrichten, die Deko malen, Küche einheizen und und und. Auch das B-Sides-Büro zügelte letzten Donnerstag temporär vom (ohnehin schon temporären) Neubad in die Bergstation der Sonnenberg-Bahn.

Letzten Herbst war die Leitung neu aufgestellt und erweitert worden – dies auch, um Marcel Bieri, der die Geschäftsführung bisher alleine schmiss, zu entlasten. Neben B-Sides-Urgestein Marcel Bieri stiessen neu Marius Disler (Kommunikation, Sponsoring und Fundraising) und Jennifer Jans (Administration und Organisation) dazu. Es ist für diese beiden die erste Bewährungsprobe, das erste Festival.

Zahlen und Musik

Disler hat Wirtschaft studiert und in einer Marketingagentur gearbeitet. Doch beim B-Sides kann’s nicht nur um Zahlen gehen, ein grosses Stück Musikbegeisterung gehört dazu. Disler hat bei Goldon Records gearbeitet und spielt bei der Band Kapnorth Gitarre.

Die 11. B-Sides-Ausgabe startet am Donnerstag. Für diesen wohl leider verschifften Abend gibt’s noch Tickets – und Wetter hin oder her: Es spielen mit Shearwater (USA) und The Notwist (D) zwei der absoluten Highlights. Freitag und Samstag sind ausverkauft.

Es sieht schon merklich nach Open-Air aus.  (Bild: jwy)

Es sieht schon merklich nach Open-Air aus.  (Bild: jwy)

Die wichtigsten Fragen vor dem 11. B-Sides-Festival haben wir Marius Disler gestellt:

zentralplus: Es wird dein erstes B-Sides-Festival: Nervös?

Marius Disler: Ja, ich bin sehr nervös, aber die Stimmung ist super. Die wichtigsten Sachen sind gefixt, da kann nichts mehr schiefgehen. In den kleinen Dingen bin ich noch gespannt, wie das alles läuft. Aber ich bin optimistisch.

zentralplus: Seit letztem September seid ihr neu ein Dreierteam (zentralplus berichtete): Wie harmoniert ihr?

Disler: Marcel ist ein Gründungsmitglied, Jenny und ich sind erst seit einem Jahr dabei, das ganz Know-how ist bei ihm, wir sind die zwei Wissensdurstigen, die alles aufsaugen. Er führt uns ein, und wir bringen das Neue. Es ist eine sehr interessante Konstellation, nicht immer nur einfach, aber sehr gut für das Festival.

«Wir haben dieses Jahr mehr überdachte Flächen, wir schauen, dass alle Leute irgendwo Unterschlupf finden, wenn sie das möchten.»

zentralplus: Geht’s jetzt ums Kennenlernen – richtig mitgestalten könnt ihr dann ab nächstem Jahr?

Disler: Es gibt schon einige Sachen, die Jenny aus ihrer Erfahrung vom Basler Festival BScene, wo sie im Vorstand ist, mitnehmen konnte. Auch ich versuche meine Inputs einzubringen, das hat in Zukunft sicher noch mehr Platz.

zentralplus: Findet nach zehn B-Sides jetzt mit dem neuen Leitungsteam gerade ein Generationenwechsel statt?

Disler: Ja, das ist der Schritt, den der Vorstand mit der neuen Geschäftsstelle – mit Jenny und mir – machen wollte. Nach zehn Jahren braucht es frischen Wind, der das Ganze weitertreibt. Und es ist auch eine Professionalisierung. Auch bei den Helfern kamen viele Kollegen von uns dazu, die das Ganze verjüngen.

11. B-Sides-Festival

Über 30 Bands spielen von Donnerstag bis Freitag auf dem Sonnenberg. Zu den Highlights gehören Shearwater (USA) und The Notwist (D) am Donnerstag, Destroyer (CAN) und Beak> (GB) 
am Freitag sowie Valdimar (ISL) oder Palmyra (CH /SYR) am Samstag. Am Samstagnachmittag gibt’s ein Kinderprogramm. Siehe auch: Diese Bands spielen auf dem Sonnenberg.

zentralplus: Muss man das Sponsoring und Fundraising verstärken, um die Finanzierung des Festivals längerfristig abzusichern?

Disler: Ja, das ist eine sehr grosse und wichtige Aufgabe, das müssen wir in Zukunft noch ausbauen.

zentralplus: Was heisst das: Mehr langfristige Unterstützer? Klassisches Sponsoring ist bei einem nicht-kommerziell ausgerichteten Festival sicher schwierig.

