Wenn Hochkultur eine Reise tut
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Der Musikwagen des Luzerner Sinfonieorchesters wird vor dem KKL eingeweiht. (Bild: jav)

Luzerner Sinfonieorchester Wenn Hochkultur eine Reise tut

3 min Lesezeit 19.06.2014, 10:02 Uhr

Das Luzerner Sinfonieorchester hat einen neuen Spielort. In einem Holzwagen werden sich Komponisten, Musikpädagogen und Instrumentenbauer für zwölf Wochen auf die Reise machen. Und dabei sollen nicht nur Kinder und Jugendliche näher zur Musik finden.

Die Vorstellung von fahrenden Künstlern deckt sich für die meisten Leute wohl kaum mit der eines Sinfonieorchesters. Der Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters Numa Bischof Ullmann will mit seiner neusten Idee etwas an diesen Vorstellungen rütteln. Mit seiner Idee, bei welcher nicht das Publikum zum Konzert kommt, sondern die Musik zum Publikum. Am Mittwoch präsentierte er nun stolz den Musikwagen – «Räder für die Musik» – vor dem KKL. Mit Trompeten, Fanfaren, dem Auftritt einer Kindergruppe und WM-Gebrüll im Hintergrund wurde der Wagen eingeweiht.

Schon eine Stunde vor der Eröffnung hört man rythmischen Stampfen und Klopfen aus dem Holzwagen auf dem Europaplatz. Elf Kinder proben für ihre musikalische Darbietung bei der Eröffnung des Musikwagens vor dem KKL. Mit Ästen und Steinen wird musiziert und gemeinsam gesungen. Passanten bewundern derweil das grosse Holzgefährt mit der runterklappbaren Bühne und dem Schaufenster.

Beim Workshop im Wagen wird fleissig für die Eröffnung geprobt.

Beim Workshop im Wagen wird fleissig für die Eröffnung geprobt.

(Bild: jav)

«Über Stock und Stein» ist das Motto der ersten Musikwagen-Saison des Luzerner Sinfonieorchesters LSO. Eine musikalische Wanderbühne, auf welcher sich die KKL-Hochkultur mit der Experimentierfreude von Kindern in der Natur vermischen soll. Ein Projekt, welches den Fokus auf Natur und Naturmaterialien legt. Sie würden ein Bewusstsein für die Urformen von Musik und die unzähligen Klangmöglichkeiten schaffen wollen, erklärt Projektleiterin Johanna Ludwig. «Während im Alltag die visuelle Wahrnehmung oft im Zentrum steht, findet im Musikwagen eine Sensibilisierung für das Hören statt.» Es sollen auch eigene Instrumente aus Naturprodukten entwickelt und gebaut werden können. Was man rund um den Wagen in der Natur finden kann, soll einfliessen dürfen. 
Musiker, Musikpädagogen, Theaterschaffende, Instrumentenbauer und Komponisten werden die künstlerische Arbeit der Kinder und Jugendlichen begleiten.

 

Mit Stock und Stein wird musiziert.

Mit Stock und Stein wird musiziert.

(Bild: jav)

Begegnungsstätte

Ab Herbst 2014 macht sich der Wagen auf den Weg zu seinem Publikum und bringt musikalische Entdeckungen und Aktivitäten in die Dörfer und Städte der Zentralschweiz. Auf seinem Weg wird er jeweils ein bis zwei Wochen vor Schulhäusern oder sozialen Einrichtungen stationiert. Dort werden für die Kinder und auch deren Umfeld Workshops angeboten. Es darf musiziert, erforscht und gebaut werden. Der Wagen solle dabei den Kindern und der Bevölkerung eines Ortes auch als kreativer Treffpunkt dienen.
An jedem Standort sollen zum Schluss die Ergebnisse präsentiert und ein Konzert mit dem LSO veranstaltet werden. Dabei ist Produktionsleiterin Ludwig offen für Ideen der Schulen, Institutionen und dem Umfeld der Teilnehmer. «Wenn beispielsweise auch eine Elternband beim Konzert dabei sein möchte, dann lässt sich das bestimmt einrichten», sagt sie. Und auch die selbstgebauten Instrumente sollen eine weitere Aufgabe erhalten. Diese sollen anschliessend im Dorf oder der Stadt installiert werden, um damit mehr Musik auch in den Alltag zu bringen. Dabei macht sich das Orchester auch mit dem Gedanken auf den Weg, einmal seinerseits dem Publikum zuzuhören und sich inspirieren zu lassen, so Ludwig.

Räder für die Musik

Über vier Monate hinweg wurde in der «Wagenschmiede» in Wetzikon am Musikwagen gearbeitet. Dieser ist momentan noch fast leer, die Wände weiss, doch das soll sich unterwegs ändern. Das Wageninnere soll in stetigem Wandel sein und von den Teilnehmenden mitgestaltet werden. Alle Kinder, die den Wagen bespielt haben, dürfen sich auch auf der Aussenfassade mit ihrem Namen verewigen. So entstehe in Zukunft ein Bild aller Musikerinnen und Musiker, Komponistinnen und Komponisten, die im Wagen tätig waren.

Im Juni 2015 am Familienkonzert im KKL soll der Wagen von seiner Tour auf den Europaplatz zurückkehren und die Ergebnisse seiner Reise zur Entdeckung zugänglich machen.

Einige der Kinder kosten den Applaus bis zum Schluss aus.

Einige der Kinder kosten den Applaus bis zum Schluss aus.

(Bild: jav)

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