Disler: Richtig, wir haben bis jetzt sehr gute Partner, die jahrelang mitziehen. Das Ziel ist, dass wir neue dazugewinnen. Vielleicht kleine, dafür aber viele. Natürlich wäre es schön, wenn wir einen grossen Partner fänden, der das Festival versteht. Aber das ist nicht ganz einfach, wir wollen es ja nicht mit Logos vollpflastern. Das Ziel ist auch, von Stiftungen und von der öffentlichen Hand mehr zu bekommen, indem wir zeigen: Das B-Sides hat einen Wert für die Region (Anm. d. Red.: 15’000 Franken bekam das B-Sides 2015 von der Stadt Luzern via Fuka-Fonds, zentralplus berichtete).

zentralplus: Wenn ich euch jetzt 50’000 Franken gebe, darf ich dann die Hauptbühne nach meiner Firma benennen?

Disler: Eher nicht. Ich glaube, wir würden etwas Spezielleres finden für dich, wenn du uns 50’000 Franken gäbest.

zentralplus: Eine der offensichtlichsten Neuerungen auf dem Gelände sehen wir bereits.

Disler: Genau, das neue Dach der Zeltbühne. Es ist stabiler, wir können es für die nächsten zehn Jahre brauchen, und es ist eine schöne Holzkonstruktion, die das Gelände aufwertet.

Das ist das neue Vordach der kleineren Zeltbühne: dieses Jahr das erste Mal im Einsatz.

Das ist das neue Vordach der kleineren Zeltbühne: dieses Jahr das erste Mal im Einsatz.

zentralplus: Die gehört euch? Die baut ihr auf, ab und lagert ihr dann ein?

Disler: Holzbauer haben die für uns entwickelt. Es ist eine gute Investition, auch für die ganze Sicherheit. Es hat uns um die 10’000 Franken gekostet.

zentralplus: Am Donnerstag fängt es an – und es regnet: Bereitet ihr euch speziell darauf vor? Oder kümmert euch das nicht?

Disler: Doch, das kümmert uns sicher. Wir haben dieses Jahr mehr überdachte Flächen, wir schauen, dass alle Leute irgendwo Unterschlupf finden, wenn sie das möchten. Aber es wird auch super, wenn es regnet, da haben wir keine Angst.

So sieht’s aus, wenn man mit dem Bähnli auf den Sonnenberg fährt:

zentralplus: Wie viele helfende Hände sind jetzt auf dem Sonnenberg? Und wie viele während des Festivals?

Disler: Der Aufbau fängt mit vielleicht 20 Leuten an. Dann kommt das Deko-Team dazu, dann sind wir am Mittwochabend vielleicht 50 Leute auf dem Gelände. Und insgesamt werden alles in allem etwa 250 Helfer hier sein.

zentralplus: Wie muss man sich diese Woche vorstellen: Gewisse schlafen hier, gibt es jeden Abend ein Fest?

Disler: Der Aufbau ist wie Lagerfeeling, mega schön und angenehm. Die Leute kommen zusammen, essen miteinander, spielen Boccia und am Schluss gibt’s immer ein Feuer. Dann gehen alle schlafen und am Morgen geht’s wieder an die Arbeit.

zentralplus: Und ihr vom Leitungsteam seid permanent auf dem Sonnenberg?

Disler: Vor dem Festival nicht, aber während des Festival schlafen wir hier im Büro.

Vorfreude bei Marius Disler:

zentralplus: Wie läuft eigentlich so ein Aufbau: Wo fängt man an?

Disler: Mit der grossen Bühne, dann kommt sehr schnell der überdachte Platz zum Essen. Das Essen ist sowieso sehr wichtig: während des Festivals, aber auch für die Helfer. Gutes Essen motiviert. Nach den Bühnen kommen die Bars, dann das Deko-Team.

zentralplus: Auch auf den Backstageraum für die Bands legt ihr grossen Wert, wieso?

Disler: Ja sehr. Dort kommen alle Bands zusammen, da werden alle als VIP behandelt. Ob kleine oder grosse Band: Sie haben einen Raum, der superschön gestaltet wird, mit Helfern, die sich um die Bands kümmern. Die Musiker schätzen das schöne Ambiente sehr, weil es familiär, aber trotzdem professionell ist.

zentralplus: Was macht mehr Spass: der Auf- oder Abbau?

Disler: Das kann ich noch nicht sagen, aber ich glaube der Aufbau, weil man die Euphorie spürt.

«Das B-Sides soll auch ein Ort sein, wo man alte Freunde wiedersieht. Austausch und Musik, das soll nebeneinander Platz haben.»

zentralplus: Musikbegeistert müssen wohl alle drei vom Leitungsteam sein – auch du als Geldeintreiber?

Disler: Die Begeisterung für den Sinn dahinter muss bei allen im Herzen sein: dass wir interessante Musik präsentieren wollen. Jenny ist Musikerin, ich habe eine Band. Das Musikinteresse muss da sein, sonst würden wir nicht ein ganzes Jahr für die drei Tage arbeiten.

zentralplus: Alle lieben das B-Sides, aber man hört auch Unzufriedene: Vor lauter Gequatsche verpasse man immer mehr Musik. Auch schon gehört?

Disler: Ja, sicher, das ist nicht nur schlecht. Das B-Sides soll ja auch ein Ort sein, wo man alte Freunde wiedersieht. Austausch und Musik, das soll nebeneinander Platz haben. Aber natürlich soll die Musik Priorität haben.

zentralplus: Aber es ist nicht wie an der Kilbi Bad Bonn, dem Festival bei Freiburg, bei dem die Musik über allem steht?

Disler: Das ist so. Wir versuchen die Musik in den Vordergrund zu rücken und gehen diesen Weg, aber wir wollen nicht Bad Bonn 2.0 werden.

zentralplus: Der Donnerstag ist eigentlich musikalisch einer der attraktivsten Abende. Wieso ist er nie ausverkauft, trotz Bands wie Sophie Hunger, Tocotronic, Züri West oder dieses Jahr The Notwist?

Disler: Weil viele Leute am Freitag noch arbeiten müssen, ich selber verstehe es auch nicht. Aber wir arbeiten daran, dass wir die Leute immer mehr auch am Donnerstag auf den Sonnenberg bringen.

zentralplus: Kannst du etwas Orientierung bieten: Dein absolutes Must für jeden Tag, bitte.

Disler: Am Donnerstag sicher The Notwist, die muss ich unbedingt wiedersehen. Am Freitag die Krautrocker Beak>, die habe ich noch nie live gesehen. Und am Samstag Valdimar, das sind Freunde aus Island, es ist unglaublich schön, dass sie hier in Luzern sind.

Und das verpasst, wer den Donnerstag auslässt (The Notwist «Run Run Run» live am Melt Festival 2014):

 

zentralplus: Und was können andere Festivals vom B-Sides lernen?

Disler: Ich glaube, wie wir mit Helfern umgehen. Das ist das Wichtigste für uns: Ohne Helfer gäbe es das Festival nicht. Es ist eine sehr enge Beziehung, vielleicht gibt es Festivals, die das nicht haben. Oder auch die ganze Dekoration – es ist immer ein neues Kunstwerk.

«Es braucht Zeit, sich in die B-Sides-Welt hineinzudenken.»

zentralplus: Was ist das diesjährige kulinarische Highlight, was darf man da nicht verpassen?

Disler: Wir haben neue Leute im Küchenteam, die ihre Inputs bringen, es wird ganz anders als letztes Jahr. Ich sage es mal so: Wir haben versucht, verschiedene Geschmäcker zusammenzubringen. Unser Knoblibrot etwa hat jetzt Zucchetti drin. Wir haben es getestet, und es ist megafein. (Hier geht’s zur Menükarte.)

Verpflegungszelt und im Hintergrund die kleine «Bohos Welcome»-Bühne.  (Bild: jwy)

Verpflegungszelt und im Hintergrund die kleine «Bohos Welcome»-Bühne.  (Bild: jwy)

zentralplus: Zu eurer Website: Verstehst du es, wenn sich Leute nerven, die eine schnelle Information wollen, sie aber nicht finden, weil es überall blinkt und bewegt?

Disler: Ja, das ist uns absolut bewusst, das ist Teil des Konzepts. Heute muss alles einfach und gradlinig sein, aber die Welt ist es eigentlich nicht, das Suchen gehört dazu, das wollten wir abbilden. Der Besucher soll sich Zeit nehmen, so, wie wenn er neue Musik entdeckt. Es braucht Zeit, sich in die B-Sides-Welt hineinzudenken.

zentralplus: Was machst du am Donnerstag um 17.45 Uhr?

Disler: Dann gilt es ernst, mein Puls wird auf 180 sein, und ich werde Pamplona Grup schauen, die erste Band (nicht auf dem Sonnenberg, sondern vor dem Velociped in Kriens).

zentralplus: Und was am Samstag um 4 Uhr?

Disler: Dann werden wir miteinander ein Bier trinken. Und uns vielleicht in den Armen liegen.

Weitere Bilder vom Aufbau in der Galerie:

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